Magisterarbeit, 2009
109 Seiten, Note: 1,3
A. Einleitung
1. Problembeschreibung Diktaturvergleich
2. Methode und Forschungsstand
3. Aufbau der Arbeit – Fragestellungen – Literatur
B. Analytischer Teil
1. Weltanschauung und Ideologie
1.1 Zur Rolle der Staatsjugend: Systemerhalt und Symbolik
1.2 Menschenbild, Gesellschaftsbild, Weltbild, Feindbild
1.3 Ideologisch-programmatische Vorstellungen zur Erziehung der Jugend im Dritten Reich
1.3.1 Zielsituation ‚soldatischer Mann‘
1.3.2 Zielsituation ‚kommende Mutter‘
1.4 Ideologisch-programmatische Vorstellungen zur Erziehung der Jugend in der DDR
1.5 Zwischenfazit
2. Machtetablierung und ‚Verrechtlichung‘ der Jugend
2.1 Eroberung der Macht und die Auswirkungen auf den Konstituierungsprozess der Kinder- und Jugendorganisationen
2.2 Entwicklung zu Massenorganisationen
2.3 Organisationsstrukturen und –grad
2.4 Zwischenfazit
3. Zusammenarbeit oder Konkurrenz: Das unterschiedliche Verhältnis zur Schule
3.1 Zwischenfazit
4. Militärische Inhalte in den Jugendorganisationen: Jugend zwischen Angriff und Verteidigung
4.1 Ausbildung zum politischen Soldaten
4.2 Ausbildung zum Verteidiger des Sozialismus
4.3 Zwischenfazit
5. Die Bekämpfung der Konkurrenz: Kirchliche Kinder- und Jugendarbeit im Dritten Reich und der DDR
5.1 Zielsetzungen der NS- und SED Kirchenpolitik
5.2 Geplante und durchgeführte Maßnahmen
5.3 Ergebnisse der Politik
5.4 Zwischenfazit
C. Abschließende Reflexionen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Kinder- und Jugendorganisationen des Dritten Reiches (HJ/BDM) mit denen der DDR (FDJ/PO), um Ähnlichkeiten und Unterschiede in Bezug auf ihre Sozialisierungsfunktion unter totalitären Herrschaftsbedingungen herauszuarbeiten und die jeweilige „Totalität“ der Systeme zu bewerten.
1. Weltanschauung und Ideologie
Die Jugend spielt in jedem politischen System eine gewichtige Rolle, denn sie ist für das Weiterbestehen der politischen Ordnung von existenzieller Bedeutung. Daher ist es erforderlich, sie im Sinne der bestehenden Ordnung zu erziehen. Dies wird auch in demokratisch verfassten Staaten getan, in Form von politischer Bildung und Partizipation. Aber warum spricht man in Demokratien von der ‚Jugend‘, in Diktaturen aber von der ‚Staatsjugend‘? Der Unterschied liegt in der totalen Vereinnahmung der Staatsjugend im Sinne des jeweiligen Systems – so wie es im Dritten Reich und der DDR geschah. Der jungen Generation kam die zentrale Rolle als Träger, Mitgestalter und Garant einer Zukunft auf Grundlage des Nationalsozialismus bzw. des Marxismus-Leninismus zu. Diese zentrale Rolle war im Nationalsozialismus sogar fixiert. Die Hitlerjugend (HJ) erhielt eine gesetzlich festgeschriebene Staatsfunktion, die sie mit staatsautoritären Vollmachten ausstattete. Sie verkörperte demzufolge eine staatliche Instanz. Dagegen war die Freie Deutsche Jugend (FDJ) juristisch gesehen keine legitimierte Staatsautorität – allerdings erlauben die tatsächlichen Verhältnisse auch hier von einer Staatsjugend zu reden. Doch wie kommt eine totale Vereinnahmung zustande? Diese kann nur gewährleistet werden, wenn jeder Bereich, so auch der private jenseits der Schule gelegene Bereich, kontrolliert wird. ANSORG spricht von einem ‚Zugriff über die Freizeit‘. Dieser erfolgte durch die Schaffung einheitlicher Jugendorganisationen, die eine systemkonform gestaltete Freizeit gewährleisten sollten.
1. Weltanschauung und Ideologie: Untersuchung der ideologischen Grundlagen der Jugendarbeit in beiden Systemen, wobei die Instrumentalisierung der „Jugend“ als Symbol für den Staat im Vordergrund steht.
2. Machtetablierung und ‚Verrechtlichung‘ der Jugend: Analyse der Organisationsentwicklung von der freien Jugendbewegung hin zu staatlich gelenkten Massenorganisationen unter dem Diktat der jeweiligen Partei.
3. Zusammenarbeit oder Konkurrenz: Das unterschiedliche Verhältnis zur Schule: Beleuchtung des Konflikt- und Kooperationspotenzials zwischen den Jugendorganisationen und der Erziehungsinstitution Schule als wichtigster Bildungsort.
4. Militärische Inhalte in den Jugendorganisationen: Jugend zwischen Angriff und Verteidigung: Vergleich der vormilitärischen Ausbildung, die im NS-Staat offensiv-militaristisch und in der DDR (später) defensiv-verteidigungsorientiert geprägt war.
5. Die Bekämpfung der Konkurrenz: Kirchliche Kinder- und Jugendarbeit im Dritten Reich und der DDR: Darstellung der Strategien beider Diktaturen, um kirchliche Jugendarbeit als Konkurrenz zur Staatsideologie auszuschalten oder zu unterdrücken.
Jugendorganisationen, Dritter Reich, DDR, Totalitarismus, Hitlerjugend, Freie Deutsche Jugend, Staatsjugend, Erziehung, Ideologie, Militarisierung, Kirche, Machtetablierung, Sozialisation, Gleichschaltung, Indoktrination.
Die Magisterarbeit befasst sich mit einem rechts- und sozialhistorischen Vergleich der Jugendorganisationen in der NS-Diktatur und in der DDR.
Zentrale Felder sind die Ideologiebildung, der Organisationsaufbau, das Verhältnis zur Schule, die militärische Erziehung und die Verdrängung kirchlicher Jugendarbeit.
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Sozialisierung Jugendlicher in den beiden deutschen Diktaturen aufzuzeigen und zu analysieren, welches System die totale Vereinnahmung der Jugend konsequenter umsetzte.
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse, die sich an der Typologie totalitärer Systeme orientiert und einen sektoralen Vergleich der Jugendorganisationen vornimmt.
Der Hauptteil gliedert sich in fünf thematische Schwerpunkte, die von der ideologischen Weltanschauung bis hin zur gezielten Bekämpfung konkurrierender kirchlicher Jugendarbeit reichen.
Schlüsselbegriffe sind Jugendorganisationen, Diktaturvergleich, Machtetablierung, militärische Erziehung, Ideologie und Konkurrenz zur Kirche.
Während im Dritten Reich die vormilitärische Ausbildung direkt auf den Angriffs- und Vernichtungskrieg hin ausgelegt war, fokussierte die DDR primär auf die Verteidigung des Sozialismus im Kontext der Blockkonfrontation.
Die Schule galt als entscheidender Ort zur Verankerung der jeweiligen Parteidoktrin; die Jugendorganisationen versuchten, den staatlichen Bildungsauftrag mit ihrem eigenen ideologischen Erziehungsziel zu überlagern.
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