Diplomarbeit, 2009
91 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Untersuchungsgegenstand
1.3 Gang der Arbeit
2 Grundlagen
2.1 Informationsökonomie
2.1.1 Definition und Einordnung
2.1.2 Informationsfunktion als Rechnungslegungszweck
2.1.2.1 Adressatenorientierung
2.1.2.2 Relevanz der Informationen
2.1.2.3 Verlässlichkeit
2.2 Derivate
2.2.1 Definition und Systematisierung
2.2.2 Abzusichernde Risiken und finanzwirtschaftliche Bewertungsmethoden
2.2.2.1 Währungsrisiken
2.2.2.2 Zinsrisiken
2.2.3 Bilanzielle Behandlung von Derivaten
2.2.3.1 Alleinstehende Derivate
2.2.3.2 Derivate in Sicherungsbeziehungen
2.3 IFRS 7
2.3.1 Hintergrund und Entwicklung des IFRS 7
2.3.2 Anhangsvorschriften zur Fair Value Bewertung
3 Informationsökonomische Analyse
3.1 Charakterisierung des Jahresabschlussadressaten
3.1.1 Neoinstitutionale Anforderungen an den Abschlussleser
3.1.2 Typisierung des Jahresabschlussadressaten
3.2 Formulierung des Entscheidungsproblems
3.2.1 µ – Kriterium
3.2.2 Erwartungsnutzentheorie
3.2.2.1 Axiome rationalen Verhaltens bei Risiko
3.2.2.2 Risikoeinstellung und Risikonutzenfunktionen
3.2.2.3 Subjektive Wahrscheinlichkeiten und Informationen
3.2.2.3.1 Grundlegendes
3.2.2.3.2 Wahrscheinlichkeiten und zusätzliche Informationen
3.3 Relevanz der erweiterten Anhangsangaben nach IFRS 7 n. F.
3.3.1 Modellierung
3.3.1.1 Modellannahmen
3.3.1.2 Simulationsergebnisse
3.3.2 Qualitative Beurteilung der Entscheidungsrelevanz von IFRS 7 n. F.
3.3.2.1 Entscheidungsrelevanz des Fair Value per se
3.3.2.1.1 Konzeption des Fair Value
3.3.2.1.2 Fair Value im Spannungsfeld von Relevanz und Verlässlichkeit
3.3.2.1.3 Ergebnisse der empirischen Rechnungslegungsforschung
3.3.2.2 Entscheidungsrelevanz zusätzlicher Fair Value Angaben
3.3.3 Zwischenfazit
4 Kritische Würdigung
4.1 Modellannahmen
4.1.1 Rationalitätsannahmen
4.1.2 Normalverteilungshypothese
4.2 Umsetzungsprobleme
5 Fazit
Ziel dieser Arbeit ist die quantitative Untersuchung der Entscheidungsrelevanz von erweiterten Angabepflichten zur Fair Value Bewertung von Derivaten gemäß dem IFRS 7 Amendment vom März 2009. Die Arbeit untersucht, ob diese neuen Informationen Investoren dabei unterstützen können, ihre Erwartungen hinsichtlich künftiger Renditen präziser einzuschätzen und somit zu fundierteren Anlageentscheidungen zu gelangen.
3.3.2.1.1 Konzeption des Fair Value
In Ermangelung einer alle Standards übergreifenden Definition des Fair Value, kann er grundsätzlich als ein „Wertkonglomerat“ aufgefasst werden. Wie es typisch für die kasuistisch geprägte anglo-amerikanische Rechnungslegung ist, taucht der Fair Value Begriff in den jeweilig relevanten Standards auf, wobei die verwendeten Definitionen grundsätzlich deckungsgleich sind. Danach ist der Fair Value “jener Betrag, zu dem zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögenswert getauscht oder eine Schuld abgelöst bzw. übertragen werden könnte“.
Der Fair Value ist also ein Markt- oder Verkehrswert, der in einer marktüblichen aber dennoch hypothetischen Transaktion erzielt werden könnte. Neben dieser bereits in den IFRS kodifizierten Definition hat das IASB seine Auffassung des Fair Value in „ED/2009/5 - Fair Value Measurement“ noch weiter klargestellt. Nach gegenwärtiger Auffassung des IASB ist der Fair Value „the price that would be received to sell an asset or a liability in an orderly transaction between market participants at the measurement date”. Dem Fair Value Begriff geht nach dieser Definition eine Liquidationsfiktion voraus.
Insgesamt wird also für das Konzept des Fair Value angenommen, dass es einen unternehmensunabhängigen Marktpreis gibt, der sich auf einem vollkommenen und abgeschlossenen Markt unter homogenen Erwartungen der Marktteilnehmer einstellt, wenn der Vermögensgegenstand veräußert wird. In der Theorie ist dieser Konzeption zunächst nichts entgegen zu setzen. Viele ökonomische Modelle gehen von einem solch optimalen Preis aus. Problematisch ist jedoch, dass eine solche optimale Markttransaktion für einen Großteil der in der Bilanzierungspraxis relevanten Fälle nicht stattfinden wird. Daher wird regelmäßig versucht, sich in Ermangelung eines tatsächlichen Veräußerungspreises durch Schätzungen zumindest an den tatsächlichen Fair Value anzunähern. Ein solcher „Annäherungsversuch“ ist auch die Fair Value Hierarchie des IFRS 7 n. F.
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert den Vertrauensverlust in die Finanzmärkte infolge der Krise und die daraus resultierende Notwendigkeit verbesserter Rechnungslegungsstandards durch den IASB.
2 Grundlagen: Dieses Kapitel führt in die Informationsökonomie sowie die finanzwirtschaftlichen Grundlagen von Derivaten ein und erläutert die bisherige bilanzielle Behandlung.
3 Informationsökonomische Analyse: Hier wird ein Modell zur Entscheidungsrelevanz von Informationen entwickelt und unter Einsatz von Monte Carlo Simulationen auf die Neuerungen des IFRS 7 angewandt.
4 Kritische Würdigung: Die kritische Auseinandersetzung beleuchtet die getroffenen Rationalitätsannahmen und die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung des entwickelten Entscheidungsmodells.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die neuen Angaben für schwach risikoaverse Investoren entscheidungsrelevant sein können, für stark risikoaverse jedoch kaum.
Fair Value, IFRS 7, Derivate, Entscheidungsrelevanz, Informationsökonomie, Finanzinstrumente, Risikoaversion, Monte Carlo Simulation, Abschlussleser, Rechnungslegung, Anhangsangaben, Erwartungsnutzentheorie, Finanzmarktkrise, Bilanzierung, Marktdaten.
Die Arbeit analysiert, ob die erweiterten Anhangsangaben zur Fair Value Bewertung von Derivaten nach dem IFRS 7 Amendment die Entscheidungsqualität von Investoren verbessern können.
Die Themen umfassen die informationsökonomische Analyse von Rechnungslegung, die Bewertung von Finanzderivaten sowie die empirische und modellhafte Überprüfung der Nützlichkeit von Anhangsangaben.
Ziel ist es, eine quantitative ex ante Aussage darüber zu treffen, ob der IFRS 7 in der neuen Fassung im Vergleich zur alten Fassung entscheidungsrelevantere Informationen für Investoren bereitstellt.
Es werden informationsökonomische Konzepte verwendet und zur quantitativen Untersuchung eine Monte Carlo Simulation eingesetzt, um den Einfluss von Informationen auf die Alternativenwahl von Investoren zu modellieren.
Der Hauptteil widmet sich der Definition des Abschlusslesers, der formalen Modellierung des Entscheidungsproblems unter Risiko mittels Erwartungsnutzentheorie und der Simulation der Auswirkungen zusätzlicher Informationen auf die Renditeerwartungen.
Zentrale Begriffe sind unter anderem Fair Value, IFRS 7, Entscheidungsrelevanz, Risikoaversion, Derivate und Monte Carlo Simulation.
Das IFRS-Rahmenkonzept definiert Investoren als repräsentative Abschlussleser, da diese Gruppe die größte Schnittmenge bei den Informationsbedürfnissen aufweist.
Ebene 1 umfasst Marktpreise auf aktiven Märkten, Ebene 2 basiert auf marktbasierten Modellen für ähnliche Instrumente und Ebene 3 verwendet nicht beobachtbare Marktdaten und Bewertungsmethoden.
Obwohl es Einwände hinsichtlich "Fat Tails" gibt, wird die Normalverteilung aufgrund ihrer weiten Verbreitung in der Finanzmarkttheorie und der einfachen Handhabung als Modellgrundlage verwendet.
Die Relevanz wird für schwach risikoaverse Anleger bejaht, da sie sensibler auf kleine Informationsänderungen reagieren, während sie für stark risikoaverse Anleger verneint wird.
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