Bachelorarbeit, 2014
27 Seiten
I. Einleitung
II. Charakteristika des Naturalismus
III. Charakteristika des roman noir
IV. Thérèse Raquin im Werk Zolas
a. Entstehung und Anlage des Werkes
b. Thérèse Raquin und der Rougon-Macquart-Zyklus
c. Manifest des Naturalismus
V. Einflussbereiche des roman noir
a. Tonalität
b. Halluzinationen
c. Camilles Porträt
d. Laurents Narbe
e. Die Hauskatze François
VI. Theorie und Praxis in Thérèse Raquin
VII. Zusammenfassung und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Émile Zolas Roman Thérèse Raquin tatsächlich den von ihm postulierten naturalistischen Schreibstil repräsentiert oder ob die narrative Struktur und Motivik stärker dem Genre des roman noir zuzuordnen sind.
d. Laurents Narbe
Von unablässiger Präsenz des Getöteten zeugt auch die Narbe in Laurents Nacken, welche Camille ihm im Todeskampf zugefügt hatte und die ihn sein weiteres Leben bis hin zu seinem Suizid schmerzhaft an seine Tat erinnern wird. Während der Auszeit der beiden Geliebten stellt die Narbe kein Problem dar, doch sobald die Hochzeit erst einmal arrangiert ist, fühlt Laurent sie mehr denn je: „il sentit sous ses doigts la cicatrice de la morsure de Camille. [...] Il fut terrifié en la retrouvant sur sa peau, il crut qu’elle lui mangeait la chair.“ (Zola, 1970, 320). Immer wenn Laurent versucht ist, zu glauben von seiner Tat zu profitieren, belehrt seine Narbe ihn eines Besseren. So auch beim Anziehen seiner Hochzeitskleidung und der nachfolgenden Zeremonie, bei welcher die Narbe ihm starke Schmerzen bereitet:
„Et Laurent, à chaque mouvement de son cou, éprouvrait une cuisson ardente qui lui mordait la chair; son faux col coupait et pinçait la morsure de Camille. Pendant que le maire lui lisait le code, pendant que le prêtre lui parlait de Dieu, à toutes les minutes de cette longue journée, il avait senti les dents du noyé qui lui entraient dans sa peau. Il s’imaginait par moments qu’un filet de sang lui coulait sur la poitrine et allait tacher de rouge la blancheur de son gilet“ (Zola, 1970, 346).
Die Wunde treibt ihn so sehr in Wahnsinn und Verzweiflung, dass er Thérèse dazu zwingen möchte, diese zu küssen. Er ist überzeugt, dies heile seine Schmerzen. Thérèse allerdings lehnt ab und wird ihren Mund erst bei ihrem beidseitigen Ableben auf Laurents Narbe legen (Vgl. Zola, 1970, 453). Somit wird Laurents Nacken, der anfänglich all‘ seine sexuelle Anziehungskraft ausmacht und Thérèse völlig faszinierte, später von ihr nur noch als abstoßend empfunden (Vgl. Schumacher, 1990, 36). Ganz im Sinne der Schauernovelle, unterstreicht Zola am Ende der Erzählung die moralische Bedeutung von Laurents Narbe:
I. Einleitung: Einführung in die Fragestellung und den wissenschaftlichen Kontext zu Zolas Stil in Thérèse Raquin.
II. Charakteristika des Naturalismus: Definition des Naturalismus als Strömung, die den Fokus auf Milieu, Erbe und objektive Beobachtung legt.
III. Charakteristika des roman noir: Darstellung der Merkmale der Schauernovelle, insbesondere Fokus auf Geheimnisse, Angst und moralische Vergeltung.
IV. Thérèse Raquin im Werk Zolas: Analyse der Entstehung des Romans, Einbettung in den Rougon-Macquart-Zyklus sowie Bewertung des Vorworts als theoretisches Manifest.
V. Einflussbereiche des roman noir: Untersuchung spezifischer Motive wie der düsteren Atmosphäre, Halluzinationen und symbolischer Objekte im Roman.
VI. Theorie und Praxis in Thérèse Raquin: Kritische Reflexion, inwieweit Zolas Theorie des reinen Naturalismus in der literarischen Praxis des Romans durch fantastische Elemente durchbrochen wird.
VII. Zusammenfassung und Fazit: Resümee über die hybride Natur des Romans zwischen naturalistischem Anspruch und Elementen des roman noir.
Émile Zola, Thérèse Raquin, Naturalismus, Roman noir, Gothic Novel, Schauernovelle, Rougon-Macquart, Determination, Halluzinationen, Schuldgefühl, Milieutheorie, Symbolik, Literaturwissenschaft, Literaturkritik, 19. Jahrhundert.
Der Fokus liegt auf der Analyse von Émile Zolas Roman Thérèse Raquin und der Frage, ob das Werk den Kriterien des Naturalismus vollständig entspricht oder ob Einflüsse des roman noir dominieren.
Die Arbeit behandelt die literarische Einordnung des Romans, das Verhältnis zwischen Zolas theoretischen Postulaten und der tatsächlichen Erzählweise sowie die symbolische Bedeutung von Elementen wie Halluzinationen und körperlichen Verletzungen der Protagonisten.
Das Ziel ist es, Zolas Behauptung zu hinterfragen, er habe in Thérèse Raquin einen rein objektiven und naturalistischen Stil angewandt, und stattdessen die "poetischen" bzw. schaurigen Dimensionen des Werkes aufzuzeigen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Auswertung zeitgenössischer Kritiken, der Untersuchung des Romantextes und dem Vergleich mit anderen Werken der Epoche basiert.
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Definitionen zum Naturalismus und zum roman noir dargelegt als auch spezifische Textstellen analysiert, die das Spannungsfeld zwischen rationaler Beobachtung und einer düsteren, fantastischen Atmosphäre verdeutlichen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Naturalismus, roman noir, Determination, Schuldgefühl, symbolische Atmosphäre und die ästhetische Gestaltung von Triebhaftigkeit charakterisieren.
Die Narbe dient als physische Manifestation des schlechten Gewissens und als erinnerndes Element, das den Mörder ständig mit seiner Tat konfrontiert und somit die Grenze zwischen physischer Realität und psychischer Qual verwischt.
Die Katze fungiert als stummer Zeuge des Verbrechens und wird durch die Charaktere subjektiv als Verkörperung des toten Camille wahrgenommen, was ihre Funktion als Instrument der literarischen Spannungssteigerung unterstreicht.
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