Examensarbeit, 2002
109 Seiten, Note: 2,0
0 Einleitung
1 Zum Begriff „Dyskalkulie“
1.1 Versuche zur Definition
1.2 Typische Merkmale der Rechenschwäche
1.2.1 Rechenfehler im Zusammenhang mit Sprach- und Symbolverständnis
1.2.2 Rechenfehler im Zusammenhang mit Störungen im quantitativen Denken
1.2.3 Rechenfehler im Zusammenhang mit einigen Aspekten des Zahlbegriffs
1.2.4 Rechenfehler im Zusammenhang mit dem Verständnis von Operationen
2 Mögliche Ursachen der Dyskalkulie
2.1 Vorbemerkung zur Ursachenklärung
2.1.1 Kongenitale Ursache
2.1.2 Neuropsychologische Ursache
2.1.3 Soziokulturelle und familiäre Bedingungen
2.1.4 Schulische Ursachen
2.1.5 Neurotisch-psychogene Ursachen
3 Behandlungsmöglichkeiten bei Dyskalkulie
3.1 Maßnahmen der Prävention
3.2 Nachhilfe- und Förderunterricht
3.2.1 Die Diagnostik
3.2.2 Therapeutische Intervention
3.3 Allgemeine fördernde Lernhilfen
4 Rahmen der empirischen Untersuchung
4.1 Die Fragestellung
4.2 Die Arbeitsgruppe
4.3 Das Datenmaterial
4.4 Das Arbeitsmaterial
4.5 Methodologische Überlegung zur Untersuchung
4.5.1 Auswahl der Gesprächsausschnitte
4.5.2 Methoden der Analyse
5 Die Gesprächsausschnitte
5.1 Szene I – „oh Mann, bist du peinlich“
5.1.1 Transkript der Szene I
5.1.2 Interaktionsanalyse der Szene I
5.2 Szene II – „oh Scheiße“
5.2.1 Transkript der Szene II
5.2.2 Interaktionsanalyse der Szene II
5.3 Szene III – „weil so langweilig“
5.3.1 Transkript der Szene III
5.3.2 Interaktionsanalyse der Szene III
5.4 Szene IV – „ich hasse diese Kreuze“
5.4.1 Transkript der Szene IV
5.4.2 Interaktionsanalyse der Szene IV
6 Konklusion der Szenen und deren Analysen
7 Resümee
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Erscheinungsformen, Ursachen und Fördermöglichkeiten von Dyskalkulie zu beleuchten und durch eine empirische Untersuchung in einer heterogenen Arbeitsgruppe tiefere Einblicke in das Arbeitsverhalten und die soziale Integration eines rechenschwachen Kindes zu gewinnen.
1.2.1 Rechenfehler im Zusammenhang mit Sprach- und Symbolverständnis
Die mathematische Sprache, so Nolte, kann als knapp und präzise bezeichnet werden und unterscheidet sich in ihrer Ausdrucksform situations- und kontextspezifisch. Hier geht es unter anderem um das (Un-)Verständnis mathematischer Begriffe wie zum Beispiel „kleiner“, „mal“, „Menge“ „Hälfte“ sowie auch die Symbole „<“, „>“ usw. Lorenz (in Eberle/Kornmann) unterteilt diese in die klassifikatorisch-kategorialen und relationalen (groß, nah, kurz usw.), die präpositionalen (auf, über, unter, an usw.) und die komparativen Begriffe (ist größer als, ist dicker als usw.).
Rechenschwache Kinder haben ihre Schwierigkeiten mit diesen Begriffen, die je nach Zusammenhang ihre Bedeutung ändern. Johnson und Myklebust ordnen diese Schwierigkeiten den „auditiv-rezeptiven Sprachstörungen“ zu. Probleme hat demnach das „rezeptiv-aphasische“ Kind nicht im „quantitativen Denken“, sondern im Verstehen der Wortbedeutung.
Es zeigen sich zunehmend Schwächen der akustischen Merkfähigkeit, die sich als Probleme beim Kopfrechnen und im verbalen Unterricht auswirken können, sowie Schwierigkeiten in der auditiven Differenzierung. Die Schwäche der „akustischen Merkfähigkeit“ oder auch „akustische Kurzspeicherschwäche“ behindert die auditive Gedächtnisleistung. Diese Konzentrationsschwierigkeiten werden von Grissemann mit einem „impulsiven Kognitionsstil“ in Verbindung gebracht. Wobei der Autor „Impulsivität“ als Merkmal des Kognitionsstils definiert und nicht als „emotionales Persönlichkeitsmerkmal.“ Unter „kognitiv impulsiv“ versteht er ein „überstürztes, unbesonnenes Vorgehen beim Problemlösen“. Kognitiv impulsive Kinder machen bei Problemlösungsaufgaben demnach viele Fehler und nehmen sich wenig Zeit.
0 Einleitung: Darstellung der persönlichen Motivation und der Relevanz von Lernstörungen im Mathematikunterricht.
1 Zum Begriff „Dyskalkulie“: Diskussion verschiedener Definitionen und typischer Merkmale der Rechenschwäche unter Berücksichtigung kognitiver Aspekte.
2 Mögliche Ursachen der Dyskalkulie: Kategorisierung möglicher Ursachen, von neurologischen über soziokulturelle bis hin zu schulischen und psychogenen Bedingungen.
3 Behandlungsmöglichkeiten bei Dyskalkulie: Überblick über Prävention, Diagnostik, therapeutische Interventionen und fördernde Lernhilfen.
4 Rahmen der empirischen Untersuchung: Vorstellung der Forschungsfrage, der beobachteten Arbeitsgruppe und der methodischen Vorgehensweise.
5 Die Gesprächsausschnitte: Detaillierte Transkription und Analyse ausgewählter Szenen aus der Arbeit der Schülerinnen.
6 Konklusion der Szenen und deren Analysen: Zusammenfassende Bewertung des Gruppen- und Arbeitsverhaltens der untersuchten Kinder.
7 Resümee: Reflexion über die Bedeutung individueller Förderung und der Einbindung der Familie bei der Behandlung von Rechenschwäche.
Dyskalkulie, Rechenschwäche, Mathematikdidaktik, Lernstörung, Arbeitsgruppenanalyse, Teilleistungsschwäche, Interaktionsanalyse, Förderunterricht, kognitive Fähigkeiten, Inklusion, pädagogische Intervention, Lernmotivation, Diagnostik, Mengenverständnis, Grundschule.
Die Arbeit befasst sich mit dem Störungsbild der Dyskalkulie (Rechenschwäche), untersucht deren Ursachen sowie Behandlungsmöglichkeiten und analysiert das Verhalten eines rechenschwachen Kindes in einer Grundschul-Arbeitsgruppe.
Die Themen umfassen die theoretische Einordnung der Dyskalkulie, die Analyse von Lernfehlern, die Rolle der Lehrkraft sowie die soziale Integration und das Arbeitsverhalten von Kindern mit mathematischen Lernschwierigkeiten.
Das Ziel ist es, typische Arbeits- und Verhaltensmuster rechenschwacher Kinder zu identifizieren und zu untersuchen, wie diese in heterogenen Arbeitsgruppen integriert werden und wie gezielte Aufgabenstellungen dabei wirken.
Es kommt ein qualitatives Interpretationsverfahren nach Krummheuer und Naujok zum Einsatz, das auf Transkripten von Videoaufzeichnungen basiert, um Interaktionsprozesse zwischen Schülern zu rekonstruieren.
Der Hauptteil erstreckt sich von der theoretischen Fundierung der Dyskalkulie bis hin zur detaillierten interaktionsanalytischen Auswertung von vier spezifischen Szenen aus einer empirischen Gruppenarbeit.
Zentrale Begriffe sind Dyskalkulie, Rechenschwäche, Arbeitsgruppenanalyse, Interaktionsanalyse, mathematische Lernstörungen und pädagogische Förderung.
Ein Schamschock, ausgelöst durch Versagen oder negative Rückmeldungen von Lehrern oder Mitschülern, führt zu einer Furchtblockade, die das Denken des Kindes lähmt und einen Teufelskreis aus Versagensangst und weiterer Leistungsminderung in Gang setzt.
Da rechenschwache Kinder oft Schwierigkeiten mit der Abstraktion haben, dient das handlungsorientierte Lernen („vom Greifen zum Begreifen“) dazu, sich mathematische Strukturen zunächst konkret zu erschließen, bevor diese symbolisch abstrahiert werden können.
Die Familie spielt eine existentielle Rolle für die Lernbereitschaft des Kindes; bei einem zerrütteten Umfeld ist eine stabile psychische Verfassung, die für effektives Lernen notwendig wäre, oft kaum zu entwickeln.
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