Magisterarbeit, 2009
115 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. „Hell ist die Nacht“ − Die Metaphorik von Dunkelheit und Licht und ihre poetologischen Implikationen
2.1 Abgrund und Verborgenheit
2.2 Die Anwesenheit der Toten
2.3 Das Dunkel und seine Übersetzung
3. „Wir sagen uns Dunkles“ – Sprache der Liebe, Sprache des Lebens, Sprache des Todes
3.1 IN ÄGYPTEN
3.2 CORONA
3.3 HALME DER NACHT
4. „Sprich deutlicher, sprich tödlicher“ – Sprachskepsis und die Suche nach dem wahren Wort
4.1 MIT WECHSELNDEM SCHLÜSSEL – Wort und Verschwiegenes
4.2 „Soviel Klartext, soviel Beile“ – Das tote Wort und das tötende Wort
4.2.1 NÄCHTLICH GESCHÜRZT
4.2.2 MIT ÄXTEN SPIELEND
4.3 „Wahr spricht, wer Schatten spricht“ – Das lebendige Wort
4.3.1 ARGUMENTUM E SILENTIO
4.3.2 SPRICH AUCH DU
5. „Im Lichte der U-topie“ – Die Poetik im Meridian
5.1 Entstehung und Richtung des Gedichts (Kunst – Atemwende – Dichtung)
5.2 Exkurs: „Wir verstehen dich, Leben“ – Die Rede der Toten
5.2.1 OBEN, GERÄUSCHLOS
5.3 „O einer, o keiner, o niemand, o du“ – Der Gesprächspartner
6. Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht, wie Paul Celans Poetik eine kommunikative Dunkelheit nutzt, um den Holocaust und das Gedenken an die Toten sprachlich zu vergegenwärtigen, ohne in eine absolute Hermetik zu verfallen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert darauf, warum diese Dunkelheit für Celans Wirklichkeitsbezug notwendig ist und wie sie in seinen Gedichten als intensivste Form der Kommunikation zwischen dem Ich, dem Du und den Toten fungiert.
2.1 Abgrund und Verborgenheit
Das Wort ‚Nacht‘ ist in seiner Grundform das dritthäufigste Substantiv in Celans gesamtem Werk. Es verweist wie sein lokales Pendant ‚Abgrund‘ auf den unausgesprochenen Grund von Celans Dichtung, die Katastrophe des Holocaust. Obwohl vor allem in Mohn und Gedächtnis und Von Schwelle zu Schwelle von großer Bedeutung, tritt die Nacht im Ganzen hinter den räumlichen Evokationen des Abgrunds und des Gangs in eine dunkle Tiefe zurück.
Auf das Bedauern des Büchner’schen Lenz, nicht auf dem Kopf gehen zu können, anspielend, verkündet Celan in der Meridian-Rede: „Wer auf dem Kopf geht, meine Damen und Herren, – wer auf dem Kopf geht, der hat den Himmel als Abgrund unter sich.“ Der traditionellen Vorstellung des Menschen als aufrecht gehendem Wesen mit dem Himmel als festem Bezugs- und Orientierungspunkt und Inbegriff metaphysischer Hoffnungen wird dabei Hohn gesprochen. Wer „Düsterstes im Gedächtnis“ hat und nicht ablassen kann von der traumatischen Fixierung auf eine schreckliche Vergangenheit, dem muss diese stets quälend gegenwärtig sein.
1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert die Problematik der Begriffe „Hermetik“ und „Dunkelheit“ in der Celan-Forschung und legt die These dar, dass Celans Dichtung kein hermetisches Abschließen, sondern eine kommunikative Form des Totengedenkens darstellt.
2. „Hell ist die Nacht“ − Die Metaphorik von Dunkelheit und Licht und ihre poetologischen Implikationen: Dieses Kapitel untersucht die grundlegende Licht-Dunkel-Metaphorik und wie Celan das ‚Abgründige‘ und die Anwesenheit der Toten als notwendige Dunkelheit in seine Poetik integriert.
3. „Wir sagen uns Dunkles“ – Sprache der Liebe, Sprache des Lebens, Sprache des Todes: Hier wird analysiert, wie Celan in Gedichten wie „IN ÄGYPTEN“ und „CORONA“ Liebesbegegnungen mit dem Totengedenken verschränkt, um eine Einheit von Leben und Tod zu schaffen.
4. „Sprich deutlicher, sprich tödlicher“ – Sprachskepsis und die Suche nach dem wahren Wort: Das Kapitel widmet sich Celans Sprachkritik und der Suche nach einer Sprache, die nicht konsumierbar ist, sondern das Unaussprechliche des Holocaust durch eine spezifische, oft widersprüchliche Diktion bewahrt.
5. „Im Lichte der U-topie“ – Die Poetik im Meridian: Diese Analyse fokussiert auf Celans Georg-Büchner-Preis-Rede, um das theoretische Fundament seiner Poetik als „Gespräch“ und „Atemwende“ zu rekonstruieren.
6. Schlussbetrachtung: Das Schlusskapitel resümiert die Entwicklung von Celans Dichtung und bestätigt die Bedeutung seiner poetologischen Ansätze für das Verständnis der Dunkelheit in seinem Werk.
Paul Celan, Lyrik, Holocaust, Totengedenken, Hermetik, Dunkelheit, Atemwende, Meridian, Sprachskepsis, Kommunikation, Dialog, Metaphorik, Shoa, Mohn und Gedächtnis, Sprachgitter.
Die Arbeit analysiert die Poetik Paul Celans, insbesondere seine Auffassung von „dunkler Dichtung“ und deren enge Verknüpfung mit dem Gedenken an die Opfer des Holocaust.
Die Arbeit behandelt die Licht- und Dunkelmetaphorik, die Sprachskepsis nach Auschwitz, die Verschränkung von Liebe und Tod sowie die theoretische Fundierung in Celans Meridian-Rede.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Celans „dunkle“ Dichtung eine zutiefst kommunikative, dialogische Form des Totengedenkens darstellt, die den Wirklichkeitsbezug zum Holocaust wahrt.
Der Autor wendet eine textnahe philologische Analyse an, die Celans eigene poetologische Schriften (Notizen, Meridian-Rede) als Interpretationsschlüssel für die Gedichtbände nutzt.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Analysen der Gedichtbände „Mohn und Gedächtnis“, „Von Schwelle zu Schwelle“ sowie die theoretische Auseinandersetzung mit dem „Meridian“.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Totengedenken, Sprachskepsis, Atemwende, Meridian, Dialogizität und das „Gegenüber“.
Celan wies den Vorwurf der Hermetik zurück, da er seine Dichtung nicht als Abschirmung gegen die Welt verstand, sondern als aufmerksames, anspruchsvolles Gespräch, das dem Leser eine aktive Teilhabe abverlangt.
Die Toten sind keine abstrakten Figuren, sondern existieren als „Gegenwärtige“ im Abgrund des Gedächtnisses, die durch die Sprachbewegung des Dichters zum Sprechen gebracht werden müssen.
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