Bachelorarbeit, 2022
45 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Geschlecht und Männlichkeit im soziologischen Diskurs
2.1 Die Geschlechterforschung in ihrer historischen Entwicklung
2.2 Die beiden Säulen der Männlichkeitsforschung
2.2.1 Raewyn Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit
2.2.2 Pierre Bourdieus Theorie männlicher Herrschaft
3. Männlichkeit und Militarismus
3.1 Zeitgeschichtliche Einordnung
3.2 Zur Konstruktion militärischer Männlichkeit
3.2.1 Militärisch-männliche Sozialisationsmechanismen
3.2.2 Merkmale militärischer Männlichkeit
3.3 Moderne Entwicklungen
4. Die Inszenierung militärischer Männlichkeitsentwürfe am Beispiel Selenskyj
4.1 Methodik
4.2 Selbstinszenierung Selenskyjs
4.2.1 Selenskyjs Pressefotos
4.2.2 Selenskyjs Rede zu Kriegsbeginn
4.3 Fremdinszenierung Selenskyjs
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 militärisch-männliche Identitätsentwürfe verkörpert und wie diese Inszenierung in der deutschen Berichterstattung aufgegriffen und gerahmt wird. Ziel ist es, die Verbindung zwischen kriegerischen Konflikten, nationaler Identifikation und tradierten Männlichkeitsbildern durch die kritische Diskursanalyse offenzulegen.
3.2.1 Militärisch-männliche Sozialisationsmechanismen
Das alte Selbstverständnis des Militärs als Schule der Nation lässt sich aus heutiger Sicht durchaus umformulieren. Die Historikerin Ute Frevert bezeichnet das Militär auch als „Schule der Männlichkeit“ (Frevert 2000: 115), um so den Fokus auf die stark vergeschlechtlichte Komponente der Institution zu lenken. Die Tatsache, dass das Militär ausschließlich Männer rekrutierte, reicht für eine solche These jedoch nicht aus. Das Militär zeichnete sich vor allen Dingen dadurch aus, dass es die Lerninhalte der militärischen Ausbildung eng an die simultane Herausbildung männlicher Identität knüpfte (vgl. ebd.: 117): „Mit zeitlich zunehmender Tendenz inszenierte sich das Militär als eine männliche Initiationsinstanz, deren Bedeutung für die individuelle Biographie […] sehr hoch angesiedelt wurde“ (ebd.: 117).
Die Mechanismen der Militärschule lassen sich auf einer analytischen Ebene in die leibliche Zurichtung der Soldaten auf der einen Seite und in rein diskursive Erziehungsmethoden auf der anderen Seite unterteilen. Letztere vermittelten vor allem sprachlich-ideologische Bilder. Die körperliche Erziehung geschah während der Ausbildung insbesondere durch ritualisierte Handlungen und disziplinarische Maßnahmen, mit welchen den Soldaten ihre Rolle als männliche Verteidiger des Staates regelrecht einverleibt und durch ihre ständige Wiederholung stets erneut bewusst gemacht wurde. Militärische Männlichkeit wurde also im Sinne des doing gender durch alltägliches Handeln produziert und legitimiert. Besonders die auf den männlichen Körper fixierte Ausbildungspraxis, die den Körper als einheitliches Symbol des Staates inszenierte, trug dazu entscheidend bei (vgl. Eifler 2004: 28). Christine Eifler betont, dass „Männer nicht von vornherein im militärischen Sinne Männer [seien]“ (ebd.: 28) und es deshalb handfester Mechanismen bedarf, um sie zu wahrlich ‚mannhaften‘ Männern zu erziehen.
1. Einleitung: Beschreibt den historischen Kontext des Russisch-Ukrainischen Krieges und führt in die zentrale Rolle von Präsident Wolodymyr Selenskyj als mediale Identifikationsfigur ein.
2. Geschlecht und Männlichkeit im soziologischen Diskurs: Erläutert Konzepte der Geschlechterforschung und definiert Männlichkeit als soziales Konstrukt, insbesondere durch Connell und Bourdieu.
3. Männlichkeit und Militarismus: Analysiert historisch die Entstehung militärisch-patriotischer Ideale und deren Einbettung in die Nationalstaatenbildung des 19. Jahrhunderts.
4. Die Inszenierung militärischer Männlichkeitsentwürfe am Beispiel Selenskyj: Untersuchung von Selenskyjs visueller und rhetorischer Selbstdarstellung sowie deren mediale Rezeption durch einen Artikel der FAZ.
5. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass aktuelle Konflikte zur schnellen Rückbesinnung auf archaische, militärische Männlichkeitsbilder führen, um nationale Identität und Widerstandsfähigkeit zu begründen.
Männlichkeit, Militarismus, Geschlechterforschung, Selenskyj, hegemoniale Männlichkeit, doing gender, Ukraine-Krieg, symbolische Gewalt, Männlichkeitsideal, Diskursanalyse, Heldenmythos, Vaterlandsverteidigung, Medienframing, Nation, nationale Identität
Die Arbeit analysiert die wechselseitige Beziehung zwischen kriegerischen Ereignissen in der Ukraine und der Konstruktion traditioneller, militärischer Männlichkeitsbilder durch das Staatsoberhaupt.
Hauptthemen sind die Geschlechter- und Männlichkeitsforschung, der Zusammenhang von Militär und nationaler Identität sowie die mediale Inszenierung von Führungspersonen in Krisenzeiten.
Die Arbeit untersucht, wie Selenskyj sich als Mann in einer Führungsposition präsentiert und inwieweit dieses Selbstbild durch deutsche Leitmedien übernommen und diskursiv weiterverarbeitet wird.
Die Arbeit nutzt die Kritische Diskursanalyse (KDA) nach Siegfried Jäger, um visuelle (Fotos) und verbale (Reden, Artikel) Quellen systematisch auszuwerten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Männlichkeit und Militär sowie eine empirische Analyse von Selenskyjs Auftreten und der Berichterstattung über ihn.
Wichtige Begriffe sind unter anderem hegemoniale Männlichkeit, doing gender, militärische Identität, Heldenmythos und mediale Selbst- bzw. Fremdinszenierung.
Die Autorin stellt fest, dass Selenskyj gezielt den klassischen Anzug gegen olivgrüne Militärkleidung tauscht, um sich visuell als handlungsfähiger Krieger und „einer von ihnen“ zu stilisieren.
Der Verräter fungiert als negatives Gegenbild zum Helden. Selenskyj grenzt sich scharf von Personen ab, die das Land verlassen, und wertet diese Flucht als Feigheit, um das heldenhafte Ideal der Vaterlandsverteidigung zu festigen.
Die Arbeit argumentiert, dass in Krisenmomenten zivile Normen leicht durch kriegerische, militärische Männlichkeitsideale ersetzt werden können, was wiederum die breitere Wahrnehmung von Männlichkeit beeinflusst.
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