Diplomarbeit, 2010
17 Seiten, Note: 6
1. GLIEDERUNG & FRAGESTELLUNG
2. TERMINOLOGIE & MOTIVIK
3. POETIK DES SPAZIERGANGS
4. „GEHEN“ von THOMAS BERNHARD
5. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN
Die Arbeit untersucht das Spazierengehen als literarisches Motiv und poetologisches Prinzip, wobei der Fokus insbesondere auf der Erzählung "Gehen" von Thomas Bernhard liegt, um die Verbindung zwischen physischer Bewegung und mentalem Schreibprozess zu erörtern.
4. „GEHEN“ von THOMAS BERNHARD
Ein Teil der Einzigartigkeit von Thomas Bernhards Schreibstil ist sicherlich bis anhin bereits augenscheinlich geworden. Eines seiner markantesten Merkmale ist die Analogie zwischen Sprache und Körperbewegung, sowie der Bewegung von Text und Inhalt. Es wird nichts im narrativen Sinne erzählt, sondern ununterbrochen monologisch gesprochen. In seiner Erzählung Gehen lässt er zwei erfahrene Spaziergänger zum Schein in Wien umhergehen, während in Tat und Wahrheit die hier zu Wort kommenden Protagonisten sich ausschliesslich und monomanisch in den eigenen Gedankenräumen bewegen. Bernhard bringt die Überzeugung zum Ausdruck, dass in der verbalen Welt weder Eindeutigkeit noch Sicherheit herrscht, sondern immer die Dualität einer Aussage und ihres Gegensatzes (Oppositionsprinzip). Das Denken kann den Menschen zu keiner Wahrheit führen, es hat keine positive Valenz, im Gegenteil, der Mensch läuft Gefahr verrückt zu werden, wenn er das Denken übertreibt. Er plädiert jedoch nicht für die Abschaffung des Denkens an sich, da es für ihn lebensnotwendig ist. Er setzt nur keine Hoffnung in diese Tätigkeit, da sie zu keiner Wahrheit führe. Ich bin daher auch wieder mit Elisabetta Niccolini völlig einverstanden, wenn sie sagt, dass
„Bernhard seine Überzeugung ausdrückt, dass es schier unmöglich geworden ist, irgendetwas, seien es Dinge, Ereignisse oder Gedanken, mittels der Sprache genau zu bezeichnen. Die Sprache sei bloss ein lügenhaftes Hilfsmittel für das Begreifen der Welt, eine Tatsache, die aber – und darin liegt die hintergründige Ironie Bernhards – nur mittels der Sprache erkannt und mitgeteilt werden kann.”
1. GLIEDERUNG & FRAGESTELLUNG: Einführung in das Thema des poetischen Spaziergangs und Darlegung der zentralen Zielsetzung, die literarischen Motive und Prinzipien der Bewegung zu analysieren.
2. TERMINOLOGIE & MOTIVIK: Definition und Abgrenzung der Begriffe Spazieren, Wandern und Flanieren sowie Erläuterung ihrer kulturellen und gesellschaftskritischen Bedeutung.
3. POETIK DES SPAZIERGANGS: Untersuchung der abstrakten Form des Gehens als Ausdruck des schöpferischen Prozesses und die damit verbundene Grenzauflösung in der Moderne.
4. „GEHEN“ von THOMAS BERNHARD: Konkrete Textanalyse der Erzählung, wobei die Verbindung von obsessiver Gedankenbewegung und Sprachkritik im Mittelpunkt steht.
5. ABSCHLIESSENDE BEMERKUNGEN: Zusammenfassende Reflexion über die Dialektik zwischen Geh- und Schreibtätigkeit sowie das Scheitern des Denkens an der Unmöglichkeit, Wahrheit sprachlich zu fixieren.
Spaziergang, Poetik, Thomas Bernhard, Gehen, Literatur, Sprachkritik, Identität, Bewegung, Denken, Motivik, Monolog, Wahn, Wahrnehmung, Schreibprozess, Moderne.
Die Arbeit untersucht den Spaziergang als literarisches Motiv und poetisches Prinzip, indem sie den Zusammenhang zwischen der physischen Fortbewegung im Raum und dem Akt des Schreibens in der Moderne analysiert.
Zentral sind die theoretische Herleitung der Spaziergang-Terminologie, die Abgrenzung zum Flanieren und Wandern sowie die Anwendung dieser Prinzipien auf Thomas Bernhards Erzählung "Gehen".
Die Untersuchung fragt danach, wie das Motiv des Spaziergangs als Ausdruck eines schöpferischen Prozesses fungiert und welche Bedeutung die Unauflösbarkeit der Sprache in diesem Zusammenhang hat.
Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Analyse durch, die theoretische Grundlagen aus der Motivforschung mit einer engen Textanalyse verbindet.
Neben der Definition der Begriffe stehen die poetologischen Implikationen des Gehens, insbesondere die Beziehung zwischen Innen- und Außenwelt sowie die Sprachskepsis, im Zentrum.
Wesentliche Begriffe sind Spaziergang, Poetologie, Sprachkritik, Selbstreflexivität, Thomas Bernhard und die Antinomie von Bewegung und Erstarrung.
Weil das "Wandern" meist ein Ziel verfolgt, während das "Spazieren" als zielloses, gedankenvoll-ästhetisches Durchstreifen definiert wird, das für den literarischen Kontext essenziell ist.
Bernhard wird als Autor dargestellt, der das Gehen nutzt, um den monomanischen Gedankenstrom und die Unmöglichkeit einer eindeutigen sprachlichen Weltbeschreibung zu inszenieren.
Der Autor beschreibt damit den Zustand, in dem das Denken so exzessiv wird, dass die Kluft zwischen Sprache und Wirklichkeit nicht mehr überbrückbar ist und der Protagonist in den Wahnsinn abgleitet.
Das Tragische der Ausweglosigkeit zeigt sich in der Unfähigkeit, das Leben durch Sprache zu fixieren, was letztlich zum Stillstand und zum psychischen Zusammenbruch führen kann.
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