Bachelorarbeit, 2024
81 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Accounting Fraud
2.1 Theoretische Grundlagen von Accounting Fraud
2.2 Potenzielle Täter und Motive für Bilanzbetrug
3 Forensic Accounting
3.1 Theoretische Grundlagen von Forensic Accounting
3.2 Notwendigkeit, Vorgehensweise und Tätigkeitsfelder von Forensic Accounting
4 Abschlussprüfung
4.1 Theoretische Grundlagen der Abschlussprüfung
4.2 Erwartungslücke bezüglich der Prävention von Bilanzmanipulation in der Abschlussprüfung
4.3 Unterscheidung und Zusammenhang mit Forensic Accounting
5 Analyse der Wirecard AG
5.1 Hintergrund und Entstehung des Skandals
5.2 Bilanzverschleierung und -fälschung im Third-Party-Acquirer-Geschäft bei Wirecard
5.3 Anwendung der Fraud-Warnsignale gemäß IDW PS 210 im Fall Wirecard
5.4 Anwendung des Fraud-Triangle-Modells bei Wirecard
6 Handlungsempfehlungen für deutsche Prüfungspraxis aus dem Wirecard-Fall
7 Conclusio
7.1 Die Rolle der Wirtschaftsprüfer bei der Erkennung und Prävention von Bilanzmanipulationen
7.2 Handlungsempfehlungen aus dem Wirecard-Fall für die Abschlussprüfung
7.3 Ausblick
Die Arbeit analysiert die Rolle der Abschlussprüfung bei der Erkennung von Bilanzmanipulationen und untersucht, wie Prüfungsprozesse verbessert werden können, um zukünftige Fälle von Wirtschaftskriminalität zu verhindern. Im Fokus steht dabei der Wirecard-Skandal als Fallbeispiel zur kritischen Analyse der Funktionen und Verantwortlichkeiten von Wirtschaftsprüfern.
2.1 Theoretische Grundlagen von Accounting Fraud
Im deutschen StGB wird der Begriff Betrug nach § 263 Abs. 1 folgendermaßen definiert: „Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Gemäß der Definition von Betrug im deutschen Strafgesetzbuch wird im englischen Rechtssystem der Begriff Fraud verwendet. Dieser umfasst verschiedene Formen wirtschaftskrimineller Handlungen wie „Betrug, Unterschlagung, Schwindel, Fälschung oder Täuschung“. Ähnlich wie im deutschen Recht bezieht sich Fraud darauf, durch die absichtliche Falschdarstellung der Wahrheit einen unrechtmäßigen Vorteil zu erlangen und kann sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen betreffen. Dieser Begriff findet seine linguistische Wurzel im Lateinischen, wo fraudis Betrug als Substantiv und dolosus betrügerisches Verhalten als Adjektiv beschreibt.
Ein Bereich, in dem Fraud besonders relevant ist, betrifft die Bilanzmanipulationen. Während Fraud die absichtliche Falschdarstellung umfasst, können Bilanzmanipulationen sowohl unbewusste als auch bewusste Verstöße gegen Rechnungslegungsregeln in Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen (GuV) oder anderen verpflichtenden Berichterstattungsinstrumenten beinhalten. Diese Praktiken haben nicht nur Auswirkungen auf jährliche Abschlüsse, sondern erstrecken sich auch auf unterjährige Berichte wie Quartals- und Halbjahresberichte, die die finanzielle Lage des Unternehmens wesentlich beeinflussen können. Im Rahmen dieser Praktiken werden zwei Hauptkategorien unterschieden: Bilanzfälschung und Bilanzverschleierung. Eine erfolgsneutrale Bilanzmanipulation wird als Bilanzverschleierung betrachtet, während eine erfolgswirksame Bilanzmanipulation als Bilanzfälschung bezeichnet wird. Nur die Bilanzfälschung kann das Jahresergebnis des Unternehmens beeinflussen.
1 Einleitung: Dieses Kapitel motiviert die Thematik durch die Relevanz von Wirtschaftskriminalität, skizziert den Wirecard-Skandal als zentrales Fallbeispiel und definiert die Forschungsfragen sowie den Aufbau der Arbeit.
2 Accounting Fraud: Es werden die rechtlichen Grundlagen von Bilanzmanipulationen erläutert, Begriffe wie Bilanzfälschung und Bilanzverschleierung abgegrenzt und Tätergruppen sowie das Fraud-Triangle-Modell untersucht.
3 Forensic Accounting: Dieses Kapitel behandelt die Konzepte, Notwendigkeiten und Tätigkeitsfelder der forensischen Buchführung als spezialisierte Methode zur Aufdeckung wirtschaftskrimineller Aktivitäten.
4 Abschlussprüfung: Es werden die theoretischen Grundlagen der Abschlussprüfung, der risikoorientierte Prüfungsansatz sowie die kritische Rolle des professionellen Skeptizismus bei der Prüfung analysiert.
5 Analyse der Wirecard AG: Eine detaillierte Untersuchung des Geschäftsmodells von Wirecard, der Entstehung des Skandals, der Manipulationsmethoden (Round-Tripping) und der Versäumnisse bei den Prüfungshandlungen durch EY.
6 Handlungsempfehlungen für deutsche Prüfungspraxis aus dem Wirecard-Fall: Hier werden konkrete Maßnahmen wie die Intensivierung der Ausbildung, die Einführung verbindlicher Gebührenordnungen, Joint Audits und der Einsatz von KI vorgeschlagen.
7 Conclusio: Das abschließende Kapitel beantwortet die Forschungsfragen und bewertet die Auswirkungen des Wirecard-Skandals auf die zukünftige Prüfungspraxis sowie die gesetzlichen Reformen durch das FISG.
Wirecard, Wirtschaftskriminalität, Abschlussprüfung, Bilanzmanipulation, Forensic Accounting, Fraud-Triangle, IDW PS 210, Wirtschaftsprüfer, Prüfungspraxis, Risikoorientierter Prüfungsansatz, Bilanzfälschung, Bilanzverschleierung, Joint Audit, Künstliche Intelligenz, FISG.
Die Arbeit untersucht die Rolle der Abschlussprüfung bei der Erkennung von Bilanzmanipulationen und analysiert anhand des Wirecard-Skandals, wie Prüfungsprozesse angepasst werden können, um eine höhere Integrität der Finanzberichterstattung zu gewährleisten.
Zentrale Felder sind die theoretischen Grundlagen von Accounting Fraud, die Methoden des Forensic Accounting, die Anforderungen an Abschlussprüfer und der konkrete Fall Wirecard als negatives Beispiel für mangelnde Prüfungseffektivität.
Das Ziel ist es, die Funktionen von Wirtschaftsprüfern kritisch zu durchleuchten und Handlungsempfehlungen abzuleiten, um Transparenz und Integrität in Finanzberichten effektiver sicherzustellen.
Die Arbeit nutzt eine deduktiv-analytische Methode, kombiniert mit einer Fallstudienanalyse, um aus den Versäumnissen des Wirecard-Falls generalisierbare Handlungsempfehlungen für die Prüfungspraxis zu gewinnen.
Der Hauptteil analysiert das Geschäftsmodell von Wirecard, beleuchtet das Scheitern bei der Prüfung der Drittpartnergeschäfte und diskutiert Strategien zur Verbesserung der Prüfungsqualität und zur Haftungsverschärfung.
Wichtige Schlüsselwörter sind Wirecard, Bilanzmanipulation, Abschlussprüfung, Fraud-Triangle, Wirtschaftsprüfer, Forensic Accounting und FISG.
Die KI wird als transformatives Werkzeug zur Datenanalyse und Mustererkennung identifiziert, das Wirtschaftsprüfern dabei helfen kann, Unstimmigkeiten schneller zu identifizieren und die Prüfungsqualität zu erhöhen.
Die Arbeit identifiziert als Ursachen die undurchsichtige Organisationsstruktur, das Management-Override durch ein einflussreiches Führungsteam sowie die mangelhafte Verifizierung von Drittpartner-Beziehungen als entscheidende Schwachstellen im Prüfungsprozess.
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