Magisterarbeit, 2009
94 Seiten
1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Fragestellung
1.3 Methode und Vorgehensweise
1.4 Aufbau der Arbeit
1.5 Begriffsklärung
2. Islam in Deutschland
2.1 Muslime in Deutschland – Daten und Zahlen
2.2 Zur Geschichte des Islams in Deutschland
2.3 Muslimische Organisationen in Deutschland
3. Zwischen Ablehnung und Anerkennung – Der Islam in der Diskussion
3.1 „Feinbild Islam“ ?
3.1.1 Der 11. September – Wendepunkt in der Rezeption des Islams?
3.1.2 Islamfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung
3.1.3 Islambilder in den Medien
3.1.4 Islam in gesellschaftlichen Diskursen
3.2 Anerkennung und Institutionalisierung des Islams in Deutschland
4. Die Rolle und Entwicklung von Moscheen in Deutschland
4.1 Moscheen im Orient
4.2 Moscheen als multifunktionale Zentren in der Diaspora
4.2.1 Provisorische Gebetsräume in Hinterhöfen
4.2.2 Funktionswandel der Moschee in der Diaspora
4.2.3 Repräsentative Moscheen in Deutschland
5. Lokale Konflikte um die Errichtung und Nutzung von Moscheen
5.1 Was sind Konflikte? - Eine theoretische Annäherung
5.2 Moscheebaukonflikte – Beispiele aus Europa und in Deutschland
5.3 Rechtliche Aspekte von Moscheekonflikten
6. Beispiele von Moscheekonflikten im Vergleich
6.1 Fallbeispiel 1: Duisburg – Einführung des Gebetsrufes
Exkurs DİTİB
6.2 Fallbeispiel 2: Halle – Konflikt um die Höhe eines Minaretts
6.3 Fallbeispiel 3: Schlüchtern – Widerstand gegen den Bau einer Moschee
Exkurs Ahmadiyya-Muslim-Jamaat
6.4 Vergleichende Analyse der Fallbeispiele
6.4.1 Desintegrationsprozesse als Hintergrund von Moscheekonflikten?
6.4.2 Etablierte und Außenseiter im öffentlichen Raum
7. Präsenz des Islams in Deutschland
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle lokaler Moscheebaukonflikte als Spiegelbild gesellschaftlicher Auseinandersetzungen über die Präsenz des Islams in Deutschland. Dabei wird analysiert, wie diese Konflikte als symbolische Kämpfe um Identität, gesellschaftliche Anerkennung und die Nutzung des öffentlichen Raums zu verstehen sind.
3.1.1 Der 11. September – Wendepunkt in der Rezeption des Islams?
Die aktuellen Diskussionen um Muslime in Deutschland, um die Errichtung neuer Moscheebauten oder um muslimische Symbole wie das Kopftuch verlaufen in der Regel alles andere als harmonisch. In diversen Studien, die in den vergangenen Jahren veröffentlicht wurden, wurde ein beunruhigend hoher Anteil der Bevölkerung mit islamfeindlichen Einstellungen festgestellt. Studien und Recherchen, die vor allem das Islambild in den Medien unter die Lupe nehmen, zeichnen ebenso wenig ein erfreuliches Bild. Muslime sind in Deutschland vielfach Vorurteilen oder starkem Misstrauen ausgesetzt. Ihre Religion wird häufig mit Gewalt, Frauenunterdrückung oder Rückwärtsgewandtheit assoziiert. Gibt es ein „Feinbild Islam“? Wenn ja, wie stark ist es inzwischen in der Gesellschaft verankert? Welche Bilder und Stereotype sind damit verbunden? Welche Rolle spielen die Medien im Zusammenhang mit der Entstehung eines solchen Feindbildes?
Einige Autoren sprechen von einem Erstarken eines „Feinbild Islam“ seit den Anschlägen des 11. Septembers in den USA. So stellt Şeref Ateş fest, dass nach dem 11. September 2001, die Medien den Islam neu entdeckt hätten, wobei das Öffentlichkeitsbild des Islams auf Negativ- und Fremdbilder reduziert wurde.
„In der Berichterstattung nach dem 11. September 2001 wurde und wird immer noch nur oberflächlich berichtet und so ein verzerrtes Bild der Realität erzeugt. Personalisierung und Emotionalisierung des Geschehens dominieren.“
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik lokaler Moscheebaukonflikte ein, umreißt den Forschungsstand und legt die methodische Vorgehensweise sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2. Islam in Deutschland: Dieses Kapitel liefert eine grundlegende statistische Übersicht über die muslimische Bevölkerung in Deutschland sowie einen historischen Abriss über die Geschichte des Islams und die Entwicklung muslimischer Organisationen.
3. Zwischen Ablehnung und Anerkennung – Der Islam in der Diskussion: Es wird die gesellschaftliche Wahrnehmung des Islams analysiert, wobei besonders die Rolle der Medien, das „Feinbild Islam“ nach dem 11. September und Fragen der institutionellen Anerkennung beleuchtet werden.
4. Die Rolle und Entwicklung von Moscheen in Deutschland: Hier wird der Funktionswandel von der provisorischen Hinterhofmoschee hin zu multifunktionalen Zentren und repräsentativen Bauwerken in der Diaspora detailliert nachgezeichnet.
5. Lokale Konflikte um die Errichtung und Nutzung von Moscheen: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Systematisierung von Konfliktarten und analysiert die spezifischen Dynamiken bei der Errichtung religiöser Bauten unter Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen.
6. Beispiele von Moscheekonflikten im Vergleich: Anhand der Fallbeispiele Duisburg, Halle und Schlüchtern werden die Eskalationsmechanismen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren in einem vergleichenden Kontext tiefgehend untersucht.
7. Präsenz des Islams in Deutschland: Das abschließende Kapitel fasst die Bedeutung der Moscheebaukonflikte als Teil eines Integrationsprozesses und einer Aushandlung um die Sichtbarkeit des Islams in der deutschen Mehrheitsgesellschaft zusammen.
Moscheebau, Islam in Deutschland, Integrationsdebatte, Konfliktforschung, öffentliche Wahrnehmung, Diaspora, religiöse Symbole, Diskursanalyse, Minarettstreit, Moscheegemeinden, gesellschaftliche Anerkennung, Stadtplanung, Repräsentation, Identität, Vorurteile.
Die Arbeit befasst sich mit den gesellschaftlichen Konflikten, die mit dem Bau und der Errichtung von Moscheen in Deutschland einhergehen, und deutet diese als Feld, in dem die Präsenz des Islams und die Zugehörigkeit von Muslimen zur deutschen Gesellschaft verhandelt werden.
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung muslimischen Lebens in Deutschland, die Wahrnehmung des Islams durch die Mehrheitsgesellschaft und Medien, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Moscheebauten sowie die soziologische Analyse lokaler Konfliktdynamiken.
Das Ziel ist es, die Dynamik und Ursachen lokaler Moscheebaukonflikte zu verstehen und aufzuzeigen, wie diese als symbolische Auseinandersetzungen über Identität und die Platzierung des Islams im öffentlichen Raum fungieren.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine umfassende Analyse vorhandener Studien und Literatur sowie die Auswertung von Medienberichten, um drei spezifische Fallbeispiele (Duisburg, Halle, Schlüchtern) vergleichend zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Untersuchung der Islambilder in Medien und Diskursen, die Entwicklung von Moscheen von provisorischen Hinterhoflösungen hin zu repräsentativen Gebäuden und eine detaillierte Fallstudienanalyse von Konflikten um Gebetsrufe und Minarette.
Die zentralen Begriffe umfassen Moscheebau, Konfliktforschung, Diaspora, Integrationsdebatte, öffentliche Anerkennung, Islambild, Identität und Stadtplanung.
Die Auswahl erfolgte aufgrund ihrer unterschiedlichen sozioökonomischen Struktur, der spezifischen lokalen Situation der jeweiligen muslimischen Gemeinde und der unterschiedlichen Schwerpunkte der Konflikte, wie etwa Gebetsruf oder Minaretthöhe.
Medien fungieren oft als Verstärker von Konflikten durch Emotionalisierung und Personalisierung. Dennoch können lokale Medien durch eine differenzierte Berichterstattung auch zur Klärung und zur Vorbereitung von Dialogprozessen beitragen.
Der 11. September wird als Katalysator beschrieben, der das Islambild massiv negativ beeinflusste und bestehende Vorurteile in der Bevölkerung verstärkte, was sich in einer verschärften Skepsis gegenüber sichtbaren islamischen Symbolen im öffentlichen Raum niederschlug.
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