Magisterarbeit, 2010
107 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung: Die Sonderstellung des Rumänischen innerhalb der Romania
2. Die rumänische Sprache und der Balkansprachbund
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Zum Begriff „Sprachbund“
2.1.2 Die Balkansprachen
2.1.3 Zum Begriff „Balkansprachbund“
2.1.4 Die wichtigsten Merkmale des Balkansprachbunds nach Schaller
2.1.4.1 Die „primären Balkanismen“
2.1.4.2 Kritik am Terminus „Balkanismen“
2.2 Die Balkansprachbund-Theorie und ihre Entwicklung
2.2.1 Die Forschung vor Trubetzkoy
2.2.2 Trubetzkoys Sprachbundbegriff
2.2.3 Sandfeld
2.2.4 Die Balkansprachbund-Diskussion nach Sandfeld
2.3 Rumänisch – eine romanische Sprache als Mitglied des Balkansprachbunds
3. Vergleichende sprachwissenschaftliche Untersuchung: Balkanische Strukturen des Rumänischen in Morphologie und Syntax und die Äquivalenz entsprechender Strukturen im Französischen, Spanischen und Italienischen
3.1 Der nachgestellte bestimmte Artikel
3.1.1 Der bestimmte Artikel in den romanischen Vergleichssprachen
3.1.2 Die lateinische Basis des bestimmten Artikels im Rumänischen
3.2 Zusammenfall von Genitiv und Dativ
3.2.1 Archaische Flexionsmorpheme versus analytische Nominalflexion
3.2.2 Der Zusammenfall von Genitiv und Dativ – eine balkanische Struktur?
3.3 Die analytische Komparation
3.3.1 Parallele Strukturen in den romanischen Vergleichssprachen
3.3.2 Mögliche Erklärungen für die analytische Komparation in den Balkansprachen
3.3.3 Der Verlust der Suppletivformen im Rumänischen
3.4 Das Zahlsystem von 11 bis 19
3.4.1 Lateinischer Wortbildungstypus in den romanischen Vergleichssprachen
3.4.2 Slawische Beeinflussung des rumänischen Zahlsystems
3.5 Eingeschränkter Infinitivgebrauch
3.5.1 Die Bevorzugung finiter Konstruktionen im Rumänischen
3.5.1.1 Das Rumänische im Vergleich mit den romanischen Schwestersprachen
3.5.1.2 Die Ausprägung des Phänomens in den Balkansprachen
3.5.1.3 Der Einfluss des Griechischen
3.5.1.4 Die Unwahrscheinlichkeit lateinischen Einflusses
3.5.1.5 Infinitivschwund in süditalienischen Dialekten
3.5.1.6 Die Position des Rumänischen
3.5.2 Die Ausnahme „a putea“
3.6 Analytische Bildung des Futurs mit dem Hilfsverb „wollen“
3.6.1 Mögliche Futurbildungen im Rumänischen
3.6.2 Das Futur der romanischen Vergleichssprachen
3.6.3 Das analytische Futur mit „wollen“ - ein Balkanismus?
3.7 Verdopplung des Objekts
3.7.1 Kasuszeichen „pe“ + Substantiv: Verdopplung des Objekts im Rumänischen
3.7.2 „A + alguien“ - eine äquivalente Struktur im Spanischen?
3.7.3 Die mögliche Herkunft dieses syntaktischen Phänomens
3.8 Verwendung von Personalpronomen in der Funktion von Possessivpronomen
3.8.1 Der Dativ der Personalpronomen im Rumänischen versus Possessivpronomen in den romanischen Vergleichssprachen
3.8.2 Mögliche balkanische und romanische Einflüsse
4. Zwischenfazit
5. Zur Bedeutung der Balkansprachbund-Theorie in Bezug auf die untersuchten morphologischen und syntaktischen Phänomene
5.1 Das Vorhandensein entsprechender Strukturen auch in anderen romanischen Sprachen oder Dialekten
5.2 Uneinigkeit der Forschung über die Ursprünge vieler Balkanismen
5.2.1 Die Problematik der Unkenntnis früherer Sprachzustände der Balkansprachen
5.2.2 Die Balkanismen in der Diskussion
5.3 Der Einfluss des Lateins auf dem Balkan
5.3.1 Lateinischer versus griechischer Einfluss
5.3.2 Lateinische Elemente des Albanischen
5.3.3 Latein als Auslöser so genannter Balkanismen?
5.3.4 Begrenzung des lateinischen Einflusses durch das Slawische
5.4 Jahrhundertelanger Sprachkontakt zwischen den Balkansprachen
5.4.1 Die besondere Sprachsituation auf dem Balkan
5.4.2 Gemeinsamkeiten in der Syntax als Folge intensiven Sprachkontakts
5.4.3 Rumänisch-slawischer Sprachkontakt
5.4.4 Transhumanz als bedeutender Faktor
6. Schlussfolgerung: Berücksichtigung der lateinischen Wurzeln des Rumänischen bei der Betrachtung seiner balkanischen Strukturen
7. Zusammenfassung
8. Literaturangaben
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die spezifischen morphologischen und syntaktischen Strukturen des Rumänischen, die traditionell als "Balkanismen" innerhalb der Balkansprachbund-Theorie eingeordnet werden, einer kritischen romanistischen Untersuchung zu unterziehen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, ob diese Phänomene zwingend durch die Balkansprachbund-Theorie erklärt werden müssen oder ob sie sich auch als innerromanische Entwicklungen aus der lateinischen Basis des Rumänischen herleiten lassen, insbesondere durch einen Vergleich mit anderen romanischen Sprachen wie Französisch, Spanisch und Italienisch.
3.1.1 Der bestimmte Artikel in den romanischen Vergleichssprachen
Eine auf den ersten Blick auffällige Besonderheit des Rumänischen im Vergleich zu den anderen romanischen Sprachen ist der nachgestellte bestimmte Artikel. Es ist der erste zu untersuchende „Balkanismus“ des Rumänischen.
Der bestimmte Artikel nimmt keine proklitische Position ein, sondern „befindet sich in enklitischer Position (in Nachstellung bzw. postpositiv), und zwar in einer normalerweise nicht lösbaren Verknüpfung mit der Substantivform.“ Diese Eigenschaft teilt das Rumänische mit dem Bulgarischen, Albanischen und Mazedonischen, jedoch nicht mit dem Griechischen („Unlike the majority of the other Balkanisms, the postposed definite article does not occur in Greek“). Nur der unbestimmte Artikel steht im Rumänischen vor dem Substantiv. In den romanischen Vergleichssprachen Französisch, Spanisch und Italienisch befindet sich der Artikel – egal ob bestimmt oder unbestimmt – stets vor dem Substantiv.
1. Einleitung: Die Sonderstellung des Rumänischen innerhalb der Romania: Das Kapitel führt in die isolierte Position des Rumänischen innerhalb der Romania ein und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, das Rumänische aus romanistischer Sicht im Kontext der Balkansprachbund-Theorie zu betrachten.
2. Die rumänische Sprache und der Balkansprachbund: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie "Sprachbund" und "Balkansprachbund" und gibt einen Überblick über die historische Entwicklung der Theorie sowie die beteiligten Sprachen.
3. Vergleichende sprachwissenschaftliche Untersuchung: Balkanische Strukturen des Rumänischen in Morphologie und Syntax und die Äquivalenz entsprechender Strukturen im Französischen, Spanischen und Italienischen: Im Hauptteil werden acht morphologische und syntaktische Phänomene des Rumänischen (z.B. Artikel, Komparation, Futur) mit romanischen Schwestersprachen verglichen, um deren Herkunft zu prüfen.
4. Zwischenfazit: Dieses Kapitel fasst die vorläufigen Ergebnisse des Sprachvergleichs zusammen und stellt fest, dass für viele untersuchte Strukturen eine Erklärung allein aus der Balkansprachbund-Theorie nicht zwingend erforderlich ist.
5. Zur Bedeutung der Balkansprachbund-Theorie in Bezug auf die untersuchten morphologischen und syntaktischen Phänomene: Es wird die Frage der Herkunft dieser Strukturen vertieft, wobei insbesondere der Einfluss des Lateinischen und Griechischen sowie die Rolle des Sprachkontakts und der Transhumanz kritisch diskutiert werden.
6. Schlussfolgerung: Berücksichtigung der lateinischen Wurzeln des Rumänischen bei der Betrachtung seiner balkanischen Strukturen: Die Arbeit zieht das Fazit, dass das Rumänische viele Strukturen bewahrt hat, die romanisch erklärbar sind, während andere Einflüsse durch den intensiven Sprachkontakt auf dem Balkan unbestritten bleiben.
7. Zusammenfassung: Hier werden die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit kurz und prägnant zusammengefasst und nochmals auf die differenzierte Betrachtung des Rumänischen hingewiesen.
Rumänisch, Balkansprachbund, Balkanismen, Sprachkontakt, Romania, Morphologie, Syntax, Vulgärlatein, Romanistik, Infinitivschwund, Komparation, Sprachwissenschaft, Diachronie, Transhumanz, Balkanlinguistik.
Die Arbeit untersucht die Sonderstellung des Rumänischen innerhalb der romanischen Sprachfamilie, insbesondere im Hinblick auf syntaktische und morphologische Merkmale, die gemeinhin als "Balkanismen" bezeichnet werden.
Im Zentrum stehen die Balkansprachbund-Theorie, der Sprachvergleich mit anderen romanischen Sprachen (Französisch, Spanisch, Italienisch) sowie die Frage, ob morphosyntaktische Phänomene des Rumänischen durch Sprachkontakt oder als lateinisches Erbe erklärbar sind.
Das Ziel ist es zu eruieren, ob man für das Rumänische zwingend das Konstrukt des Balkansprachbunds benötigt, um bestimmte morphologische und syntaktische Merkmale zu erklären, oder ob diese Strukturen auch aus der romanischen Herkunft der Sprache plausibel hergeleitet werden können.
Es handelt sich um eine sprachvergleichende Untersuchung. Anhand eines Textkorpus aus Tageszeitungen verschiedener Sprachen werden die Phänomene analysiert und mit der Forschungsliteratur zur Herkunft dieser Strukturen abgeglichen.
Im Hauptteil werden acht spezifische Phänomene einzeln analysiert, darunter der nachgestellte bestimmte Artikel, der Zusammenfall von Genitiv und Dativ, die analytische Komparation, das Zahlsystem von 11 bis 19, der Infinitivgebrauch, die Futurbildung, die Objektverdopplung und die Verwendung von Personalpronomen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Rumänisch, Balkansprachbund, Balkanismen, Sprachkontakt, Vulgärlatein und Romanistik charakterisieren.
Der Artikel ist ein auffälliges Phänomen, das das Rumänische von anderen romanischen Sprachen abhebt. Die Arbeit diskutiert, ob dies ein reiner "Balkanismus" ist oder eine vulgärlateinische Entwicklung, die in anderen romanischen Sprachen nicht fortgesetzt wurde.
Die Autorin zeigt, dass bestimmte Phänomene, die im Rumänischen als balkanisch gelten, auch in süditalienischen Dialekten auftreten, was darauf hindeutet, dass diese Strukturen teils auf frühe griechische Einflüsse zurückgehen und keine exklusiv balkanischen Merkmale sind.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass für einen Großteil der untersuchten Phänomene die Balkansprachbund-Theorie nicht zwingend notwendig ist, da diese auch als archaische lateinische Formen oder parallele Entwicklungen innerhalb der Romania erklärbar sind.
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