Masterarbeit, 2024
75 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Männlichkeitskonstruktionen
2.1 Theorie der hegemonialen Männlichkeit
2.2 Männliche Herrschaft und männlicher Habitus
2.3 Männlichkeit als generatives Prinzip
2.4 Kritik bezüglich des Konzepts der männlichen Identität
3. Definition Rechtsextremismus
3.1 Zur aktuellen Situation des Rechtsextremismus in Deutschland
3.2 Rechtsextreme Radikalisierung
4. Männlichkeitskonstruktionen im Rechtsextremismus
4.1 Geschlechtervorstellungen im Rechtsextremismus
4.2 Aktuelle Konstruktionen von Männlichkeiten im Rechtsextremismus im Spannungsfeld soldatischer Männlichkeit und Modernisierung
4.3 Das Konstrukt der Familie
4.4 Heteronormativität
4.5 Die “Krise der Männlichkeit”: Antifeminismus und Viktimisierung
4.6 Rassismus
4.7 Antisemitismus
4.8 Kameradschaftlichkeit, die rechtsextreme Homosozialität
4.9 Gewalt
5. Geschlechtsdifferente Radikalisierung
6. Resümee
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Konstruktion männlicher Identität und rechtsextremer Radikalisierungsprozesse. Dabei ist die zentrale Forschungsfrage, inwiefern die (Re-)Produktion hegemonialer Männlichkeitsvorstellungen die Aufrechterhaltung und Attraktivität rechtsextremer Ideologien bedingt und welche Rolle dabei geschlechtsspezifische Mechanismen spielen.
2.2 Männliche Herrschaft und männlicher Habitus
In den Arbeiten des französischen Soziologen Pierre Bourdieu war die Frage nach der Reproduktion sozialer Ordnung stets von zentraler Bedeutung. Dabei interessierten ihn weniger die Reproduktionsmechanismen von Herrschaftsverhältnissen mittels direkten Zwangs als vielmehr die subtilen und unbewussten Wirkprinzipien von Herrschaft - die als symbolisch bezeichnete Gewalt (Bourdieu 1997: 164f; Bourdieu 2005: 7f). Infolgedessen entwickelte Bourdieu die Habitustheorie als einen Ansatz, um die komplexe alltägliche und unbewusste Reproduktion sozialer Ordnung zu erklären (Jäger/König/Maihofer 2012: 24).
Mit Habitus bezeichnet Bourdieu ein „System verinnerlichter Muster [...], die es erlauben, alle typischen Gedanken, Wahrnehmungen und Handlungen einer Kultur zu erzeugen [...]“ (Bourdieu 1974: 143). Die Habitustheorie verweist somit auf zumeist unbewusst internalisierte Verhaltens- und Denkstrukturen, welche Resultat sozialer Strukturen sind und diese somit wiederum reproduzieren. Durch die soziale Determinierung des Habitus ist dieser grundsätzlich veränderbar. Bourdieu bezeichnet den Habitus als eine Art “gesellschaftlicher Orientierungssinn” von Individuen, mit Hilfe dessen sie soziale Praxis gestalten, ohne sich dabei permanent diesen bewusst zu machen (Bourdieu 1987: 728; Bourdieu 1997: 166). Der Habitus stellt somit ein Bindeglied zwischen gesellschaftlichen Strukturen und sozialer Praxis dar (Bourdieu 1997: 165). Bourdieu hebt des Weiteren die zentrale Bedeutung des Körpers für den Habitus hervor. Die unbewusste Internalisierung geht mit einer körperlichen Einschreibung des Habitus einher (Jäger/König/Maihofer 2012: 24).
Von Beginn an bezieht Bourdieu die Geschlechterordnung in seine Forschung ein. Ende der 1980er Jahre, inspiriert durch feministische Arbeiten, fokussiert er sich hauptsächlich auf die Konstruktion von Geschlechterverhältnissen und stellt das Konzept der männlichen Herrschaft auf (Jäger/König/Maihofer 2012: 16f). Bourdieu begreift die männliche Herrschaft als paradigmatische Form symbolischer Gewalt (Bourdieu 2005: 8). Die binäre, heteronormative und hierarchische Einteilung der Geschlechter stellt für ihn ein wesentliches Merkmal der bestehenden männlichen Herrschaft dar.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Forschungslücke bezüglich des Zusammenhangs von Männlichkeitskonstruktionen und männlich dominierten rechtsextremen Milieus.
2. Männlichkeitskonstruktionen: Dieses Kapitel führt zentrale Konzepte der kritischen Männlichkeitsforschung ein, insbesondere Bourdieus Habitus-Theorie und Connells hegemoniale Männlichkeit.
3. Definition Rechtsextremismus: Hier definiert die Autorin den Rechtsextremismus als ideologische Schirmbegrifflichkeit und analysiert Radikalisierungsprozesse.
4. Männlichkeitskonstruktionen im Rechtsextremismus: Dieses Kernkapitel untersucht spezifische Aspekte wie Rassismus, Antisemitismus, Familienbilder, Heteronormativität und Gewalt als konstitutive Elemente rechter Männlichkeitsideale.
5. Geschlechtsdifferente Radikalisierung: Es werden gezielt psychologische und soziale Faktoren analysiert, die männliche Jugendliche für rechtsextreme Ideologien empfänglich machen.
6. Resümee: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftige Forschungsbedarfe.
Rechtsextremismus, Männlichkeitsforschung, Hegemoniale Männlichkeit, Habitus, Radikalisierung, Kameradschaft, Antifeminismus, Krisenmännlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Homosozialität, Geschlechtsdifferente Radikalisierung, Gewalt, Identität, Volksgemeinschaft
Das Buch analysiert die engen Verbindungen zwischen den Konstruktionen männlicher Identität und der Genese sowie Aufrechterhaltung rechtsextremer Ideologien und Strukturen.
Der Fokus liegt auf den Mechanismen der Männlichkeitserzeugung, wie Kameradschaft, Gewaltperformanz und der Reaktion auf vermeintliche gesellschaftliche Krisen durch Antifeminismus und Rassismus.
Die Autorin untersucht, inwiefern die Reproduktion spezifischer Männlichkeitsbilder das rechtsextreme Weltbild stützt und welche Rolle diese Konstruktionen bei der Radikalisierung junger Männer spielen.
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Ansätze der kritischen Männlichkeitsforschung auf den aktuellen Forschungsstand zum Rechtsextremismus anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene konstitutive Momente rechter Männlichkeit, darunter die Rolle der Familie, die Funktion von Homosozialität und die Bedeutung von Gewalt als Strukturprinzip.
Wichtige Begriffe sind hegemoniale Männlichkeit, habitus-theoretische Ansätze, Kameradschaftlichkeit, Viktimisierungsnarrative und die "Ideologie der Ungleichwertigkeit".
Der soldatische Mann dient als wiederkehrendes hegemoniales Männlichkeitsideal, das trotz gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse in rechtsextremen Kreisen als Gegenbild zur "Verweichlichung" fungiert.
Gewalt wird nicht nur als physische Praxis, sondern als konstitutives Identitätsmerkmal und Mittel zur homosozialen Vergemeinschaftung verstanden, das zur Abgrenzung nach außen und Hierarchisierung nach innen dient.
Die Arbeit richtet sich primär an interessierte Studierende und Fachleute der Sozialwissenschaften, bietet aber durch die klare theoretische Einordnung auch für pädagogische Fachkräfte wertvolle Einblicke.
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