Fachbuch, 2010
51 Seiten
Sesostris III. und seine Zeit – Ein historischer Abriss
Die Kunst Sesostris III.
Das porträthafte Antlitz Sesostris III.
Zur Ikonographie
Katalog
Die vorliegende Arbeit untersucht die künstlerische Darstellung des Pharaos Sesostris III. während des ägyptischen Mittleren Reichs. Dabei steht insbesondere die Analyse der königlichen Plastik und die damit verbundene Neuerung im Königsporträt, das sich durch eine bisher nicht dagewesene Individualität und realistische Ausdruckskraft auszeichnet, im Zentrum der Betrachtung.
Das porträthafte Antlitz Sesostris III.
Kein anderer Herrscher des Mittleren Reichs hat so viele Bildnisse hinterlassen wie Sesostris III. und stets treten dem Betrachter die unverwechselbaren Gesichtszüge des Pharaos entgegen: das niedere kraftvolle Kinn, ein breiter Mund mit schmalen eng zusammengepressten Lippen und deutlich herabgezogenen Mundwinkeln, deutlichen Falten zwischen Nase und Mund, markanten Wangenknochen, tiefliegenden Augen, die von schweren Lidern überwölbt werden, wuchtigen Brauenwülsten und großen hoch ansetzenden Ohren. Eben diese Merkmale bilden eine Art „Grundmuster“ für alle Bildnisse des Herrschers, das in einigen Fällen jedoch noch verstärkt wird, da sich die Mundwinkel weiter herabziehen, die Schatten unter den Augen zu Tränensäcken werden, die Wangen sind nicht mehr straff gespannt sondern eingefallen und die Knochenstruktur des Schädels deutlich hervortritt, die Lider schwerer werden und das gesamte Gesichtsfeld von tiefen Falten gezeichnet wird (sog. „Altersporträt“).
Die extrem individuelle und personenhafte Wirkung der Gesichtszüge Sesostris III. hat dazu geführt, dass seine Kunst immer wieder als eine Art „Stilbruch“ betrachtet wurde. Dabei argumentierte man aus der zeitgeschichtlichen Situation in der zweiten Hälfte 12. Dynastie heraus mit der „erdrückenden Verantwortung des Königtums“, den „von Sogen gezeichneten Zügen“, oder gar dem Eindruck von „Niedergeschlagenheit als Vorahnung des zukünftigen Verfalls des Reiches“. Das Antlitz Sesostris III. hat also zu den unterschiedlichsten Interpretationen angeregt. Klar ist, dass die Züge sich von denen früherer Herrscher deutlich unterscheiden, da sie nicht mehr völlig idealisiert sind. Ein solcher Bruch mit allen Traditionen muss mit einer Wandlung in der Betrachtung des Königtums selbst einhergegangen sein. Dabei kommt die stilistische Sonderstellung nicht plötzlich und unerwartet, sondern lässt sich als Endpunkt einer Entwicklung, die mit der Plastik der 11. Dynastie beginnt festmachen. Die Porträtähnlichkeit war zwar angestrebt, dennoch flossen auch machtpolitische, ideologische und philosophisch-geistige Gegebenheiten mit ein. Solche radikalen Veränderungen in der Darstellung, wie man sie bei Sesostris III. oder später im Neuen Reich bei Amenophis IV./Echnaton erlebt, hatten zudem immer direkte Vorstufen in ihrer Entwicklung, so unter Sesostris II. oder im Neuen Reich unter Amenophis III.
Sesostris III. und seine Zeit – Ein historischer Abriss: Dieser Abschnitt beleuchtet die historische Einordnung des Pharaos, seine Außenpolitik und die innenpolitischen Entwicklungen sowie seine Bautätigkeit.
Die Kunst Sesostris III.: Hier wird der künstlerische Stellenwert der Bildnisse von Sesostris III. und deren Funktion als Propagandamittel im Mittleren Reich erörtert.
Das porträthafte Antlitz Sesostris III.: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen individuellen Züge und die Entwicklung des sogenannten „Altersporträts“ des Herrschers.
Zur Ikonographie: Der Text beschreibt detailliert ikonographische Details wie Kronen, Amulette und die Gebetshaltung, die für die Plastiken des Königs charakteristisch sind.
Katalog: Dieser umfangreiche Teil dokumentiert und beschreibt die einzelnen erhaltenen Skulpturen, Fragmente und Köpfe von Sesostris III. anhand konkreter Fundstücke.
Sesostris III., Mittleres Reich, Königsporträt, Pharao, Ägyptische Kunst, Skulptur, Altersporträt, Ikonographie, 12. Dynastie, Statuen, Steinbearbeitung, Machtpolitik, Medamud, Karnak, Herrscherbildnis
Die Arbeit beschäftigt sich mit der königlichen Kunst des ägyptischen Mittleren Reichs, wobei der Fokus exklusiv auf der Plastik des Pharaos Sesostris III. liegt.
Die Themenfelder umfassen die historische Biografie des Königs, die Stilanalyse seiner Porträts, die ikonographischen Symbole seiner Herrschaft und eine detaillierte Katalogisierung der erhaltenen Fundstücke.
Ziel ist es, den radikalen Wandel in der bildnerischen Darstellung des Pharaos zu dokumentieren und die Bedeutung hinter dem ungewöhnlich realistischen und individualisierten Stil zu entschlüsseln.
Es handelt sich um eine kunsthistorische und archäologische Bestandsaufnahme, die auf einer detaillierten Analyse erhaltener Skulpturen und deren Vergleichen mit zeitgenössischen literarischen und historischen Quellen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einleitung, eine ästhetische und ikonographische Analyse der Bildnisse sowie einen umfangreichen Katalog, der eine Vielzahl von Statuen und Köpfen in ihren musealen Kontexten beschreibt.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Königsporträt, 12. Dynastie, Altersporträt, Ikonographie und die spezifische materielle Beschaffenheit der Objekte charakterisiert.
Während frühere Herrscher auf idealisierte, jugendliche und zeitlose Darstellungen setzten, zeigt Sesostris III. ein individuelles Antlitz, das Alter, Sorge und Entschlossenheit in einer für die Zeit revolutionären, realistischen Weise betont.
Das Altersporträt wird nicht als bloße Darstellung von Verfall oder Resignation gesehen, sondern als programmatische Herausstellung der irdischen Verantwortung und persönlichen Entschlossenheit eines machtvollen Herrschers.
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