Magisterarbeit, 2009
84 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Zum Begriff ,pathologisches Interesse‘
1.2 Durs Grünbeins Biographie
1.3. Überblick über das postmoderne Schreiben mit Blick auf Durs Grünbein
2. Grünbeins Poetologie
2.1 Zum Begriff ,poetologischer Text‘
2.2 Die ,Geburtsstunde des ersten Gedichts‘ bei Grünbein
2.2.1 Das ,erste Gedicht‘
2.2.2 Zwischenfazit
Vergleichender Exkurs zur ,Geburtsstunde des ersten Gedichts‘ bei Gottfried Benn
2.3 Grünbeins Selbstreflexionen am Beispiel
2.3.1 Galilei vermißt Dantes Hölle
2.3.3 Zwischenfazit mit ergänzenden Kommentaren
3. Grünbeins Poetologie am Beispiel
3.1 Zum hermeneutischen Ansatz
3.2 Grauzone morgens
3.2.1 Zwischenfazit
3.3 Den Teuren Toten
3.3.1 Zwischenfazit
4. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich das Interesse des Berliner Dichters Durs Grünbein an naturwissenschaftlichen Inhalten in seinem Werk widerspiegelt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Hypothese, dass Grünbein gesellschaftliche Missstände rhetorisch mit Krankheiten gleichsetzt und sein Interesse als diagnostisches Instrument für einen „pathologischen Bericht“ über den Zustand der postmodernen Gesellschaft einsetzt.
2.2.1 Das ,erste Gedicht‘
Um eine Annäherung an Grünbeins Werk zu erreichen, soll an dieser Stelle ein Gedicht aus dem Eingangszyklus des Bands Schädelbasislektion inhaltlich untersucht werden. Die formale Untersuchung soll in diesem Zusammenhang verzichtet werden, weil es für das Erfassen der Intention Grünbeins in diesem Fall nicht notwendig ist. Grünbein macht hier die Entstehung des ersten Gedichts zum Gegenstand. Es lautet:
„Unterm Nachtrand hervor
Tauch ich stumm mir entgegen.
In mir rauscht es. Mein Ohr
Geht spazieren im Regen.
Eine Stimme (nicht meine)
Bleibt zurück, monoton.
Dann ein Ruck, Knochen, Steine.
… Schädelbasislektion.“
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Untersuchung des naturwissenschaftlichen Interesses von Durs Grünbein ein und definiert das "pathologische Interesse" als methodischen Ausgangspunkt der Arbeit.
2. Grünbeins Poetologie: Hier wird das literarische Programm des Autors anhand von Essays und Reden erarbeitet, wobei insbesondere die Rolle des "kritischen Augenblicks" und die Bedeutung der Anatomie für sein Schreiben hervorgehoben werden.
3. Grünbeins Poetologie am Beispiel: Dieses Kapitel überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf konkrete Analysen der Gedichtbände "Grauzone morgens" und "Den Teuren Toten", um die Anwendung des "pathologischen Berichts" zu demonstrieren.
4. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert die Untersuchungsergebnisse und bestätigt die Bedeutung der naturwissenschaftlichen Rhetorik als zentrales Instrument für Grünbeins Gesellschaftskritik.
Durs Grünbein, Poetologie, Postmoderne Lyrik, Naturwissenschaft, Pathologie, Körperlichkeit, Gesellschaftskritik, Schädelbasislektion, Anthropologie, Literaturanalyse, Medizinisches Vokabular, Memento mori, Identitätsverlust, Gedichtanalyse, Literaturgeschichte.
Die Arbeit untersucht das Werk von Durs Grünbein im Hinblick auf sein Interesse an naturwissenschaftlichen Inhalten und wie dieses Wissen sein literarisches Schaffen prägt.
Im Zentrum stehen die poetologischen Konzepte des Autors, der Einfluss seiner Biographie sowie die Verbindung zwischen medizinischer Rhetorik und der Beschreibung gesellschaftlicher Missstände.
Das Ziel ist es zu belegen, dass Grünbein gesellschaftliche Fehlentwicklungen durch eine medizinisch-anatomische Rhetorik dokumentiert, die er als "pathologisches Interesse" bezeichnet.
Es wird ein hermeneutischer Ansatz verfolgt, der Textbeschreibung, Textanalyse und Interpretation kombiniert, um den poetologischen Gehalt von Essays und Gedichten zu erschließen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung der Poetologie Grünbeins und eine praktische Anwendung dieser Erkenntnisse auf Gedichte aus seinen frühen Sammlungen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "pathologisches Interesse", "Körperlichkeit", "biologizistisches Menschenbild" und "gesellschaftlicher Verfall" definiert.
In "Farbenlehre" zeigt sich besonders prägnant, wie der Autor die Physiologie des Menschen als Basis für seine Lyrik nutzt, um eine materialistische Weltsicht zu objektivieren.
Sie fungiert als Metapher für staatliche Überwachung und den destruktiven Einfluss bürokratischer Systeme auf die menschliche Lebendigkeit und Individualität.
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