Examensarbeit, 2022
82 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitungsgeschichte
2 Soziologische Implikationen des bildungsbürgerlich geprägten Musikunterrichts
2.1 Schule als bildungsbürgerliche Institution mit benachteiligenden Strukturen
2.1.1 Strukturelle Benachteiligung bestimmter Milieus im Bildungssystem
2.1.2 Zielsetzung der Förderschule für Schüler:innen mit Lernbeeinträchtigungen
2.1.3 Habitus nach Pierre Bourdieu als Betrachtungsfokus von Benachteiligung
2.2 Resonanztheorie und Musik(-unterricht)
2.2.1 Resonanztheorie: Resonanzfähigkeit und Schule
2.2.2 Benachteiligtes Resonanzerleben in der Schule
2.2.3 Potenzial von Musik für Resonanzerfahrung
2.2.4 Resonanzerfahrungen im Musikunterricht – kritische Gedanken
3 Vorschlag zur konzeptionellen Weiterentwicklung des „Theaters der Unterdrückten“ von Augusto Boal für den Musikunterricht
3.1 Theater der Unterdrückten – Einführung
3.2 Der Zusammenhang von Augusto Boal und Hartmut Rosa
3.2.1 Strukturelle Benachteiligung als Unterdrückung und Entfremdung
3.2.2 Resonanzfähigkeit durch eigenmächtige innere Beteiligung
3.3 Grundlegende Prinzipien und ihre Weiterentwicklung für einen resonanzfähigeren Unterricht
3.3.1 Reflexion der Übertragbarkeit des Ansatzes in Musikunterricht
3.3.2 Einbringen eigener Themen
3.3.3 Emanzipation aus der Rolle der Zuschauenden
3.3.4 Prinzip des Mythostheaters
3.3.5 Prinzip des Statuentheaters
3.3.6 Prinzip des Forumtheaters
3.4 Reflexion der politischen Dimension
3.5 Voraussetzungen für eine Umsetzung dieses konzeptionellen Entwurfs
3.5.1 Voraussetzungen auf Seiten der Lehrperson
3.5.2 Voraussetzungen auf Seiten der Schüler:innen
4 Skizzierter Vorschlag einer möglichen Unterrichtssequenz
4.1.1 Lehrplanbezüge
4.1.2 Einzelne Unterrichtseinheiten
4.1.3 Leistungsüberprüfung
4.1.4 Unterrichtsskizze: „Rhythmus erfahren mit unserer Lieblingsmusik“
4.2 Einordnung der Sequenz und Skizze in die Übertragungen aus dem Theater der Unterdrückten
5 Anschlussforschungsfragen und Rückbezug zur einleitenden Geschichte
Die Arbeit verfolgt das Hauptziel, das Potenzial für Resonanzerfahrungen (im Sinne von Hartmut Rosa) im Musikunterricht für sozial benachteiligte Schüler:innen zu erschließen, indem theoretische und konzeptionelle Ansätze des „Theaters der Unterdrückten“ nach Augusto Boal für den Musikunterricht adaptiert werden. Dabei wird untersucht, wie eine emanzipatorische Pädagogik dazu beitragen kann, Entfremdungstendenzen im schulischen Alltag entgegenzuwirken.
2.2.4 Resonanzerfahrungen im Musikunterricht – kritische Gedanken
„Der Musikunterricht stellte dabei den subtilsten, aber auch brutalsten Test darauf dar, ob man das beherrschte, was als "die Kultur" bezeichnet wird, ob sie einem vertraut und verständlich oder fremd und unzugänglich war. Der Lehrer brachte Schallplatten mit und spielte uns irgendwelche Ausschnitte vor. Während die Bürgerkinder schwärmerische Mienen aufsetzten, machten wir Arbeiterkinder hinter vorgehaltener Hand alberne Witze; […] All das trägt insgeheim dazu bei, dass jenen, denen es ohnehin schon schwerfällt, den sozialen Anforderungen des Schulbetriebs in allen seinen Aspekten zu genügen, das Gefühl gegeben wird, sie gehörten nicht dazu und seien dort irgendwie fehl am Platz.“ (Haberkorn & Eribon 2020, 160)
Das Zitat von Eribon ist als Episode schulischen Alltags vorstellbar, gerade für Musikunterricht der höheren Schulformen. Im Gegenzug könnte es weniger wahrscheinlich sein, dass Lehrer:innen der Förderschule „die Kultur“ (ebd.) im Unterricht thematisieren, weil sie vielleicht davon ausgehen, dass ihre Schüler:innen dazu keinen Bezug haben und auch nicht aufbauen können – was wiederum Teil der strukturellen Problematiken ist. Deswegen soll der Musikunterricht nun im Hinblick auf die vorangegangenen Analysen betrachtet werden, vor allem hinsichtlich bildungsbürgerlicher Wertsysteme, die die Schulgestaltung prägen. ROSA selbst formuliert in diesem Kontext:
„Ob uns Musik etwas "zu sagen" hat und welche Musik uns anspricht und welchen Raum wir dieser Resonanzachse geben, entscheidet sich an den Erfahrungen, die wir im Musikunterricht, vielleicht im Chor oder in der Geigenstunde, und ganz gewiss mit den Gleichaltrigen machen. Haben wir einen uninspirierten Musiklehrer und vielleicht verhassten elterlichen Druck, der uns an die Geige zwingen will, während wir für unsere Lieblingslieder von den Klassenkameraden ausgelacht werden, kommen wir vermutlich rasch zu dem Ergebnis, dass wir nicht so der musikalische Typ sind.“ (Rosa 2016, 404)
1 Einleitungsgeschichte: Eine einleitende Erzählung illustriert die Diskrepanz zwischen der persönlichen Bedeutung von Musik außerhalb der Schule und dem als fremd empfundenen Musikunterricht bei einem betroffenen Schüler.
2 Soziologische Implikationen des bildungsbürgerlich geprägten Musikunterrichts: Dieses Kapitel analysiert die strukturellen Benachteiligungen im deutschen Bildungssystem sowie die Relevanz des Habitus nach Bourdieu und der Resonanztheorie nach Rosa für den schulischen Kontext.
3 Vorschlag zur konzeptionellen Weiterentwicklung des „Theaters der Unterdrückten“ von Augusto Boal für den Musikunterricht: Hier wird der theaterpädagogische Ansatz von Boal in den Musikunterricht übertragen, wobei Konzepte wie das Forumtheater genutzt werden, um Schüler:innen aktiv in den Gestaltungsprozess einzubeziehen.
4 Skizzierter Vorschlag einer möglichen Unterrichtssequenz: Es wird eine praktische Unterrichtseinheit entworfen, welche die theoretischen Prinzipien von Resonanz und Theatertechniken in einer 4. Klasse einer Förderschule implementiert.
5 Anschlussforschungsfragen und Rückbezug zur einleitenden Geschichte: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Utopie eines resonanzorientierten Unterrichts und einem Rückblick auf die eingangs geschilderte fiktive Geschichte des Schülers Ben.
Resonanz, Soziale Benachteiligung, Theater der Unterdrückten, Musikunterricht, Habitus, Schulentwicklung, Weltbeziehung, Teilhabe, Förderschule, Entfremdung, Musikpädagogik, Chancengerechtigkeit, Augusto Boal, Hartmut Rosa, Rhythmus.
Die Arbeit untersucht, wie Musikunterricht an Förderschulen für sozial benachteiligte Schüler:innen gestaltet werden kann, damit er zu mehr Resonanzerfahrung und gelingender Weltbeziehungsbildung führt.
Zentrale Themen sind soziologische Benachteiligung im Bildungssystem, die Resonanztheorie von Hartmut Rosa sowie die theaterpädagogischen Ansätze von Augusto Boal zur Emanzipation.
Das Ziel ist die Erarbeitung von Strategien, um Musikunterricht von einer distanzierenden, bildungsbürgerlich geprägten Institution zu einem Raum echter Resonanz und Eigenbeteiligung zu machen.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer und pädagogischer Literatur sowie auf die Konzepte der kritischen Theorie und der theaterpädagogischen Praxis.
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der strukturellen Ungleichheit, den Prinzipien der Resonanztheorie und der konzeptionellen Übertragung von Methoden des "Theaters der Unterdrückten" auf das Fach Musik.
Die zentralen Schlagworte umfassen Resonanz, soziale Benachteiligung, Musikpädagogik, Habitus sowie die Etablierung aktiver Teilhabe durch künstlerische Methoden.
Durch die Einbeziehung der Lebenswelten der Schüler:innen, das Zulassen ihrer eigenen Musik und die Anwendung von partizipativen Methoden, bei denen die Schüler:innen selbst als aktive Gestaltende auftreten.
Lehrkräfte müssen ihre Rolle hinterfragen, die Lehrmeistermentalität ablegen und sich als lernende Begleiter verstehen, die Impulse der Schüler:innen wertschätzen und Raum für deren eigene musikalische Stimme schaffen.
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