Examensarbeit, 2010
74 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Zum Begriff der Gesundheit
2.1 Gesundheit als Schweigen des Körpers
2.2 Gesundheit als mehrdimensionales Paradigma
2.3 Der Krankheitsbegriff
2.3.1 Die naturalistische Sichtweise
2.3.2 Psyche als nicht-naturalistisch greifbares Phänomen
2.3.3 Krankheit als Abweichung von einer Norm
2.3.3.1 Individuelle Norm
2.3.3.2 Intersubjektive, kollektive oder objektive Norm
2.3.3.3 Ideal und Statistik
2.3.3.4 Natur als Norm
2.3.3.5 Genetische Norm
2.3.3.6 Fazit zum Krankheitsbegriff
2.4 Abschließende Betrachtung zur Gesundheit und Krankheit
3. Enhancement
3.1 Begriffsklärung
3.2 Arten von Enhancement
3.2.1 Körperliches Enhancement
3.2.1.1 Schönheitschirurgie
3.2.1.2 Doping im Sport
3.2.2 Neuro–Enhancement
3.2.2.1 Aufhellung der Grundstimmung
3.2.2.2 Erweiterung kognitiver Fähigkeiten
3.2.2.3 Transhumane Erweiterungen
3.2.3 Enhancement am Nachwuchs
3.3 Enhancement als Problem
4. Zusammenfassung
5. Quellen
Die Arbeit untersucht die philosophische und ethische Problematik des Gesundheits- und Krankheitsbegriffs im Kontext des modernen Trends zur Optimierung des menschlichen Körpers (Enhancement). Die zentrale Forschungsfrage ist, ob Verbesserungen am Menschen als gesund eingestuft werden können oder ob diese Form der Optimierung die Grenze zur medizinisch unzulässigen Behandlung überschreitet.
2.1 Gesundheit als Schweigen des Körpers
Die Gesundheit als ein nicht bewusst erlebter Zustand, der sich erst zeigt, wenn wir ihn nicht mehr besitzen, ist ein altes Motiv. Bereits Descartes schrieb 1649 in einem Brief an Chanut: „Obschon sie [die Gesundheit] das größte aller den Körper betreffenden Güter darstellt, [ist sie] dennoch dasjenige […], über das wir am wenigsten nachdenken, und das wir am wenigsten genießen. Die Erkenntnis der Wahrheit ist wie die Gesundheit der Seele: wenn man sie hat, denkt man nicht mehr daran.“ Auch Leibnitz schrieb in Theodizee: „Aber gerade der Schmerz lehrt den Wert der Gesundheit erkennen, wenn wir ihrer beraubt sind.“ Im Anschluss formulierte Diderot 1751: „Wenn wir uns wohlfühlen, unterrichtet uns kein Teil des Körpers von seiner Existenz.“ Auch Kant schrieb 1798 zur Gesundheit in ähnlicher Weise im Streit der Fakultäten: „Man kann sich gesund fühlen (aus dem behaglichen Gefühl seines Lebens urteilen), nie aber wissen, ob man gesund sei […]. [D]aher der Mangel dieses Gefühls [krank zu sein] keinen anderen Ausdruck des Menschen für sein Wohlbefinden verstattet, als daß er scheinbarlich gesund sei.“ Kant stellt damit die Gesundheit „[…] außerhalb des Felds des Wissens […]“. Somit ist „Gesundheit […]kein wissenschaftlicher Begriff, sondern ein Gemeinbegriff.“ Und auch Charles Daremberg schrieb 1865 in Anknüpfung an diese Denktradition, dass „man im Zustand der Gesundheit die Bewegungen des Lebens nicht verspürt. Alle Funktionen vollziehen sich stillschweigend.“ So wird auch im 20. Jahrhundert noch die Gesundheit im „Schweigen der Organe“ gesucht, wie es René Leriche tat: „Die Gesundheit ist das Leben im Schweigen der Organe.“ Auch Paul Valéry schrieb: „Die Gesundheit ist der Zustand, in dem die notwendigen Funktionen sich unmerklich oder mit Vergnügen vollziehen.“
1. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt, ob Enhancement gesundheitsfördernd sein kann, und thematisiert die Notwendigkeit, Gesundheit und Krankheit präzise voneinander zu differenzieren, bevor über den Wert von Optimierungen geurteilt werden kann.
2. Zum Begriff der Gesundheit: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Konzepte von Gesundheit, von der klassischen Vorstellung des "Schweigens der Organe" bis hin zu komplexen bio-psycho-sozial-kulturellen Modellen.
3. Enhancement: Hier werden verschiedene Arten der Optimierung, wie körperliches Enhancement, Doping und Neuro-Enhancement, definiert und kritisch als ethisches Problem beleuchtet, insbesondere im Hinblick auf den "Wunschmedizin"-Trend.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert, dass eine rein medizinisch-naturalistische Definition von Gesundheit nicht ausreicht, um die Debatte um Enhancements zu lösen, da Gesundheit stets auch eine existenzielle und soziale Dimension besitzt.
5. Quellen: Auflistung der wissenschaftlichen Literatur und Studien, die zur Untermauerung der Argumentation herangezogen wurden.
Gesundheitsbegriff, Krankheitsbegriff, Enhancement, Optimierung, Wunschmedizin, Medizinethik, Neuro-Enhancement, Körperliches Enhancement, Bio-psycho-soziales Paradigma, Indikation, Lebensqualität, Normativität, Neuroprothesen, Medikalisierung, Fremdentscheidung.
Die Arbeit untersucht, ob das Streben nach einer "Verbesserung" des menschlichen Körpers und Geistes (Enhancement) mit dem Konzept der Gesundheit vereinbar ist oder ob hier die Grenzen zur medizinischen Behandlung verschwimmen.
Die Arbeit fokussiert sich auf die begriffliche Klärung von Gesundheit und Krankheit, die philosophische Einordnung von Optimierungsstrategien sowie die ethische Bewertung von Eingriffen am Nachwuchs und bei Gesunden.
Das Ziel ist herauszufinden, ob Enhancements gesund sein können, uns gesund erhalten oder gesund machen, um zu klären, ob diese Praktiken tatsächlich als "Behandlung" gerechtfertigt sind.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende philosophische und diskursanalytische Betrachtung, indem er medizinische Lexika, ethische Sachstandsberichte und philosophische Theorien zur Gesundheit (z.B. von Kant, Gadamer, Canguilhem) gegeneinander abwägt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Gesundheits- und Krankheitsbegriffs sowie eine detaillierte Aufarbeitung der Bereiche Body-Enhancement, Neuro-Enhancement und Optimierungen am Nachwuchs.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Enhancement, Gesundheitsbegriff, Krankheit, Optimierung, Wunschmedizin und ethische Normen charakterisiert.
Der Autor betont, dass bei Kindern ein besonderes ethisches Problem der Fremdentscheidung besteht; irreversible Eingriffe ohne pathologische Indikation werden dabei kritisch hinterfragt.
Der Autor warnt davor, dass durch eine inflationäre Ausweitung des Krankheitsbegriffs immer mehr "lebensweltliche Probleme" als pathologisch deklariert werden, wodurch gesunde Menschen in Patienten verwandelt werden.
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