Magisterarbeit, 2009
94 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Autobiographie
2.1 Definitionen und ihre Schwierigkeiten
2.2 Strukturmerkmale moderner Autobiographik am Beispiel Thomas Bernhards
2.2.1 Zentralperspektive als ästhetische Objektivierung
2.2.2 Dissoziierte Chronologie und vitale Zeitordnung
2.2.3 Selbstreferentialität
2.2.4 Stilisierung und Stilporträt
2.2.5 Fragmentarität und Schlussproblematik
2.3 „In meinen Büchern ist alles künstlich […].“- Zur Rezeption der autobiographischen Schriften Thomas Bernhards
3. Literatur und Realität in der autobiographischen Pentalogie Thomas Bernhards
3.1 Die Inszenierung der eigenen Autobiographie
3.2 Erzählinhalte
3.2.1 Schreiben und Beobachten
3.2.1.1 Der „Wahrheitsgehalt“ des Schreibens
3.2.2 Krankheit und Tod
3.2.2.1 Krankheit und Tod als ständiger Begleiter der eigenen Existenz
3.2.2.2 Krankheit als Existenzbedingung des Geistesmenschen
3.2.2.3 Krankheit als Individuationsprozess
3.2.2.4 Exkurs: Thomas Bernhards „Ich-Mythos”
4. Intertextualität in der autobiographischen Pentalogie Bernhards als artifizielles Gestaltungsprinzip – Du schreibst was du liest
4.1 Intertextualität
4.1.1 Montaigne
4.1.2 Novalis
4.1.3 Sartre
4.1.4 Valéry
5. Schlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die autobiographischen Schriften von Thomas Bernhard einem artifiziellen Gestaltungswillen unterliegen und ob sie sich von seinem fiktionalen Werk abgrenzen lassen. Dabei wird analysiert, ob die Autobiographien als bloßes Selbstzeugnis zu lesen sind oder ob sie durch intertextuelle Bezüge, Stilisierung und Fragmentierung als eigenständige literarische Kunstwerke fungieren.
2.2.1 Zentralperspektive als ästhetische Objektivierung
Am Beginn des Erzählens eines autobiographischen Romans steht das Paradoxon, dass hier der Autor, der ein Leben beschreibt, zugleich derjenige ist, über den er schreibt. Er schreibt über eine Hauptfigur, einen Helden, der er selber ist. Er macht sich selber zum Erzählgegenstand. Dieses nicht zu lösende Problem stellt in erkenntnis- und subjekttheoretischer Hinsicht einen typischen Fall modernen autobiographischen Schreibens dar. Diese sich gegenüberliegenden Pole von Distanz und Identität waren schon im Problembewusstsein früherer Autobiographen enthalten, doch wurde dies als Wahrheitsforderung der Historiographie gemeinhin akzeptiert. Die Zentralperspektivierung, welche in der klassischen Autobiographik angewendet wurde, ist in der modernen Autobiographik zwar nicht verdrängt worden, doch wird durch fiktionale Eingriffe, die als Verkürzung wirkende Gleichstellung von Sinn- und Lebenszusammenhang aufgelöst.
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel der Untersuchung dar, die Autobiographien Bernhards auf ihren artifiziellen Charakter hin zu prüfen und das Verhältnis zwischen fiktionalem Werk und Autobiographie zu klären.
2. Autobiographie: Dieses Kapitel erörtert Definitionen und theoretische Schwierigkeiten der Gattung Autobiographie sowie deren moderne Strukturmerkmale im Werk von Bernhard.
3. Literatur und Realität in der autobiographischen Pentalogie Thomas Bernhards: Hier wird untersucht, wie Bernhard seine eigene Lebensgeschichte durch ästhetische Mittel inszeniert und welche Rolle Erzählinhalte wie Krankheit und Tod dabei spielen.
4. Intertextualität in der autobiographischen Pentalogie Bernhards als artifizielles Gestaltungsprinzip – Du schreibst was du liest: Dieses Kapitel analysiert die intertextuellen Bezüge zu Autoren wie Montaigne, Novalis, Sartre und Valéry als konstitutives Element von Bernhards Schreibweise.
5. Schlussbemerkungen: Das Fazit bestätigt, dass Bernhards Pentalogie nicht als wahrheitsgetreues Selbstzeugnis, sondern als hochgradig artifizielles, stilisierteres Kunstwerk zu begreifen ist.
Thomas Bernhard, Autobiographie, Pentalogie, Intertextualität, Stilisierung, Fragmentarität, Wahrheit, Fiktion, Moderne Autobiographik, Krankheit, Tod, Montaigne, Sartre, Valéry, Identitätsfindung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den fünf autobiographischen Schriften von Thomas Bernhard und hinterfragt deren Wahrheitsanspruch gegenüber der literarischen Gestaltung.
Zentrale Themen sind der Aufbau moderner Autobiographik, die Rolle von Intertextualität bei Bernhard sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod.
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die autobiographischen Texte Bernhards einem artifiziellen Willen unterliegen und ob sie vom fiktionalen Œuvre des Autors trennbar sind.
Die Arbeit nutzt eine strukturanalytische Methode, um Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen dem Lebensbericht und dem fiktionalen Werk aufzuzeigen.
Der Hauptteil befasst sich mit Strukturmerkmalen, der Inszenierung des eigenen Lebens, ausgewählten Erzählinhalten und der Intertextualität als Gestaltungsprinzip.
Schlüsselwörter sind Thomas Bernhard, Autobiographie, Intertextualität, Stilisierung, Wahrheit, Fiktion und Selbstreferentialität.
Der Großvater fungiert als literarisches Vorbild und Lehrmeister, dessen Einfluss sowohl die künstlerische Existenz als auch den Beobachtungsprozess des Erzählers prägt.
Bernhard nutzt Übertreibung als künstlerisches Mittel, um sich aus der Konvention zu befreien und die Fiktionalität seines Lebensberichts zu unterstreichen.
Bernhard erkennt, dass absolute Wahrheit nicht mitteilbar ist; er setzt stattdessen auf "Andeutungen" und macht den subjektiven Wahrheitswillen zum literarischen Prinzip.
Die Pentalogie bleibt inhaltlich und strukturell offen, da sie nicht den Anspruch erhebt, eine vollständige, chronologische Lebensgeschichte zu liefern.
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