Masterarbeit, 2023
93 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Politische Verortung der Identitären Bewegung und ihre historischen Vorläufer
2.1 Arbeitsbegriff „Rechtsextremismus“
2.2 Begriffsklärung „Neue Rechte“
2.3 Entwicklung der Neuen Rechten
2.4 Das Vorbild der „Konservativen Revolution“
2.4.1 Begriffsklärung
2.4.2 „Konservative Revolution“ – Kontroverse und Definition
2.4.3 Das Verhältnis der „Konservativen Revolution“ zum Nationalsozialismus
3. Alte Denkmuster der Neuen Rechten
4. Die Identitäre Bewegung
4.1 Entstehung
4.2 Ideologie
4.3 Vernetzung im rechten und rechtsextremen Milieu in Deutschland
4.4 Die Identitäre Bewegung international
4.5 Die Online-Strategie der Identitären Bewegung
4.6 Verbote und Deplatforming – neue Wege innerhalb der Online-Strategie
5. Die Kritische Diskursanalyse
5.1 Diskurse innerhalb der Identitären Bewegung
5.1.1 Links und Rechts als fluktuierende ideologische Felder
5.1.2 Innen und Außen im Kontext von Grenzziehung
5.1.3 Oben und Unten als Strategie zur Selbstvergewisserung in einem Elitediskurs
5.2 Zwischenfazit
6. Gegenstrategien im digitalen Raum aus verschiedenen Blickwinkeln
7. Rechtsextremismusprävention durch politische Bildung
8. Fazit
9. Literatur- und Quellenverzeichnis
9.1 Literatur
9.2 Quellen
Die Masterarbeit untersucht das Gefahrenpotential der Identitären Bewegung (IB) im Kontext der Neuen Rechten. Dabei wird analysiert, ob es sich um eine modernisierte Form alter rechtsextremer Ideologien handelt, welche die demokratische Grundordnung unterwandern. Ein zentraler Fokus liegt auf der Kritischen Diskursanalyse, um aufzuzeigen, wie Internetstrategien und gezielte Diskurse gesellschaftliche Debatten nach rechts verschieben.
Die Identitäre Bewegung
Nachdem sich bisher mit der Entwicklung der Neuen Rechten befasst wurde, soll folgend auf die identitären Gruppen eingegangen werden. Die IB im engeren Sinne gibt es etwa seit Herbst 2012 in verschiedenen europäischen Ländern mit unterschiedlichen Ausprägungen. Ausschlaggebend war das Erklettern einer im Bau befindlichen Moschee am 20. Oktober 2012 in Poitiers, Frankreich, durch etwa 40 junge Erwachsene, welche ein Transparent mit der Aufschrift „732 Génération Identitaire“ spannten und ihre Botschaft postulierten: sie wollen die geistige, (männliche) soldatische Elite sein, welche sich gegen das drohende Unheil zur Wehr setzt.
Die Génération Identitaire war bis dahin die Jugendorganisation des 2003 gegründeten französisch-nationalistischen „Bloc Identitaire“, welcher wiederum die Nachfolgeorganisation der 2002 verbotenen Sammlungsbewegung „Unité Radicale“ (UR) darstellt. Ihr Verbot erfolgte, als ein UR-Mitglied am französischen Nationalfeiertag auf den damaligen Präsidenten Jacques Chirac schoss, was keinen Zweifel an der extremistischen Ausrichtung und Entschlossenheit der Bewegung aufkommen lässt. Als Symbol ihres Protestes wählten sie den griechischen Buchstaben Lambda mit gelber Schrift auf schwarzem Grund. Dieser war einst das Symbol des protofaschistischen Stadtstaates Lakedaimonien und wurde von den Aktivist:innen aus dem Graphic Novel Film „300“ entnommen, in welchem 300 Spartiaken heldenhaft gegen die scheinbar übermächtigen imperialistischen persischen Invasoren bestehen konnten. In der Bedrohung durch die Perser sehen sie Analogien durch eine scheinbare heutige Bedrohung durch Muslim:innen, was die Symbolik schnell erklärt.
1. Einleitung: Beleuchtung der Transformation rechtsextremer Jugendkulturen und der Entstehung des "Nipster"-Phänomens als moderne Fassade für alte Ideologien.
2. Politische Verortung der Identitären Bewegung und ihre historischen Vorläufer: Theoretische Einordnung der Neuen Rechten und ihrer ideologischen Wurzeln, insbesondere der "Konservativen Revolution".
3. Alte Denkmuster der Neuen Rechten: Analyse der Kontinuität faschistischer Denkmuster, angepasst an heutige Massenmedien und gesellschaftliche Diskurse.
4. Die Identitäre Bewegung: Untersuchung der historischen Entstehung, Ideologie, Vernetzung und der spezifischen Online-Strategien der Identitären Bewegung.
5. Die Kritische Diskursanalyse: Empirische Untersuchung anhand von Telegram-Kanälen, wie identitäre Akteure Ideologeme wie "Links/Rechts", "Innen/Außen" und "Oben/Unten" diskursiv nutzen.
6. Gegenstrategien im digitalen Raum aus verschiedenen Blickwinkeln: Auseinandersetzung mit Mechanismen wie Deplatforming und der Notwendigkeit einer reflexiven Zivilgesellschaft.
7. Rechtsextremismusprävention durch politische Bildung: Diskussion der Rolle und Möglichkeiten der politischen Bildung angesichts der Verschiebung des gesellschaftlichen Koordinatensystems.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der IB als netzwerkorientierte Kraft, die trotz taktischer Rückzüge eine dauerhafte Gefahr für demokratische Debatten darstellt.
Identitäre Bewegung, Neue Rechte, Rechtsextremismus, Konservative Revolution, Kritische Diskursanalyse, Ethnopluralismus, Digitaler Raum, Deplatforming, Politische Bildung, Demokratie, Sozialer Wandel, Rechtsextremismusprävention, Identitätspolitik, Radikalisierung, Telegram
Die Arbeit analysiert das Gefahrenpotential der Identitären Bewegung als Teil der Neuen Rechten, indem sie deren Strategien, Netzwerke und Ideologien kritisch beleuchtet.
Im Fokus stehen historische Bezüge, die modernisierte Online-Propaganda, die diskursive Verschiebung des Sagbaren und die Vernetzung mit anderen Akteuren des rechtsextremen Milieus.
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass die Identitäre Bewegung keine neue Bewegung, sondern eine ideologische Modernisierung der Alten Rechten ist, um so Ansätze für effektive Gegenstrategien abzuleiten.
Zur Untersuchung wird eine Kritische Diskursanalyse verwendet, um die Rhetorik und Narrationsmuster ausgewählter Telegram-Kanäle der Identitären Bewegung zu entschlüsseln.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einordnung der Neuen Rechten, eine empirische Analyse der identitären Diskurse sowie eine Diskussion über notwendige Präventionsmaßnahmen durch politische Bildung.
Zentrale Begriffe sind u.a. "Ethnopluralismus", "Kulturrevolution von rechts", "Deplatforming", "Corporate Identity" und die "Metapolitik" der Neuen Rechten.
Der Autor sieht Deplatforming als wirksames Mittel, um die Reichweite in der breiten Öffentlichkeit zu begrenzen, warnt jedoch vor dem Ausweichen der Szene in geschlossene Telegram-Räume, wo eine Radikalisierung ungehindert fortschreiten kann.
Die Arbeit weist auf die problematische Rolle des Verfassungsschutzes in der Vergangenheit hin, insbesondere bezüglich der organisatorischen Verstrickungen von V-Leuten in rechtsextreme Aktionen.
Politische Bildung wird als Schlüssel zur Prävention gesehen, wobei jedoch betont wird, dass sie eine Auseinandersetzung mit realen gesellschaftlichen Defiziten wie sozialer Ungleichheit erfordert, anstatt nur abstrakte Ideale zu verbreiten.
Der Autor definiert Rechtsextremismus nicht durch starre Grenzen, sondern als eine Ideologie, die die homogene "Volksgemeinschaft" ins Zentrum stellt und die demokratische Diversität ablehnt.
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