Bachelorarbeit, 2016
50 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Die Odenwaldschule in Ober-Hambach
2.1 Reformpädagogik und Geschichte der Odenwaldschule
2.2 Pädagogischer Eros
3 Das System Becker
3.1 Sexualisierte Gewalt
3.2 Strategien, Täter und Opfer
3.3 Bekanntwerden der Missbrauchsfälle und Auseinandersetzung
4 Geschlossene Gesellschaft Odenwaldschule
4.1 Kriterien totaler Institutionen nach Erving Goffman
4.2 Organisation in der Odenwaldschule: eine totale Institution? Erste Zusammenhänge zur sexualisierten Gewalt
5 Zusammenhänge von Organisation und sexualisierter Gewalt
6 Folgerungen für die Praxis
6.1 Strukturveränderungen in der Odenwaldschule
6.2 Allgemeine Präventionsmöglichkeiten für die Praxis
7 Fazit
Die Arbeit untersucht die Rolle der Organisationsform eines Internats bei der Entstehung sexualisierter Gewalt anhand des Fallbeispiels der Odenwaldschule, um Machtstrukturen und Entstehungsbedingungen in pädagogischen Einrichtungen zu analysieren.
3.1 Sexualisierte Gewalt
Erziehung an sich ist ein asymmetrisches Gefüge, dem ein Hierarchiegefälle innewohnt. Der größere Mensch, der auch die Rolle des gebildeteren und erfahreneren Menschen einnimmt, trifft auf ein Gegenüber das kleiner und in Belangen des Lebens ungeübter ist. Es entsteht ein Abhängigkeitsverhältnis, das zusätzlich in Emotionen eingebettet ist und somit nicht neutral sein kann. Als Kind verlässt man sich völlig auf seine Eltern, beziehungsweise seine Bezugspersonen, vertraut ihnen und ihrem Wissen. Diese wiederum kümmern sich mit voller Hingabe um ihren Nachwuchs und investieren im Normalfall viel Zeit und Liebe (vgl. Thiersch 1995, S.30f). Dieses ungleichmäßige Erziehungsverhältnis kann aber nicht nur in der privaten Familie, sondern auch in anderen pädagogischen Settings stattfinden, wie beispielsweise in Schulen oder Internaten. Dabei kann in vielerlei Hinsicht ein Machtkonstrukt entstehen, sodass jede Art der menschlichen Beziehung in irgendeiner Weise von Macht beeinflusst wird.
Es erscheint aber verständlich, dass in professionellen Erziehungssettings eine noch größere Chance für den Machtmissbrauch vorliegt, da sich die Asymmetrie aufgrund der fremden Bezugsperson noch einmal verstärkt (vgl. ebd. 1995, S.39). An dieser Stelle ist es nun aber wichtig, sich vor Augen zu halten, dass diese Überlegenheit des Erziehenden vorerst eine notwendige Voraussetzung für die Erziehung darstellt. Kinder brauchen zunächst eine Umgebung, die ihnen Orientierung für ihr eigenes Dasein bietet, sowie Stärke und Sicherheit vermittelt. Das Ziel einer jeden Erziehungsmaßnahme besteht darin, diese Ungleichheit nach und nach abzubauen und die Entwicklungsförderung des Kindes voranzutreiben. Solange die asymmetrische Grundform des Verhältnisses aber noch legitim ist, besteht die Gefahr, dass diese Interaktion zusätzlich mit Zwang angereichert wird (vgl. Wolf 2010, S.540f).
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik sexualisierter Gewalt in pädagogischen Institutionen ein und begründet die Relevanz der Fragestellung anhand des Falls der Odenwaldschule.
2 Die Odenwaldschule in Ober-Hambach: Dieses Kapitel skizziert die reformpädagogische Geschichte der Schule, deren idealisiertes Konzept des „pädagogischen Eros“ und die internatsähnliche Wohnstruktur in Familien.
3 Das System Becker: Die Strukturen körperlicher und seelischer Gewalt unter der Leitung von Gerold Becker werden analysiert, inklusive der Gewinnung von Mitwissern und der Instrumentalisierung von Schülern.
4 Geschlossene Gesellschaft Odenwaldschule: Hier werden Goffmans „totale Institutionen“ theoretisch erläutert und die Odenwaldschule mit ihren internen Machtmechanismen und Abhängigkeiten kritisch auf dieses Modell bezogen.
5 Zusammenhänge von Organisation und sexualisierter Gewalt: Die Erkenntnisse über organisatorische Rahmenbedingungen und das Zusammenwirken von Macht, Nähe und mangelnder Supervision werden synthetisiert.
6 Folgerungen für die Praxis: Das Kapitel behandelt notwendige Strukturveränderungen wie das Vier-Augen-Prinzip sowie allgemeine Präventionsmöglichkeiten und Ombudsstellen gegen sexualisierte Gewalt.
7 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Kombination aus totalitärer Organisationsform, pädagogischer Ideologie und individueller Tätermotivation die Gewalt ermöglichte.
Odenwaldschule, sexualisierte Gewalt, Gerold Becker, pädagogischer Eros, totale Institutionen, Erving Goffman, Machtmissbrauch, Internat, Reformpädagogik, Prävention, Kinderschutz, Abhängigkeitsverhältnis, systemische Aufarbeitung, Organisationsentwicklung, Täterschutzstrukturen.
Die Arbeit untersucht, welchen Einfluss die Organisationsform eines Internats auf das Entstehen von sexualisierter Gewalt hat, insbesondere am Fallbeispiel der Odenwaldschule.
Zentrale Themen sind die reformpädagogische Tradition, das System der totalen Institution nach Erving Goffman, Macht- und Abhängigkeitsdynamiken sowie die Mechanismen der Missbrauchsverheimlichung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie institutionalisierte Strukturen in Internaten sexuelle Übergriffe begünstigen und welche Handlungsfolgerungen für eine effektive Prävention in der Sozialen Arbeit gezogen werden können.
Es handelt sich um eine Literatur- und Theorieanalyse, die existierende Forschung, Berichte wie den Abschlussbericht zur Odenwaldschule und soziologische Theorien zu Institutionen verknüpft.
Der Hauptteil analysiert die Strategien der Täter, die Rolle des pädagogischen Eros als Legitimationsquelle und die strukturelle Analogie der Odenwaldschule zu Goffmans Theorie der totalen Institutionen.
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie "pädagogischer Eros", "totale Institution", "System Becker", "Sexualisierte Gewalt" und "Organisationsstrukturen".
Der Begriff wurde von den Tätern als einflussreiches pädagogisches Ideal instrumentalisiert, um Nähe zu Kindern als notwendigen Teil der Erziehung zu tarnen und so Übergriffe zu verschleiern.
Durch die enge Verzahnung von Machtpositionen des Schulleiters, die emotionale und materielle Abhängigkeit der Kinder sowie die Abgeschiedenheit des Internats wurde eine "Wagenburg-Mentalität" geschaffen, die Kontrollen von außen verhinderte.
Die Arbeit kritisiert das langjährige untätige Verhalten der Institution, die erst unter enormen medialen Druck und nach dem Bekanntwerden ähnlicher Skandale an anderen Schulen zu einer (halbherzigen) internen Auseinandersetzung bereit war.
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