Bachelorarbeit, 2018
43 Seiten, Note: 9.3
1. Sirenen und Wasserfrauen. Eine kleine Einführung
1.1. Sirenen und Wasserfrauen von Mythen bis zum frühen Christentum.
1.2. Sirenen und Wasserfrauen von Mittelalter bis zum Paracelsus.
2. Fouqués Undine
2.1. Undine als liebendes Wesen und als Sinnbild.
2.2. Die Stimme von Undine.
3. Undine geht, Bachmanns Undine
3.1. Undine als liebendes Wesen und als Sinnbild
3.2. Die Stimme von Undine.
4. Schlussfolgerung
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der literarischen Figur der Undine vom antiken Sirenen-Mythos bis hin zur emanzipierten Darstellung bei Ingeborg Bachmann, wobei insbesondere die Rolle einer weiblichen Stimme und deren Unterdrückung durch patriarchalische Strukturen analysiert wird.
2.1. Undine als liebendes Wesen und als Sinnbild.
Fouqués Undine ist ein Waisenkind, das von Fischerleuten aufgezogen wird. Sie lebt im Wald von Natur und Wasser umgeben. Der Ort ist nicht nur schön, sondern lieblich und erschien als ein Liebesort, wo Land, Menschlichkeit, Erde und Wasser harmonieren. In dieses Locus amoenus lernt Huldebrand die schöne Undine kennen.
Der grüne Boden, worauf seine Hütte gebaut war, streckte sich weit in einen großen Landsee hinaus, und es schien ebensowohl, die Erdzunge habe sich aus Liebe zu der bläulich klaren, wunderhellen Flut in diese hineingedrängt, als auch, das Wasser habe mit verliebten Armen nach der schönen Aue gegriffen, nach ihren hochschwankenden Gräsern und Blumen und nach dem erquicklichen Schatten ihrer Bäume
Sogar wenn der Fluss das Land überschwemmt, beschriebt Huldebrand diesen Ort als Himmel. (Fouqué 2001, 19). Dieses Locus Amoenus „rekonstruiert“ sich am Ende der Erzählung, als Huldebrand „umgebracht“ ist. Undine verwandelt sich dann in ihr eigenes Urwesen, als Verzeihung der Sünden von Huldebrand. Wieder werden Wasser und Erde, Mensch und Wasserfrau in Übereinstimmung gebracht:
1. Sirenen und Wasserfrauen. Eine kleine Einführung: Dieses Kapitel gibt einen kulturhistorischen Überblick über die Ursprünge der Wasserfrauen-Mythen von der Antike über das Christentum bis hin zur Renaissance und thematisiert die frühen Zuschreibungen einer "gefährlichen" Stimme.
2. Fouqués Undine: Der Fokus liegt auf der romantischen Bearbeitung des Stoffs, bei der Undine durch ihre Ehe mit einem Menschen eine Seele erhält, was sie jedoch in ein patriarchales Machtgefüge und eine domestizierte Opferrolle zwängt.
3. Undine geht, Bachmanns Undine: Bachmanns moderne Interpretation wird als dekonstruktive Antwort und als innerer Monolog analysiert, in dem die Figur ihre Autonomie gegenüber dem Mann und patriarchalen Sprachkonventionen sucht.
4. Schlussfolgerung: Das Abschlusskapitel resümiert den schrittweisen Weg der Undine-Figur von der frühen Stimmlosigkeit zur bewussten Entscheidung für das Schweigen als Akt der Freiheit und Möglichkeit zur Neugestaltung.
Undine, Melusine, Martenehe, Romantik, Fouqué, Bachmann, weibliche Stimme, Wasserfrau, Sirene, Weiblichkeit, Geschlechterrollen, Feminismus, Elementarwesen, Emanzipation, Mythen.
Die Arbeit analysiert die literarische Evolution der Wasserfrau "Undine" und deren Verbindung zur gesellschaftlichen Repräsentation der Frau und ihrer Stimme durch verschiedene Epochen hindurch.
Die Schwerpunkte liegen auf der Mythologie, der Literaturgeschichte (Romantik bis Moderne), der Gender-Analyse und der Macht der Stimme in patriarchalen Machtstrukturen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Figur der Undine von einem fremdbestimmten, "seelenlosen" Wesen bei Fouqué zu einem emanzipierten Subjekt bei Bachmann entwickelt, das die männliche Dominanz durch eigene Reflexion dekonstruiert.
Die Arbeit nutzt kulturwissenschaftliche, literarische und genderkritische Analysen sowie den Rückgriff auf zeitgenössische Interpretationen und philosophische Thesen (z.B. von Simone de Beauvoir).
Im Hauptteil werden die Texte von Friedrich de la Motte Fouqué einem sorgfältigen Vergleich mit Ingeborg Bachmanns "Undine geht" unterzogen, insbesondere mit Blick auf die Motivik der Stimme und der Menschwerdung.
Wichtige Begriffe sind Undine, Stimme, Emanzipation, Machtverhältnisse, Romantik, Mythologie, Geschlechterrollen und Dekonstruktion.
Das Wasser symbolisiert sowohl die ursprüngliche Naturverbundenheit der Undine als auch die Grenze zwischen ihrem "Wesen" und den menschlichen sozialen Erwartungen, die sie zu überwinden versucht.
Das Schweigen wird hier nicht mehr als Defizit oder Unterdrückung verstanden, sondern als bewusster Akt der Freiheit und als notwendiger "Nicht-Ort", um sich den männlichen Sprachkonventionen zu entziehen und etwas Neues zu ermöglichen.
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