Bachelorarbeit, 2019
37 Seiten, Note: 2,3
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen und Forschungsansätze
2.1. Medizinethnologie und medizinische Heilsysteme
2.2. Die drei Gesundheitssektoren nach Kleinman
2.2.1. popular sector
2.2.2. folk sector
2.2.3. professional sector
2.2.4. Zusammenfassung/Fazit
2.3. Medizinischer Pluralismus in Indien
2.3.1. moderne Medizin
2.3.2. traditionelle Medizin
3. Das indische Gesundheitssystem
3.1. Asymmetrie zwischen traditioneller und moderner Medizin
3.2. Monopolstellung der Biomedizin
3.3. Das Ignorieren und die Marginalisierung des traditionellen Sektors
3.4. Staatliche Gesundheitsstrategie für Indien – „Modernisierung der traditionellen Medizin“
3.4.1. Neuorientierung nach der Kolonialzeit
3.4.2. Declaration of Alma-Ata 1978 – „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“
3.4.3. Zusammenarbeit von Biomedizinern und traditionellen Heilern
3.4.3.1. Einstellungen von Biomedizinern gegenüber traditionellen Heilern
3.4.3.2. Einstellung von Heilern gegenüber Biomedizinern
3.4.3.3. ethnologisches Beispiel: Basu (2014): Dava & Dua
3.4.3.4. Resultat für Zusammenführung der beiden Medizinsysteme
3.4.4. Resultat der staatlichen Gesundheitsstrategie
4. Kritik am Drei-Sektoren-Modell
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Gefüge des medizinischen Pluralismus in Indien und analysiert die bestehende Asymmetrie zwischen der dominanten modernen Biomedizin und den traditionellen Medizinsystemen, unter Berücksichtigung sozioökonomischer und historischer Machtstrukturen.
3.1. Asymmetrie zwischen traditioneller und moderner Medizin
Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Ende der Kolonialzeit wurden die Länder des Südens zu nach Auffassung der Industriestaaten zu sogenannten Entwicklungsländern (Knaut 2003:141). „Entwicklung wurde weitgehend verstanden als ‚Modernisierung‘ von ‚traditionellen Gesellschaften‘ (ebd.). Bereits der Begriff ‚Entwicklung‘ enthält ein westliches Paradigma, dass sich an wirtschaftlichem Wachstum und am Bruttosozialprodukt eines Landes misst (ebd.). Mit der Kategorisierung kam eine einseitige Perspektive vom Eigenen und vom Fremden, die ein statisches Verständnis von Medizin und Pluralismus generiert (Van Eeuwijk 2010:142).
Folglich bedeutet es, dass die gesamte Bandbreite der Heilsysteme in nur zwei Kategorien unterteilt wird: auf der einen Seite die moderne Medizin des westlichen Europas und Nord-Amerikas und auf der anderen Seite die traditionelle Medizin im „außereuropäischen Rest der Welt“ (ebd.:141). Diese Zweiteilung ist sehr wertend und qualifizierend, denn modern wird aus der naturwissenschaftlichen Perspektive positiv dargestellt, da es wissenschaftlich begründet werden kann und somit auch Krankheit dieser Grundlage unterliegt, während traditionell mit Glauben gleich Unglück verbunden wird (ebd.:142). Die Ursache für die negative Konnotation liegt in der westlichen Gesellschaft verankert. Und zwar wird der Begriff rituelle Heilung mit dem Begriff Aberglaube assoziiert, was die Wirksamkeit infrage stellt, da es nicht wissenschaftlich belegbar ist (Sax 2007:213).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des medizinischen Pluralismus in Indien ein, definiert das Forschungsziel und erläutert die geplante Vorgehensweise sowie die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2. Begriffsdefinitionen und Forschungsansätze: Dieses Kapitel liefert die theoretischen Grundlagen, indem es die Konzepte der Medizinethnologie, die Lehre von den drei Gesundheitssektoren nach Kleinman sowie die Definition von medizinischem Pluralismus erläutert.
3. Das indische Gesundheitssystem: Im Hauptteil wird die historische Genese und der Zustand des aktuellen indischen Gesundheitssystems analysiert, insbesondere die Asymmetrie und die Marginalisierung traditioneller Heilverfahren durch die moderne Biomedizin.
4. Kritik am Drei-Sektoren-Modell: Hier erfolgt eine kritische Reflexion des Modells von Kleinman, wobei insbesondere die Vernachlässigung gesamtwirtschaftlicher und machtpolitischer Makrostrukturen problematisiert wird.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und schlussfolgert, dass eine einfache Integration der Medizinsysteme aufgrund der unterschiedlichen Paradigmen fachlich schwierig und politisch kaum sinnvoll umsetzbar ist.
Medizinischer Pluralismus, Indien, Biomedizin, traditionelle Medizin, Medizinethnologie, Drei-Sektoren-Modell, rituelle Heilung, Gesundheitsstrategie, Postkolonialismus, Machtstrukturen, Gesundheitsversorgung, Marginalisierung, Modernisierung.
Die Arbeit befasst sich mit dem medizinischen Pluralismus in Indien und analysiert das spannungsgeladene Verhältnis zwischen der modernen biomedizinischen Medizin und den vielfältigen traditionellen Heilmethoden.
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung medizinischer Heilsysteme, die Auswirkungen kolonialer Strukturen auf die aktuelle Gesundheitspolitik Indiens sowie das Verhältnis zwischen Patienten und verschiedenen Heilergruppen.
Das Ziel ist es, die Position des modernen medizinischen Paradigmas im pluralistischen indischen System zu ergründen und die Gründe für die Asymmetrie sowie die Marginalisierung traditioneller Medizin zu hinterfragen.
Die Arbeit stützt sich auf eine sozialanthropologische Betrachtungsweise, nutzt die theoretischen Konzepte der Medizinethnologie und führt eine diskursive Auseinandersetzung anhand von Fachliteratur und ethnologischen Fallbeispielen.
Der Hauptteil widmet sich der Entwicklung des indischen Gesundheitssystems nach der Kolonialzeit, der Rolle des Drei-Sektoren-Modells nach Kleinman und einer kritischen Auseinandersetzung mit der staatlich forcierten „Modernisierung“ traditioneller Heilweisen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medizinischer Pluralismus, Biomedizin, rituelle Heilung, Postkolonialismus und das Drei-Sektoren-Modell zentral charakterisiert.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass eine Integration beider Systeme aufgrund fundamental unterschiedlicher Paradigmen und einer bestehenden strukturellen Überordnung der Biomedizin kaum sinnvoll oder zielführend ist.
Das treatment gap beschreibt die Lücke zwischen dem medizinischen Behandlungsangebot der offiziellen Einrichtungen und dem tatsächlichen, unversorgten Bedarf der Bevölkerung, insbesondere im informellen oder traditionellen Sektor.
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