Bachelorarbeit, 2024
46 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Frauen in heldenepischen Texten
2.1 Das Frauenbild in heldenepischen Texten
2.2 Kriemhilt im Nibelungenlied
2.3 Brünhilt im Nibelungenlied
3. Formen der Macht
4. Kriemhilts und Brünhilts Macht im Nibelungenlied
4.1 Kriemhilts Macht
4.2 Brünhilts Macht
4.3 Kriemhilts & Brünhilts Macht im Vergleich
5. Fazit
6. Bibliographie
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert die Machtdynamiken der beiden zentralen weiblichen Protagonistinnen des Nibelungenliedes, Kriemhilt und Brünhilt, und stellt deren individuelles Machtstreben sowie die angewandten Machtformen in den Kontext mittelalterlicher heldenepischer Rollenbilder.
2.1 Das Frauenbild in heldenepischen Texten
Das Bild der Frau im Mittelalter wurde stark von gesellschaftlichen Rollen und Normen geprägt. In heldenepischen Texten wurden Frauen oft als edle und tugendhafte Wesen dargestellt, welche als Inspiration und auch Motivation für männliche Helden dienten.17
Häufig wurden Frauen als das schwächere Geschlecht angesehen, da sie dem Mann untergeordnet waren: „Zu den kulturell verfestigten Grundlagen gehörte die Überzeugung, dass Männer geboren sind, um zu herrschen, und Frauen, um beherrscht zu werden.“18
Das Frauenbild der höfischen Dichtung ist weit entfernt von dem Frauenbild, welches man heutzutage vorfindet. Frauen hatten in heldenepischen Texten ein sehr geringes Maß an Einfluss auf das Geschehen. So führt Hufnagel an, dass „die Handlungsfähigkeit der Frauen und demnach auch der weiblichen Figuren der Heldenepik auf ein Wesentliches begrenzt [ist].“19 Frauen handeln demnach nicht eigenständig, sondern immer im Einklang und in Absprache mit ihren Männern.20 „Mächtige Frauen waren im Mittelalter zunächst Kaiserinnen, Königinnen und einflussreiche Landesherrinnen.“21 Insgesamt aber ist festzuhalten, dass Frauen den Männern untergeordnet waren und demnach nicht viel bis keine Macht ausüben konnten bzw. durften. Die Frau wurde häufig als Objekt der Begierde betrachtet und musste sich entsprechend den Wünschen sowie Forderungen des Mannes unterwerfen. „Sie ist das Objekt, der Mann das Subjekt“22, so Schnell. Der Mann nimmt eine fordernde Haltung gegenüber der Frau ein, übt an ihr Kritik und reflektiert sich selbst nicht kritisch.23 In diesem Kontext äußert Schnell, dass der Mann davon überzeugt ist, dass die Frau ihr eigenes Glück dadurch erreicht, indem sie den Mann glücklich macht.24 Rechtlich gesehen standen Frauen unter der Vormundschaft ihres Mannes, weshalb die Ehemänner bzw. sonstige männliche Mitglieder einer Familie die Verfügungsgewalt über die Frauen hatten.25 Dies beinhaltete unter anderem das Wegsperren, Demütigungen oder auch ihnen zu untersagen zu reden.26 Den Frauen war es nicht erlaubt in der Öffentlichkeit zu sprechen, im Gegenteil sollten sie prinzipiell still sein und sich in ihrer untergeordneten Rolle belehren lassen, sodass keinerlei Möglichkeit bestand, dass sie über ihre Männer herrschen konnten.27
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Zielsetzung, die Machtstrukturen der weiblichen Figuren im Nibelungenlied kritisch zu untersuchen.
2. Frauen in heldenepischen Texten: Dieses Kapitel arbeitet das mittelalterliche Frauenbild auf, charakterisiert Kriemhilt und Brünhilt als atypische Figuren und beleuchtet deren soziokulturelle Einordnung.
3. Formen der Macht: Der theoretische Rahmen für die Analyse der Macht wird hier durch die Einführung und Erläuterung der Grundformen nach Heinrich Popitz (Aktions-, instrumentelle, autoritative Macht) abgesteckt.
4. Kriemhilts und Brünhilts Macht im Nibelungenlied: Das Hauptkapitel analysiert die spezifischen Machtausübungen von Kriemhilt und Brünhilt an ausgewählten Textstellen und vergleicht ihre unterschiedlichen Strategien und Entwicklungen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, wonach beide Frauen als machtausübende Protagonistinnen die höfischen Konventionen ihrer Zeit maßgeblich durchbrechen.
6. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche für die Bachelorarbeit herangezogene Primär- und Sekundärliteratur auf.
Nibelungenlied, Kriemhilt, Brünhilt, Machtforschung, Aktionsmacht, Instrumentelle Macht, Autoritative Macht, Heldenepik, Geschlechterrollen, Mittelalter, Königinnenstreit, Feministische Literaturwissenschaft, Patriarchat, Rache, Handlungsfähigkeit.
Die Arbeit untersucht die Machtverhältnisse der beiden wichtigsten weiblichen Figuren Kriemhilt und Brünhilt innerhalb des Nibelungenliedes und analysiert dabei deren gezielten Einsatz unterschiedlicher Machtformen.
Im Zentrum stehen das mittelalterliche Frauenbild, die Abweichung der Protagonistinnen von typischen Rollenerwartungen sowie deren aktive Gestaltung ihrer gesellschaftlichen und persönlichen Spielräume durch Machausübung.
Das Ziel ist es zu ergründen, welcher spezifischen Machtformen sich Kriemhilt und Brünhilt bedienen, inwieweit sie ihre Macht zur Steuerung von Handlungen nutzen und wie sich ihre Machtpositionen im Verlauf des Epos verändern.
Die Arbeit nutzt als theoretische Grundlage die Machttheorie nach Heinrich Popitz, um die verschiedenen Erscheinungsformen von verletzender Aktionsmacht, instrumenteller Macht und autoritativer Macht auf die Figuren anzuwenden.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse und Gegenüberstellung von Kriemhilts und Brünhilts Machtausübung, wobei insbesondere der Königinnenstreit und die jeweiligen Reaktionen auf männliche Dominanz beleuchtet werden.
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Machtstreben, Heldenepik, Geschlechterkonstruktion, Rache, Aktionsmacht und die Ambivalenz weiblicher Darstellung im Mittelalter beschreiben.
Während Kriemhilt stärker instrumentelle Macht einsetzt und ihre Umgebung oft manipulativ steuert, zeichnet sich Brünhilt ursprünglich durch eine starke physische Aktionsmacht aus, die sie direkt und offensiv zur Abwehr männlicher Übergriffe nutzt.
Der Königinnenstreit wird als Schlüsselszene identifiziert, da er als öffentliche Machtprobe dient, in der die Rivalität der beiden Königinnen eskaliert und ihre unkonventionelle Rollenauffassung sowie ihre individuellen Machtansprüche massiv aufeinanderprallen.
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