Masterarbeit, 2023
75 Seiten
B HAUPTTEIL
I. MIGRATION, FLUCHT, VERTREIBUNG, EIN- UND AUSWANDERUNG. WANDERUNGSBEWEGUNGEN UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DIE ORGANISATION DES ZUSAMMENLEBENS DER ZIVILGESELLSCHAFT
1. Wanderungsbewegungen – Versuch einer Systematik
a) Begriffsklärung und Formen
b) Thematische Eingrenzung der Formen in Bezug zum Thema der Arbeit
2. Psychosoziale und soziokulturelle Aspekte von Migration
a) Soziale Bindungen, soziale Beziehungen
b) Resilienz
c) Diversität der Kulturen
d) Subkulturen und Parallelgesellschaften
3. Herausforderungen für die Migrantin/den Migranten
a) Lost in a strange land. Einsamkeit und Unsicherheit
b) Omnipotenz der Sprache – Verlust der Sprache
c) Normen, Codices, Konventionen
d) Arbeit und Freizeit
4. Herausforderungen für die Zivilgesellschaft
a) Zwischen Akzeptanz und Befremden
b) Zwischen Neugier und Abstand
c) Zwischen „Do what you want“ und Grenzziehung
II. RECHTLICHE BETREUUNG UND VORMUNDSCHAFT IN EUROPA UND ANDEREN TEILEN DER WELT
1. Lage in der EU und paneuropäische Situation
a) Europäische Union
aa) Deutschland
bb) Polen
cc) Tschechische Republik
dd) Österreich
ee) Frankreich
ff) Benelux-Staaten
b) Europäische Staaten ohne EU-Mitgliedschaft
aa) Schweiz
bb) Vereinigtes Königreich
cc) Ukraine
c) Länderübergreifendes EU-Recht für die rechtliche Betreuung – oder doch nicht?
aa) Das Haager Erwachsenenschutzübereinkommen (ESÜ)
bb) Grundgedanke
cc) Weg des Gesetzes, Unterzeichnungen, Ratifizierungen
dd) Derzeitige Situation, Zuständigkeiten, Rechtsanwendung
2. Betreuung und Vormundschaft in ausgewählten außereuropäischen Ländern
a) Naher und mittlerer Osten, muslimisch geprägte Kulturen
b) Ferner Osten, asiatischer Kulturkreis
c) Afrikanische Staaten
III. DIE MIGRANTIN/DER MIGRANT WIRD ZUM „BETREUUNGSFALL“
1. Rechtliche Grundlegung
a) Voraussetzungen der Betreuerbestellung, insbesondere bei Ausländer:innen und Migrant:innen
aa) Nationalität
bb) Gewöhnlicher Aufenthalt
cc) Sonderfälle
b) Rechte und Pflichten des Betreuers im Besonderen bei der Betreuung von Migranten
aa) Allgemeine Betreuerpflichten und -Rechte
bb) Besonderheiten bei Migrant:innen
c) Rechte der Betroffenen und deren Umsetzung im Besonderen bei ausländischer Herkunft
aa) Allgemeine Rechte der Betroffenen im Betreuungsverfahren
bb) Besonderheiten bei Migrant:innen
cc) Exkurs: Besondere verantwortliche Stellung der Verfahrenspfleger in Betreuungsverfahren für Migrant:innen und praktische Probleme
2. Ausgewählte Probleme der Betreuungspraxis von Migrant:innen und Probleme der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben
a) Rollenverständnis
b) Das Sprachproblem – eher ein pekuniäres Problem?
c) Ausländerrecht – mitunter ein Buch mit sieben Siegeln
d) Gebratene Tauben
e) Rüber und ’nüber
f) Haltung zu und Umgang mit Krankheiten und Behinderungen
g) Schuld und Sühne
h) Rechtsbesorgung contra Sozialarbeit
C FAZIT, SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AUSBLICK AUF DIE FOLGEN DER REFORM DES BETREUUNGSRECHTES 2023
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Herausforderungen bei der rechtlichen Betreuung von Migranten im europäischen Kontext. Sie beleuchtet die soziokulturellen Hintergründe von Migration, die rechtliche Situation des Betreuungswesens in verschiedenen Ländern sowie die praktischen Probleme, denen sich Betreuer und Zivilgesellschaft im Alltag gegenübersehen.
3. Herausforderungen für die Migrantin/den Migranten
Ohne Frage werden die wirtschaftliche Situation und die persönliche materielle Sicherheit in Europa und speziell in Deutschland als besser wahrgenommen, als in anderen Teilen der Welt; im Vergleich zu vielen Staaten der sogenannten „Dritten Welt“ sind sie nahezu paradiesisch. Aber dies ist eben nur eine Facette der vielschichtigen menschlichen Existenz, und in anderen Persönlichkeitsbereichen entsteht nach der physischen Migration durchaus eine gewisse Leere.
Han benutzt dafür das metaphorische Bild der Entwurzelung (rootlessness). Er spricht von einem „Verlassen des umfassenden Sinnzusammenhanges sozialer Handlungen“. Nach Luhmann wird „durch den Sinnentwurf die umgreifende Ungewissheit und Unerfassbarkeit der Welt weitgehend ausgeklammert, so dass nur ein Ausschnitt ihrer Komplexität zur Erfassung selektiert wird. [...] Die Grenzen sozialer Systeme zur Welt sind Sinngrenzen. Ihr Verhältnis zur Welt ist die Selektion.“
„Der einzelne Mensch jedoch kann für sich allein weder Sinn konstituieren, noch [...] Komplexität reduzieren.“ Bis sich Migranten also einen neuen umfassenden Sinnentwurf im neuen System zu eigen gemacht haben, leben sie in einem Zustand der Verhaltensunsicherheit und Instabilität (siehe Abb. 2).
I. MIGRATION, FLUCHT, VERTREIBUNG, EIN- UND AUSWANDERUNG.: Dieses Kapitel analysiert die systemischen Hintergründe von Wanderungsbewegungen und die psychosozialen sowie soziokulturellen Folgen für Migranten und die aufnehmende Zivilgesellschaft.
II. RECHTLICHE BETREUUNG UND VORMUNDSCHAFT IN EUROPA UND ANDEREN TEILEN DER WELT: Hier erfolgt eine rechtsvergleichende Übersicht der Betreuungssysteme innerhalb und außerhalb der EU sowie eine Erörterung des Haager Erwachsenenschutzübereinkommens.
III. DIE MIGRANTIN/DER MIGRANT WIRD ZUM „BETREUUNGSFALL“: Der Autor erörtert die rechtlichen Grundlagen für die Betreuerbestellung bei Migranten, die spezifische Rollenverteilung und die praktischen Hürden wie Sprachprobleme oder ausländerrechtliche Aspekte.
C FAZIT, SCHLUSSFOLGERUNGEN UND AUSBLICK AUF DIE FOLGEN DER REFORM DES BETREUUNGSRECHTES 2023: Eine zusammenfassende Bewertung der Thematik unter Berücksichtigung der jüngsten Gesetzesreformen und des interdisziplinären Charakters der Betreuungsarbeit.
Rechtliche Betreuung, Migration, Betreuungsrecht, Vormundschaft, Interkulturelle Kompetenz, Soziokulturelle Integration, Verfahrenspflege, Haager Erwachsenenschutzübereinkommen, Migranten, Sprachbarrieren, Ausländerrecht, Soziale Bindungen, Resilienz, Betreuungsreform 2023, Betreuungspraxis
Die Arbeit befasst sich mit den rechtlichen und sozialen Problemstellungen bei der Betreuung von Migranten im europäischen Kontext, insbesondere unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an Betreuer durch fremde kulturelle Hintergründe.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Flucht und Migration, die rechtsvergleichende Analyse von Betreuungssystemen und die praktischen Anforderungen an die Betreuer im Umgang mit Migranten.
Ziel ist es, die spezifischen rechtstheoretischen und praktischen Schwierigkeiten in Betreuungsverfahren für Migranten zu identifizieren und mögliche Lösungsansätze für die tägliche Praxis zu diskutieren.
Die Arbeit ist interdisziplinär angelegt und verbindet rechtswissenschaftliche Analysen mit Erkenntnissen aus der Soziologie, Sozialpsychologie und Migrationsforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Bereiche: die soziokulturellen Aspekte von Migration, den internationalen Rechtsvergleich der Betreuungssysteme und die konkrete Ausgestaltung der rechtlichen Betreuung von Migranten.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Rechtliche Betreuung, Integration, Migrationshintergrund, interkulturelle Kommunikation, Verfahrenspflege und gesetzliche Betreuung definiert.
Es dient als diplomatisches Instrumentarium zur gegenseitigen Anerkennung rechtlicher Maßnahmen im Bereich der Betreuung zwischen Nationalstaaten, um bei grenzüberschreitenden Fällen für Rechtssicherheit zu sorgen.
Im Anhang werden fünf Fallbeispiele (Porträts) von betreuten Migranten geschildert, um die lebensweltliche Relevanz der theoretisch erörterten Probleme – etwa bei Sprachbarrieren oder dem Ausländerrecht – zu verdeutlichen.
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