Bachelorarbeit, 2010
69 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Segregation als theoretischer Ausgangspunkt
2.1 Begriffsklärung
2.2 Ursachen von Segregation
2.3 Folgen von Segregation
3 Gentrification – ein segregationsrelevanter Prozess
3.1 Definition
3.2 Erklärungsansätze
3.3 Phasen des Prozesses
3.4 Probleme bei der Beschreibung des Prozesses
4 Berlin - Prenzlauer Berg: Eine Charakteristik des Untersuchungsfeldes
4.1 Berliner Stadtentwicklung seit 1990
4.2 Geschichte des Prenzlauer Bergs
4.3 Der Kollwitzplatz
5 Methodisches Vorgehen
5.1 Das qualitative Interview entlang eines Leitfadens
5.2 Auswahl der Probanden
5.3 Datenauswertung
6 Zentrale empirische Befunde
6.1 Codes
6.2 Proband Karl
6.2.1 Biographischer Rahmen
6.2.2 Interviewsituation
6.2.3 „Das ganze Publikum wurde ausgetauscht“
6.3 Probandin Ursula
6.3.1 Biographischer Rahmen
6.3.2 Interviewsituation
6.3.3 „Die sehen alle nicht glücklich aus“
6.4 Zusammenfassung
7 Fazit
8 Fremdsprachiges Resümee
9 Bibliographie
10 Anhang
Diese Bachelorarbeit untersucht aktuelle Segregationsprozesse im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, wobei der Fokus insbesondere auf der Gentrification liegt. Ziel der Arbeit ist es, die Wahrnehmung der Bewohner bezüglich der sozialen Veränderungen im Viertel qualitativ zu erforschen und zu analysieren, ob es zu einer Verdrängung ansässiger Gruppen kommt.
3.1 Definition
Der Begriff Gentrification wurde von der Britischen Soziologin Ruth Glass geprägt und beruht auf dem englischen „gentry“, das mit dem deutschen Begriff des Landadels übersetzt werden kann. Glass widmete ihre soziologischen Studien den Londoner Arbeiterbezirken der 1960er Jahre und beobachtete eine Verdrängung der ansässigen Arbeiter durch den Zustrom Angehöriger der Mittelklasse. Das Phänomen fand auch in den USA der 1970er Jahre Beachtung. In Deutschland wurde der Begriff erstmals von dem Soziologen Jürgen Friedrichs und seinen Kollegen geprägt. Eine erste Studie dazu unternahm Friedrichs mit Dangschat 1988 in Hamburg (vgl. Blasius 2004: 21). Er definiert Gentrification als den „Austausch einer statusniedrigen durch eine statushöhere Bevölkerung in einem Wohngebiet“ (Friedrichs 1996: 14) und gibt damit eine sehr reduzierte, auf die Kernmerkmale beschränkte Begriffsdefinition.
Gentrification wurde bislang aufgrund der Komplexität des Prozesses auf unterschiedliche Weise analysiert und erklärt und demnach sind die Definitionen Resultat eines je unterschiedlichen Fokus. So wird Gentrification zum Einen im Zusammenhang mit einer Verbesserung der baulichen, sozialen und Infrastruktur eines Gebietes erklärt, zum Anderen aus ökonomischer Sicht durch Investitionen in Gebieten, die bisher durch Desinvestitionen geprägt waren. Wiederum andere Begriffsklärungen setzen den Schwerpunkt auf einen demographischen und sozialen Wandel mit der Entstehung neuer Lebensmodelle (vgl. Holm 2006: 64). Holm fasst den allgemeinen Konsens über den Gentrification-Begriff zusammen und gibt damit eine Definition, die Friedrichs Begriffsbestimmung des Prozesses um eine grundlegende Eigenschaft ergänzt: „Als Gentrification wird ein Prozess beschrieben durch den Haushalte mit höherem Einkommen BewohnerInnen mit geringerem Einkommen aus der Nachbarschaft verdrängen und die wesentlichen Merkmale und Stimmungen der Nachbarschaft verändern“ (Holm 2006: 64). Erst wenn ein Wandel der Stimmung und nachbarschaftlichen Beziehung eintrete, könne also von Gentrification gesprochen werden. Diese Definition erscheint im Hinblick auf die Forschungsfrage weitaus sinnvoller und soll in dieser Arbeit als Grundlage dienen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Strukturwandels und der damit einhergehenden Segregation in modernen Städten ein und legt den Fokus auf die Gentrification im Prenzlauer Berg.
2 Segregation als theoretischer Ausgangspunkt: Dieses Kapitel definiert soziale Segregation als Verräumlichung sozialer Ungleichheit und analysiert deren Ursachen sowie die ambivalenten Folgen für betroffene Quartiere.
3 Gentrification – ein segregationsrelevanter Prozess: Das Kapitel bietet eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Gentrification, verschiedenen Erklärungsansätzen, dem Phasenmodell und der Problematik der Prozessbeschreibung.
4 Berlin - Prenzlauer Berg: Eine Charakteristik des Untersuchungsfeldes: Hier wird die historische und aktuelle Stadtentwicklung des Prenzlauer Bergs seit 1990 sowie die spezifische Situation rund um den Kollwitzplatz detailliert dargestellt.
5 Methodisches Vorgehen: Dieses Kapitel erläutert die Wahl der qualitativen Interviewmethode, die Auswahl der Probanden im Umfeld des Kollwitzplatzes sowie das Verfahren der Datenauswertung.
6 Zentrale empirische Befunde: Hier werden die Ergebnisse der geführten Interviews mit Karl und Ursula ausgewertet, wobei insbesondere die Wahrnehmung des sozialen Wandels und der Verdrängung im Zentrum stehen.
7 Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass im Prenzlauer Berg eine soziale Homogenisierung stattfindet, die von den Probanden kritisch als Verlust von Lebendigkeit und als Verdrängung wahrgenommen wird.
Segregation, Gentrification, Prenzlauer Berg, Kollwitzplatz, Stadtentwicklung, Verdrängung, soziale Entmischung, Wohnungspolitik, qualitative Sozialforschung, Leitfadeninterview, soziale Distanz, Strukturwandel, Mittelklasse, Kapitalarten, Nachbarschaftsatmosphäre.
Die Bachelorarbeit befasst sich mit aktuellen Segregationsprozessen in Berlin und analysiert am Beispiel des Stadtteils Prenzlauer Berg, wie sich der Prozess der Gentrification auf das soziale Gefüge und die Wahrnehmung der Bewohner auswirkt.
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung von Segregation und Gentrification, die bauliche und soziale Transformation des Prenzlauer Bergs sowie die empirische Untersuchung der Perspektiven langjähriger und neuer Bewohner.
Das primäre Ziel ist es, qualitativ zu erforschen, ob und wie Gentrification von den Bewohnern als segregierender Prozess wahrgenommen wird und ob dabei tatsächlich von Verdrängung die Rede sein kann.
Die Verfasserin verwendet ein qualitatives Forschungsdesign, konkret Leitfadeninterviews mit zwei Bewohnern, deren Aussagen im Anschluss inhaltsanalytisch nach Mayring mit Unterstützung der Software MAXQDA ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die Beschreibung des Untersuchungsfeldes Prenzlauer Berg, die Darstellung der methodischen Vorgehensweise sowie eine detaillierte Auswertung der empirischen Befunde aus den Interviews.
Wichtige Begriffe sind Segregation, Gentrification, Verdrängung, soziale Entmischung, Stadtentwicklung, Kollwitzplatz, Prekarisierung und die Wahrnehmung von Nachbarschaftsveränderungen.
Der Kollwitzplatz wurde aufgrund seiner historischen Bedeutung, seines Status als ehemaliges Sanierungsgebiet und der daraus resultierenden starken Fluktuation als idealer Ort gewählt, um Menschen mit unterschiedlichen Biografien und Standpunkten zur Gentrification zu finden.
Während Karl insbesondere ökonomische Faktoren wie Mietsteigerungen und die Rolle von Vermietern als treibende Kräfte der Verdrängung hervorhebt, betont Ursula stärker die soziale Kälte und die mangelnde Interaktion der neuen Bewohner im Alltag.
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