Masterarbeit, 1996
21 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
1.1 Themenmotivation
1.2 Begriffsdefinition 'Spätaussiedler'
1.3 Vorbetrachtung
2 Ungebrochener Zuzug von Spätaussiedlern
3 Differenzierungsmerkmale von Immigranten im allgemeinen und Spätaussiedlern im besonderen
4 Ziel der Integrationsbemühungen der Spätaussiedler
4.1 Integrationsaufgaben von Aussiedlern beim Eingliederungsprozess
4.1.1 Kognitive Ebene
4.1.2 Formale Ebene
4.1.3 Psycho-soziale Ebene
5 Schwindende Aufnahmebereitschaft
5.1 Die Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt
6 Unabläßliche Notwendigkeit der Sprachförderung
6.1 Sicherstellung des Lebensunterhalts während des Sprachkurses
7 Ergebnisse bzw. Empfehlungen der MAGS-Studie
7.1 Effektivität der sechsmonatigen Sprachkurse
7.1.1 Kontradiktorischer Curriculumentwurf des Goethe-Instituts
7.1.2 Forderung an Lehrkräfte und Träger
7.2 Differenzierte Sprachförderung
7.2.1 Einbeziehung berufspraktischer Anteile
7.2.2 Zusammensetzung der Sprachkurse
7.2.3 Einheitliche Curricula
7.4 Notwendigkeit breiter Spannweite bei FuU
7.4.1 Erwägung homogener FuU-Maßnahmen
8 Fazit und Prognose
Diese Arbeit untersucht die Effektivität des aktuellen Instrumentariums der bundesrepublikanischen Sprach- und Integrationspolitik für Spätaussiedler. Dabei wird insbesondere evaluiert, ob die bestehenden Maßnahmen ausreichen, um die Zielgruppe erfolgreich an die Gesellschaft und den deutschen Arbeitsmarkt heranzuführen.
3. Differenzierungsmerkmale von Immigranten im allgemeinen und Spätaussiedlern im besonderen
Zwei m.E. wichtig erscheinende Faktoren seinen an dieser Stelle erwähnt: Der erste Faktor wird oft als sogenannter 'Aussiedlerschock' bezeichnet. Im Herkunftsland gehören die Deutschen zu den diskriminierten Minderheiten; schon seit Generationen war es dort für die Deutschen zum Erhalt ihres Selbstwertgefühls wichtig, mit der Gewissheit zu leben, dass dies im fernen Deutschland nicht so wäre. Das Wagnis der Aussiedlung gleicht insofern einer 'Heimkehr ins Gelobte Land'. Um so größer ist dann der Schock, wenn man sich nach der Einreise über die Übergangslager Friedland und Unna-Massen schließlich in einem Zimmerchen im Übergangswohnheim wiederfindet, zusammen mit anderen Aussiedlern, die seit Jahren vergeblich nach eigenen vier Wänden und einer Arbeitsstelle suchen, die von Sozialhilfe leben müssen und nicht genügend Gelegenheit haben, wenigstens 'richtig' Deutsch zu lernen.
Von diesen Schicksalsgefährten erfährt man dann, dass die Lage 'hoffnungslos' sei, und dass die Spätaussiedler hier in Deutschland ebenfalls zu den diskriminierten Minderheiten gehören. Der 'Schock' besteht nun darin, dass 'die Deutschen', die man bisher aus der Ferne idealisieren konnte und zu denen man ein 'Wir-Gefühl' aufgebaut hatte, nun plötzlich als die diskriminierende Majorität erlebt werden, von der man einen Platz am Rande der Gesellschaft zugewiesen bekommt. Unerwarteterweise findet man sich in der gleichen Position wieder wie schon zuvor im Herkunftsland: Als Angehöriger einer unerwünschten und missachteten Minderheit. Hier allerdings ohne das 'Prinzip Hoffnung', also ohne die Möglichkeit, die 'Brüder' und 'Schwestern' in Deutschland noch weiter zu idealisieren, von denen man jetzt so enttäuscht ist.
1 Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation für das Thema und führt grundlegende Begriffsdefinitionen sowie erste Beobachtungen aus seiner pädagogischen Tätigkeit ein.
2 Ungebrochener Zuzug von Spätaussiedlern: Dieses Kapitel thematisiert die Zuwanderungsstatistiken und die damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderungen für Deutschland seit dem Inkrafttreten neuer Gesetze.
3 Differenzierungsmerkmale von Immigranten im allgemeinen und Spätaussiedlern im besonderen: Hier werden zentrale psychologische Belastungsfaktoren wie der 'Aussiedlerschock' analysiert und die Unterschiede zu anderen Zuwanderergruppen herausgearbeitet.
4 Ziel der Integrationsbemühungen der Spätaussiedler: Der Fokus liegt auf den verschiedenen Ebenen der Eingliederung – kognitiv, formal und psycho-sozial – und der besonderen Motivation der Aussiedler, dauerhaft in Deutschland zu bleiben.
5 Schwindende Aufnahmebereitschaft: Es wird die wirtschaftliche Situation in Deutschland beleuchtet, die durch hohe Arbeitslosigkeit gekennzeichnet ist und zu einer stärkeren Ausgrenzung von Spätaussiedlern führt.
6 Unabläßliche Notwendigkeit der Sprachförderung: Das Kapitel kritisiert die Kürzungen der Sprachkurse und zeigt auf, welche negativen Folgen dies für den Integrationserfolg und die Sicherstellung des Lebensunterhalts hat.
7 Ergebnisse bzw. Empfehlungen der MAGS-Studie: Auf Basis einer Studie werden konkrete Optimierungsvorschläge für Sprachkurse, Curricula und die soziale Betreuung der Zielgruppe formuliert.
8 Fazit und Prognose: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Integrationslage und einem pessimistischen Ausblick auf die zukünftigen Möglichkeiten der gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe.
Spätaussiedler, Integration, Sprachförderung, Aussiedlerschock, Arbeitsmarkt, Eingliederungshilfe, Qualifizierung, MAGS-Studie, Deutsch als Fremdsprache, Berufliche Integration, Sozialpädagogische Betreuung, Identitätsentwicklung, Zuwanderung, Bildungsmaßnahmen, Russlanddeutsche.
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen, sprachlichen und beruflichen Integration von Spätaussiedlern in Deutschland unter Berücksichtigung der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Im Mittelpunkt stehen die Integrationsbarrieren, die Auswirkungen staatlicher Sparmaßnahmen auf Sprach- und Qualifizierungsprogramme sowie der spezifische Sozialisationshintergrund von Spätaussiedlern.
Ziel ist eine kritische Evaluation der Wirksamkeit bestehender staatlicher Instrumente zur Integration und die Ableitung von Handlungsempfehlungen, um die aktive Teilhabe der Zielgruppe an Gesellschaft und Arbeitswelt zu fördern.
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus Literaturanalyse, statistischen Daten und eigenen, langjährigen Erfahrungen als Dozent in Sprachkursen für Spätaussiedler.
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Integrationsstufen, die schwierige Arbeitsmarktsituation, die Problematik der Sprachförderung und präsentiert Ergebnisse einer Studie zur Effektivität von Bildungsmaßnahmen.
Die wichtigsten Begriffe sind Spätaussiedler, Integration, Sprachförderung, Arbeitsmarktintegration und der sogenannte Aussiedlerschock.
Der 'Aussiedlerschock' beschreibt die psychische Belastung durch den Verlust der bisherigen Identität und den Zusammenbruch des idealisierten Bildes von Deutschland, was häufig zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls führt.
Der Autor argumentiert, dass die starke Verkürzung der Kursdauer und das Fehlen einer Differenzierung nach Vorkenntnissen es unmöglich machen, die für eine qualifizierte Berufstätigkeit notwendigen Sprachkenntnisse zu vermitteln.
Aufgrund vielfältiger bürokratischer Hürden und persönlicher Krisen (z.B. Überschuldung) ist eine kontinuierliche sozialpädagogische Betreuung laut Autor unabdingbar, um den Erfolg von Sprach- und Integrationsmaßnahmen überhaupt zu ermöglichen.
Der Autor beurteilt die aktuelle Sparpolitik kritisch, da die Kürzung von Starthilfen und Sprachförderung langfristig zu höheren Folgekosten durch Sozialhilfebezug und mangelnde gesellschaftliche Assimilation führt.
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