Bachelorarbeit, 2023
49 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Theorieteil
2.1 Pierre Bourdieus Habituskonzept
2.1.1 Der Habitus als Teil des Kulturkapitals
2.1.2 Die legitime Kultur der Oberschichten
2.2 Zwischenfazit
2.3 Habitus und institutioneller Erfolg in Bildungseinrichtungen
2.3.1 Die Illusion der Chancengleichheit
2.3.1.1 Die Reproduktion sozialer Ungleichheiten im Bildungssystem
2.3.1.2 Bildungserfolg – Keine Frage der Begabung
2.3.2 Die biographische Erfahrung Bourdieus
2.4 Zwischenfazit
3 Empirieteil – Kinder aus Nichtakademikerfamilien im Studium
3.1 Unterrepräsentation von Arbeiterkindern an Universitäten
3.1.1 Soziale Segregation vor Eintritt in den Tertiärbereich
3.1.2 Selektiv wirkende Herkunftseffekte beim Übergang ins Studium
3.2 Zwischenfazit
3.3 Die universitäre Sozialisation von Arbeiterkindern
3.3.1 Die Nicht-Passung des Habitus
3.3.2 Fremdheitserfahrungen an der Hochschule
3.3.3 Akkulturation – Die Habitusmuster von Bildungsaufsteigerinnen und Bildungsaufsteigern
3.4 Zwischenfazit
4 Abschließendes Fazit
Die Arbeit untersucht die Rolle des Habitus-Konzepts nach Pierre Bourdieu bei der Erklärung von Bildungsungleichheiten im deutschen Hochschulsystem, mit einem besonderen Fokus auf die Passungsprobleme von Studierenden aus Nichtakademikerfamilien.
2.1 Pierre Bourdieus Habituskonzept
Der Begriff des Habitus wurde von Pierre Bourdieu im Jahr 1967 systematisch eingeführt (vgl. Rehbein 2006: 89). Seinen Ursprung hat er in der griechischen Philosophie der Antike, wobei der Terminus Hexis von Aristoteles im Mittelalter übersetzt wurde in das lateinische Wort habitus, welches Gewohnheit, Disposition oder etwas „Gehabtes“ meint. Im Zentrum von Bourdieus Erkenntnisinteresse steht dabei die Relation zwischen Einübung, Anwendung und Empfindung des Habitus (vgl. Fröhlich/Rehbein 2014: 110 f.). Seine Ausgangsfrage, die er mit dem Begriff des Habitus beantwortet (vgl. Rehbein 2006: 86), bildet folgende: „Wie können Verhaltensweisen geregelt sein, ohne dass ihnen eine Befolgung von Regeln zugrunde liegt?“ (Bourdieu 1992: 86 zit. nach Rehbein 2006: 86) Mit dem Habitusbegriff wird ermöglicht, die Handelnden weder nur als strukturalistische Träger von Struktur zu verstehen noch diese allein durch den Individualismus determiniert zu erfassen (vgl. Rehbein 2006: 86). Eine mögliche Definition könnte wie folgt lauten: „[Der Habitus] ist das Prinzip des Handelns, Wahrnehmens und Denkens sozialer Individuen.“ (Fröhlich/Rehbein 2014: 111) In ihm sind die Tendenzen inbegriffen, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln, was von der Tatsache herrührt, dass diese Gewohnheiten zuvor durch einen Lernprozess erworben wurden (vgl. ebd.). „Der Habitus beruht [also] auf der Aneignung sozialer Handlungsformen“ (Rehbein 2006: 87) und der Tendenz, in ähnlichen Situationen ähnlich zu handeln. Insbesondere diejenige Situation, in der ein gewisses Handeln zum ersten Mal angewendet wird – und zwar so, wie es gelernt wurde – ist prägend für weitere Situationen, die der ersten ähneln.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Relevanz sozialer Ungleichheit in Deutschland und stellt die zentrale Fragestellung zur Rolle des Habitus bei der universitären Passung von Arbeiterkindern vor.
2 Theorieteil: Dieser Abschnitt erarbeitet das theoretische Fundament durch Bourdieus Habituskonzept und Kapitaltheorie, um die Reproduktion sozialer Ungleichheit durch das Bildungssystem zu erklären.
3 Empirieteil – Kinder aus Nichtakademikerfamilien im Studium: Dieses Kapitel liefert empirische Daten zur Unterrepräsentation von Arbeiterkindern und analysiert deren universitäre Sozialisationserfahrungen.
4 Abschließendes Fazit: Das Fazit synthetisiert die theoretischen Erkenntnisse mit den empirischen Befunden und bekräftigt die Bedeutung des Habitus für Bildungsbiographien sowie die illusionäre Natur des meritokratischen Systems.
Habitus, Pierre Bourdieu, Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Nichtakademikerkinder, Kapitaltheorie, Kulturelles Kapital, Universität, Bildungsaufsteiger, Sozialisation, Akkulturation, Chancengleichheit, Meritokratie, Soziale Selektion, Bildungsbiographie
Die Arbeit untersucht, warum Kinder aus Nichtakademikerfamilien im deutschen Hochschulsystem benachteiligt sind und welche soziologischen Mechanismen – insbesondere das Konzept des Habitus – diese Ungleichheit reproduzieren.
Die zentralen Themen sind soziale Herkunft, Bildungsungleichheit, die Wirksamkeit des Habitus in Bildungseinrichtungen sowie die spezifischen Hindernisse und Akkulturationsprozesse von Bildungsaufsteigern an der Universität.
Das Ziel ist es zu analysieren, welche Rolle der Habitus von Arbeiterkindern spielt, wenn sie den Übergang in die „fremde Welt“ des Hochschulstudiums bewältigen müssen, und aufzuzeigen, wie das Bildungssystem durch „Passung“ bzw. „Nicht-Passung“ sozial selektiert.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der soziologischen Theorie Pierre Bourdieus basiert und durch eine Auswertung empirischer Bildungsstudien und sozialer Erhebungen gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in einen Theorieteil, der Bourdieus Konzepte (Habitus, Kapitalarten) einführt, und einen Empirieteil, der die soziale Segregation beim Bildungsübergang sowie die universitäre Sozialisation, Fremdheitserfahrungen und Anpassungsleistungen von Studierenden aus dem Arbeitermilieu beleuchtet.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Habitus, Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, kulturelles Kapital, Nichtakademikerkinder und Akkulturation charakterisieren.
Die Biographie wird genutzt, um die Reflexivität seiner Theorie zu unterstreichen. Trotz seines Aufstiegs aus bäuerlichen Verhältnissen in die akademische Elite lehnte er es ab, diesen Erfolg als rein individuelle „Begabung“ zu deuten, und hielt an der sozialtheoretischen Analyse struktureller Ungleichheiten fest.
Damit ist die Diskrepanz zwischen den von der Familie mitgebrachten, verinnerlichten Verhaltens- und Denkmustern der Studierenden und den habituellen Anforderungen des universitären Feldes gemeint, die oft als „fremd“ empfunden wird.
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