Masterarbeit, 2023
77 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Suizid
2.1. Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen
2.2. Suizidbeihilfe oder Sterbehilfe?
2.2.1. Formen der Sterbehilfe
2.2.2. Suizidbeihilfe – Assistierter Suizid
2.3. Parlamentarische Debatte versus kirchliche Diskussion
2.3.1. Politische Entwicklungen zum assistierten Suizid
2.3.2. Positionierung der Kirche
3. Darstellung der Konzeption von Wilhelm Kamlah
3.1. Philosophische Anthropologie als ‚dritter Weg‘
3.1.1. Der Mensch als bedürftiges Wesen
3.1.1.1. Widerfahrnis – Handlung, Bedürftigkeit – Begehren
3.1.1.2. Zuwendung auf den Mitmenschen
3.1.2. Der Tod als pures Widerfahrnis
3.2. Ethik
3.2.1. Normative Ethik – Wie sollen wir leben?
3.2.1.1. (Praktische) Grundnorm
3.2.1.2. Institutionelle Pflichten und Normen
3.2.1.3. Das ‚Wenn-Dann-Gefüge‘
3.2.2. Eudämonistische Ethik: Die ars vitae - Wie können wir (gut) leben?
3.2.2.1. ‚Am Leben sein‘ versus ‚Leben können‘
3.2.2.2. Grunderfahrung – Grundeinsicht – Paradoxer Ratschlag
3.2.2.3. Lebensbedingungen und vitale Güter
3.3. Der sanfte Freitod – Bedingungen für die ethische Qualität
4. Darstellung der kirchlichen Position in Deutschland
4.1. Das Leben als Gabe Gottes
4.2. Gott – Ein Freund des Lebens
4.3. Der Mensch und sein Lebensauftrag
4.4. Suizidbeihilfe
4.5. Schutz des menschlichen Lebens
5. Diskussion
5.1. Praktische Grundnorm versus Gott?
5.1.1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
5.1.2. Kritischer Vergleich
5.2. Die ethische Frage nach dem (ärztlich) assistierten Suizid
6. Schluss
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit des assistierten Suizids unter Berücksichtigung der philosophischen Konzeption von Wilhelm Kamlah sowie der Positionen der christlichen Kirche in Deutschland. Ziel ist es, das komplexe Spannungsfeld zwischen der Selbstbestimmung des Einzelnen, der gesellschaftlichen Verantwortung und dem Schutz des Lebens zu analysieren, um eine ethische Beurteilungsgrundlage für die Debatte um assistierten Suizid zu entwickeln.
3.1. Philosophische Anthropologie als ‚dritter Weg‘
„Der Gegenstand der philosophischen Anthropologie ist […] nicht aber der Mensch, wie er sich, als von Pflanze und Tier verschiedenes Lebewesen, irgendwo in Europa oder im afrikanischen Busch oder in ferner Vergangenheit vorfindet“.83
Mit dieser Kritik widmet sich Kamlah an die neuzeitlichen Wissenschaften – unter anderem an die Psychologie, Medizin und die Biologie – die mit ihrer Wissenschaft vom Menschen an den Menschen selbst gar nicht herankommen, sondern diesen lediglich aus einer ‚Distanz‘ erforschen.84 Die Distanz impliziert Beobachtungen, Berechnungen oder Messungen, die mit ihrer methodischen Reduktion „vom individuellen Menschen und seiner Lebenslage abstrahiert, in dem sie ihn standardisiert“.85 In einer Gesellschaft, so Kamlah, welche nunmehr auf Leistung und Erfolg des Menschen ausgerichtet ist, gewinnen die so beschriebenen objektiven Wissenschaften an Bedeutung und Erfolg, während die Anthropologie ihren Platz als philosophische Disziplin nicht bewähren kann.86 Doch nicht nur die objektiven Wissenschaften klammern den bedürftigen und bedrängten Menschen aus, dessen Definition in Kapitel 3.1.1 näher erläutert wird. Kritik wendet er vor allem gegen die Theologie und Existenzphilosophie ein. In seinem Werk ‚Der Mensch in der Profanität‘, welches ein erster Versuch seiner Auslegung der philosophischen Anthropologie ist87, betont er einerseits die notwendige Entwicklung einer neuen Lehre und andererseits den Verlust vorherrschender Systeme, in denen der Mensch die Antworten zu seiner Existenz in Mythos und Religion finden konnte.88 Diese geben dem profanen Menschen jedoch keine verbindlichen Antworten und somit keinen Halt mehr, denn wir können nicht mit Sicherheit wissen, ob die erlösende Gewissheit auf Wahrheit beruht.89 Während nun die zwei aufgeführten Wege laut Kamlah in der Aporie enden, gilt es folglich einen dritten Weg der philosophischen Anthropologie zu bestreiten, der sich nicht auf Empirie, sondern auf die Lebenserfahrungen des Menschen stützt.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik Leben und Sterben ein, beleuchtet die aktuelle Relevanz des assistierten Suizids und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2. Suizid: Dieses Kapitel definiert und grenzt Begriffe rund um den Suizid und die Sterbehilfe ab und stellt die parlamentarische Debatte der kirchlichen Sichtweise gegenüber.
3. Darstellung der Konzeption von Wilhelm Kamlah: Das Kapitel erläutert Kamlahs philosophische Anthropologie, seine Ethik und die Bedingung des „sanften Freitods“ als ethisch qualitative Handlung.
4. Darstellung der kirchlichen Position in Deutschland: Hier wird der Schutz des Lebens als göttliches Geschenk und die christliche Haltung gegenüber dem assistierten Suizid dargelegt.
5. Diskussion: Das Kapitel vergleicht die Positionen von Kamlah und der Kirche, thematisiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede und diskutiert das ethische Spannungsfeld.
6. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Plausibilität der Kamlahschen Philosophie gegenüber der christlichen Position im pluralistischen Diskurs.
7. Fazit: Das Fazit rundet die Arbeit ab, reflektiert die methodischen Lücken und betont die Notwendigkeit, den Diskurs um assistierten Suizid weiterzuführen.
Assistierter Suizid, Freitod, Wilhelm Kamlah, Philosophische Anthropologie, Lebenskunst, Eudämonie, Ethische Diskussion, Christliche Ethik, Selbstbestimmung, Menschenwürde, Sterbehilfe, Lebensschutz, Widerfahrnis, Bedürftigkeit.
Die Arbeit untersucht die ethische Rechtfertigung des (ärztlich) assistierten Suizids durch einen Vergleich der philosophischen Anthropologie von Wilhelm Kamlah mit der christlich-theologischen Position.
Im Mittelpunkt stehen Begriffsdefinitionen zur Sterbehilfe, die philosophische Anthropologie und Ethik Kamlahs, die christliche Haltung zur Unverfügbarkeit des Lebens sowie die gesellschaftspolitische Debatte in Deutschland.
Die Forschungsfrage lautet: „Wie kann der assistierte Suizid, auf Grundlagen der Überlegungen von Kamlah und der christlichen Kirche, ethisch beurteilt werden?“
Es handelt sich um eine analytisch-vergleichende Arbeit, die philosophische Konzepte und theologische Standpunkte textkritisch gegenüberstellt, um deren Relevanz für die aktuelle Problematik zu evaluieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit Kamlahs Theorie, eine Darstellung der kirchlichen Lehrtexte und eine anschließende ethische Diskussion dieser beiden Positionen.
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung säkular-philosophischer Ansätze mit kirchlichen Positionen aus, wobei sie kritisch hinterfragt, ob das Leben als absolute „Gabe Gottes“ eine individuelle Entscheidung über das Sterben in einer pluralistischen Gesellschaft vollständig ausschließen darf.
Kamlah sieht das „Loslassen-können“ als essenzielle Bedingung für das gelingende Leben und Sterben, da es dem Menschen ermöglicht, sich aus einer verzweifelten Selbstbefangenheit zu lösen und eine ethisch qualifizierte Entscheidung zu treffen.
Während die Kirche das Leben als unverfügbare Gabe Gottes betrachtet und den assistierten Suizid ablehnt, argumentiert Kamlah auf Basis seiner Anthropologie, dass der Freitod unter extremsten Bedingungen der Sinnlosigkeit als rechtfertigbar erscheinen kann, wobei der Fokus auf der individuellen Einsicht liegt.
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