Diplomarbeit, 2007
77 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung und Fragestellung
2. Massenmedialer Diskurs zu familienorientierter Männlichkeit
2.1 Der Fürsorgeappell an Männer in der öffentlichen Debatte
2.2 Definition des Fürsorgeaspektes
2.3 Zusammenfassende Annahmen
3. Konstitution von Männlichkeiten
3.1 Theorien der Männerforschung
3.2 Männlichkeiten und Reproduktionsarbeit
3.3 Zusammenfassung: Einseitigkeit der männlichen Rolle
4. Arbeitsgesellschaft und Subjektivierung im strukturellen Wandel
4.1 Veränderungen in der Erwerbsarbeit
4.2 Das neue Leitbild der Arbeitskraft
4.3 Transformation sozialstaatlicher Regulierungen
4.4 Pluralisierung der Geschlechterverhältnisse
4.5 Subjektkonstruktion im neoliberalen Kapitalismus
4.6 Zusammenfassung: Entgrenzung und Subjektivierung
5. Familienorientierung und Männlichkeiten in einer gewandelten Arbeitsgesellschaft
5.1 Männlichkeiten im gesellschaftlichen Übergang
5.1.1 Vom Agenten und Akteur kapitalistischer Macht zum Unterdrückten
5.1.2 Entgrenzung und Auflösung der männlichen Ernährerrolle
5.1.3 Psychosoziale Folgen des Veränderungsdrucks
5.2 Ansätze für einen Wandel dominanter Männlichkeitsentwürfe
5.2.1 Veränderungspotenzial der hegemonialen Männlichkeit nach Connell
5.2.2 Wandlungsfähigkeit des männlichen Habitus
5.2.3 Reichweite des Rollenwandels
5.3 Aussagen der Männerforschung zur Hegemonialisierung des Fürsorgemoduls
5.3.1 Ambivalente Öffnung der Familienarbeit für Männer
5.3.2 Entwicklung fürsorglicher Selbstbilder
5.4 Zusammenfassung: Nischen und Handlungsbedarfe
6. Fazit
Die Arbeit untersucht, ob sich ein Wandel des hegemonialen Leitbildes von Männlichkeit abzeichnet, bei dem Fürsorgeaspekte stärker in männliche Selbstbilder integriert werden, und inwiefern eine Erweiterung der Männlichkeitskonzepte unter dem zunehmenden ökonomischen Druck realisierbar ist.
3. Konstitution von Männlichkeiten
Männlichkeit ist ein Topos, der sich nicht nur auf die Träger eines biologischen Geschlechtsmerkmals und sein soziales Geschlecht bezieht, sondern auch ein abstraktes Strukturmerkmal darstellt. Es handelt sich um einen relationalen Begriff, der die Ordnungsweise sozialen Handelns von Menschen und gesellschaftlicher Machtbeziehungen und -positionen bezeichnet (vgl. Döge/Volz 2002, 11). Er verweist auf die Struktur sozialer und individueller Praxis und beschreibt „die Praktiken, durch die Männer und Frauen diese Position einnehmen und die Auswirkungen dieser Praktiken auf die körperliche Erfahrung, auf Persönlichkeit und Kultur“ (Connell 2000, 91).
Zentrale Strategien bei der Herstellung von Männlichkeit bzw. Geschlecht sind:
- Differenzierung von Männlichkeit und Weiblichkeit
- Hierarchisierung geschlechtlicher Differenz und Herstellung sozialer Ungleichheitsbeziehungen (Dominanz des Männlichen, Unterordnung des Weiblichen)
- Invisibilisierung des Geschlechtlichen im Handeln (vgl. Meuser 2006, 122).
Männlichkeit und Weiblichkeit bedingen sich somit und schließen sich gegenseitig aus – d.h. ohne die Konstruktion von Weiblichkeit existiert keine Männlichkeit bzw. was männlich ist, kann nicht weiblich sein und vice versa. Männlichkeit ist durch den Phallus mit Autorität verknüpft, während Weiblichkeit symbolisch mit Mangel gleichgesetzt wird. Was Männlichkeit genau ist, ist demnach nie präzise definiert, sondern ergibt sich durch die Abgrenzung zum Weiblichen und muss erst mittels kultureller Deutungen festgelegt werden (vgl. Connell 2000, 91; Döge/Volz 2002, 11).
1. Einleitung und Fragestellung: Darstellung der gesellschaftlichen Veränderungen und Einführung in die Fragestellung nach dem Wandel männlicher Selbstbilder.
2. Massenmedialer Diskurs zu familienorientierter Männlichkeit: Analyse des Bildes des fürsorglichen Mannes in den Medien und Definition zentraler Begriffe wie Carework und Fürsorge.
3. Konstitution von Männlichkeiten: Theoretische Auseinandersetzung mit der Herstellung von Männlichkeit durch Differenzierung, Hierarchisierung und den männlichen Habitus.
4. Arbeitsgesellschaft und Subjektivierung im strukturellen Wandel: Untersuchung der Transformation der Arbeitswelt hin zur Neoliberalisierung und dem Leitbild des Arbeitskraftunternehmers.
5. Familienorientierung und Männlichkeiten in einer gewandelten Arbeitsgesellschaft: Zusammenführung der Themenfelder Fürsorgeappell, Männlichkeitskonstruktion und Arbeitswelt auf Basis der Männerforschung.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion der unzureichenden Erforschung bestimmter Aspekte der Männlichkeit.
Männlichkeit, Hegemoniale Männlichkeit, Fürsorge, Reproduktionsarbeit, Arbeitsgesellschaft, Neoliberalismus, Subjektivierung, Arbeitskraftunternehmer, Vaterschaft, Geschlechterverhältnis, Carework, Identitätskonstruktion, Sozialisation, Strukturwandel, Geschlechterrollen
Die Arbeit analysiert, wie sich Männlichkeitsbilder im Spannungsfeld zwischen den Anforderungen einer flexibilisierten Erwerbsarbeit und dem wachsenden gesellschaftlichen Appell an Männer zur Übernahme von Fürsorgearbeit verändern.
Zentrale Felder sind die Analyse von Männlichkeitstheorien, die Transformation der modernen Arbeitsgesellschaft im Neoliberalismus sowie die Auswirkungen dieser Prozesse auf die geschlechtliche Identität von Männern.
Ziel ist es zu klären, ob sich durch die veränderten Bedingungen in der Erwerbswelt tatsächlich ein Wandel hegemonialer männlicher Leitbilder hin zu einer stärkeren Integration von Fürsorgeaspekten abzeichnet.
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse, die aktuelle Theorien der Männerforschung, sozialwissenschaftliche Studien und massenmediale Diskurse zusammenführt, um die Konstruktion von Männlichkeit zu dekonstruieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Männlichkeitskonstitution, eine Analyse des ökonomischen Strukturwandels und eine detaillierte Zusammenführung dieser Aspekte mit der Realität väterlicher Familienarbeit.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Männlichkeit, Hegemoniale Männlichkeit, Arbeitskraftunternehmer, Carework und Neoliberalismus definiert.
Vaterschaft wird als soziale und ökonomische Ernährerfunktion kontextualisiert, während Väterlichkeit die gefühlsmäßige, fürsorgliche Bindung und den Alltagskontakt zum Kind beschreibt.
Ökonomische Zwänge führen dazu, dass Männer die Erwerbsarbeit weiterhin als primäre Quelle ihrer Identität und ihres Status betrachten, was die Integration von Fürsorgearbeit oft als Risikofaktor für ihre Karriere erscheinen lässt.
Der Arbeitskraftunternehmer beschreibt einen neuen Idealtypus von Arbeitnehmer, der sich durch Selbststeuerung und Selbstvermarktung auszeichnet, was neue Anforderungen an die Flexibilität und damit auch an die Lebensgestaltung von Männern stellt.
Die Autorin bewertet die Entwicklungen kritisch: Sie sieht zwar Anzeichen für ein Umdenken, konstatiert aber eine Hartnäckigkeit traditioneller Muster und warnt vor einer "Retraditionalisierung", da die strukturellen Rahmenbedingungen der Wirtschaft weiterhin männliche Dominanz begünstigen.
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