Diplomarbeit, 2009
77 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Risikobegriff
2.1 Betriebliche Risiken
2.2 Marktrisiken
2.3 Sonstige Risiken
3. Risiko und Unternehmensbewertung
3.1 Berücksichtigung des Marktrisikos in Rahmen der Ertragswertverfahren
3.1.1 Sicherheitsäquivalentmethode
3.1.2 Risikozuschlagsmethode
3.2 Berücksichtigung der firmen- und branchenspezifischen Risiken in Rahmen der Risikosimulation
4. Risikoallokation
4.1 Die vertragliche Risikozuordnung nach OECD Business Restructuring Draft
4.1.1 Überprüfung der vertraglichen Risikozuordnung hinsichtlich der tatsächlichen Durchführung
4.1.2 Überprüfung der vertraglichen Risikozuordnung hinsichtlich des Fremdvergleichsgrundsatzes
4.1.2.1 Der Kontrollaspekt
4.1.2.2 Die Finanzkapazität
4.1.3 Wesentlichkeit der Risikoübernahme
4.1.4 Nichtanerkennung der vertraglichen Risikozuordnung
4.2 Risikozuordnung nach deutschem Recht
4.2.1 Ökonomisch-rationale Analyse der Risikozuordnung
4.2.2 Grenzen zulässiger vertraglichen Risikoübernahme: Die Gute-Sitten Klausel
5. Zusammenfassende Überlegungen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Risikoallokation zwischen verbundenen Unternehmen im Kontext von Funktionsverlagerungen zu analysieren, dabei auftretende Lücken in der steuerrechtlichen Behandlung aufzuzeigen und Ansätze zur Lösung sowie einer ökonomisch-rationalen Betrachtung zu entwickeln.
3.1.1 Sicherheitsäquivalentmethode
Unter einem Sicherheitsäquivalent versteht man jenen Betrag, der für einen Investor den gleichen Nutzen stiftet wie die unsicheren, d.h. zustandsabhängigen, Zahlungsüberschüsse. Würde man also annehmen, dass ein Investor eine Barabfindung angeboten bekommt und indifferent ist zwischen dem Erhalt der Abfindung und dem Recht auf die Zahlungen, müsste unter Voraussetzungen von Rationalität und logischer Konsistenz des Entscheiderverhaltens der Nutzen aus der Barabfindung gleich dem Erwartungsnutzen der Zahlungsüberschüsse sein. Das Sicherheitsäquivalent ist für jeden Entscheider individuell zu bestimmen. Dabei werden die risikobehafteten Zahlungsüberschüsse mittels der entscheidungsträgerindividuellen Nutzenfunktion sowie der von Neumann/Morgenstern entwickelten Risiko-Nutzenfunktion in eine entscheidungsträgerindividuelle Nutzengröße transformiert. Es gibt eine Vielzahl von individuellen Nutzenfunktionen; alle haben aber als Gemeinsamkeit eine monotone Steigung sowie konkave Wölbung. Mit anderen Worten steigt zwar der Nutzen mit wachsenden Zahlungsüberschüssen, sinkt jedoch mit zunehmender Risikobehaftung. Stimmen Sicherheitsäquivalent und Erwartungswert der Zahlungsüberschüsse überein, spricht man von einem risikoneutralen Investor. Ist der Investor bereit, mehr bzw. weniger Risiko auf sich zu nehmen, spricht man von einem risikofreudigen bzw. risikoaversen Entscheidungsträger.
Bei dieser Vorgehensweise wird der Unternehmenswert dadurch bestimmt, dass die Sicherheitsäquivalente in den einzelnen Zeitpunkten des Prognosezeitraums mit dem Kapitalisierungszinssatz einer sicheren Anleihe diskontiert werden.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Beweggründe für Funktionsverlagerungen von Unternehmen ins Ausland und formuliert das Ziel der Arbeit, die Risikoallokation im nationalen und internationalen Steuerrecht zu untersuchen.
2. Risikobegriff: Dieses Kapitel definiert den Risikobegriff und unterteilt unternehmerische Risiken systematisch in betriebliche Risiken, Marktrisiken und sonstige Risiken.
3. Risiko und Unternehmensbewertung: Hier wird der Einfluss von Risiken auf Unternehmensbewertungsverfahren beleuchtet, wobei insbesondere die Sicherheitsäquivalentmethode, die Risikozuschlagsmethode und die Risikosimulation kritisch diskutiert werden.
4. Risikoallokation: Dieser zentrale Abschnitt analysiert den OECD Business Restructuring Draft und das deutsche Recht hinsichtlich der vertraglichen Risikozuordnung, der Kontrollaspekte und der Finanzkapazität.
5. Zusammenfassende Überlegungen: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und identifiziert Lücken im OECD-Diskussionsentwurf, insbesondere bei der praktischen Bestimmung der Finanzkapazität und Wesentlichkeit von Risiken.
Funktionsverlagerung, Risikoallokation, OECD Business Restructuring Draft, Unternehmensbewertung, Fremdvergleichsgrundsatz, Kontrollaspekt, Finanzkapazität, Risikoübernahme, Steuerrecht, Ertragswertverfahren, Risikosimulation, Unternehmensrestrukturierung, steuerliche Risiken, Kapitalkostensatz.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik der Risikoallokation zwischen verbundenen Unternehmen im Rahmen von Funktionsverlagerungen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.
Zentrale Themenfelder sind der Risikobegriff, die Einbeziehung von Risiken in die Unternehmensbewertung, die vertragliche Risikozuordnung nach OECD-Standards und die steuerrechtliche Würdigung der Risikoübernahme nach deutschem Recht.
Das Ziel ist es, Lücken in der Behandlung der Risikozuordnung bei Funktionsverlagerungen zu beleuchten und den Bedarf für praxisorientierte Lösungsansätze aufzuzeigen, um die Dispositionsfreiheit der Unternehmen zu wahren.
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche und betriebswirtschaftliche Analyse, die insbesondere auf der Auswertung des OECD-Diskussionsentwurfs zu Business Restructurings und einschlägiger Literatur basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Risikos in der Bewertungspraxis und die detaillierte Analyse der Risikoallokation anhand der Kriterien Kontrollaspekt, Finanzkapazität und Wesentlichkeit.
Schlüsselbegriffe sind Funktionsverlagerung, Risikoallokation, Fremdvergleichsgrundsatz und das Kontrollkriterium der OECD.
Der Autor kritisiert den Kontrollaspekt als lückenhaft und in der Praxis oft schwer anwendbar, da er die Organisationsstrukturen heutiger Konzerne, in denen Entscheidungen global verteilt getroffen werden, nur unzureichend abbildet.
Der Autor bemängelt, dass der OECD-Entwurf keine konkreten Maßregeln zur Bestimmung der notwendigen Finanzkapazität liefert, was der Finanzverwaltung zu viel Ermessensspielraum bei der Nichtanerkennung vertraglicher Vereinbarungen einräumt.
Anstelle einer starren Definition oder der alleinigen Betrachtung von Bilanzdaten empfiehlt der Autor die Einführung relativer Schwellenwerte, um ökonomisch signifikante Risiken von unwesentlichen zu unterscheiden.
Der Autor weist darauf hin, dass § 138 BGB (Sittenwidrigkeit) als Korrektiv dient, um zu verhindern, dass bei Risikoübertragungen im Konzern ein Vertragspartner aufgrund wirtschaftlicher Machtstellung unangemessen benachteiligt wird.
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