Examensarbeit, 2009
95 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Autobiographie
2.1 Geschichtlicher Überblick
3. Autobiographie als literarische Gattung
3.1 Autobiographie vom 20. Jahrhundert bis heute
3.2 Literarisches Erzählen
3.2.1 Die Problematik von Faktizität und Fiktion
3.2.2 Vielfalt der literarischen Formen der Autobiographie
3.2.3 Struktur und Aufbau von Autobiographien
3.2.4 Erinnerung, Vergessen und Gedächtnis
4. Literarisches Erzählen in Vivir para contarla
4.1 Erzählstruktur in Vivir para contarla
4.2 Rhetorische Figuren
4.3 Fiktionalität durch Narrativität
4.4 Intertextualität
4.5 Historiographische Elemente
4.6 Erinnern
4.7 Kollektives Gedächtnis
4.8 Mikro- Makrokosmos
5. Fazit
6. Bibliographie
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
6.2.1 Zitierte Literatur
6.2.2 Konsultierte Literatur
Die vorliegende Arbeit untersucht die autobiographische Erzählweise in Gabriel García Márquez’ Werk Vivir para contarla. Das primäre Ziel ist es, die spezifischen narrativen Strategien und die Rolle des literarischen Erzählens innerhalb der Gattung Autobiographie zu analysieren, um zu klären, wie der Autor Faktizität und Fiktionalität im Kontext seiner Lebensgeschichte verbindet.
3.2.1 Die Problematik von Faktizität und Fiktion
Da die oben erwähnte aristotelische Mitte nun also mit einzig vom Autoren ausgewählten Geschehnissen ausgefüllt wird, haben alleine diese Geschehnisse schon eine fiktionalisierende Funktion, da der Autor die Handlungen der Vergangenheit nach Belieben eliminieren oder einbringen und betonen kann. Martin Löschnigg konstatiert hierzu:
Obviously, such a conception of the autobiographical act as a creative rather than a mimetic process raises profound questions about the generic status of autobiography, since autobiography then oscillates between the factual and the fictional: although it is basically a nonfictional genre, the dynamics of memory as well as those of selection and of narrative structuring provide it with a strong element of fictionality.
Als Folge der Vermischung von Fiktion und Faktischem ist die Abgrenzung der drei sich äußerst nahe stehenden Gattungen Geschichtsschreibung, Autobiographie und Roman nicht leicht und die Grenzen verschwimmen immer mehr. Insbesondere der Roman und die Autobiographie scheinen sich anzunähern, da die Autobiographie, wie Goethe es seinerzeit schon vormachte, immer mehr fiktionale Elemente beinhaltet und der Roman im Gegenzug immer persönlicher wird. Shumaker untermauert diese These, indem er die Behauptung anstellt
Niemand, der sich in der Autobiographie des 19. und 20. Jahrhunderts auskennt, wird die Behauptung anzweifeln, daß persönliche Lebensbeschreibungen häufig, wenn nicht allgemein, immer mehr die Techniken des Romans annehmen. Umgekehrt kann niemand, der auch nur ein wenig in der zeitgenössischen fiktionalen Literatur belesen ist, bezweifeln, daß der Roman in den letzten Jahren häufig vorgab, autobiographisch zu sein.
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die theoretische Problematik der Autobiographie als literarische Gattung und stellt das Forschungsvorhaben vor, Gabriel García Márquez’ Vivir para contarla textanalytisch zu untersuchen.
2. Autobiographie: Dieses Kapitel liefert eine Begriffsbestimmung der Autobiographie und einen historischen Abriss, von der Antike bis zum 19. Jahrhundert, um die Entwicklung der Gattung aufzuzeigen.
3. Autobiographie als literarische Gattung: Hier werden theoretische Ansätze, insbesondere Philippe Lejeunes „Autobiographischer Pakt“, diskutiert und die Vielschichtigkeit sowie die ästhetischen Anforderungen autobiographischen Schreibens erörtert.
4. Literarisches Erzählen in Vivir para contarla: Der Hauptteil widmet sich der konkreten Analyse des Werkes von García Márquez, wobei Struktur, rhetorische Mittel, historische Elemente und intertextuelle Bezüge zentral behandelt werden.
5. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Vivir para contarla durch seine narrative Gestaltung eine neue, einzigartige Form der Autobiographie darstellt, die persönliche Identität mit kollektiver Geschichte verknüpft.
6. Bibliographie: Das Verzeichnis listet sämtliche primäre und sekundäre Quellen auf, die für die theoretische und analytische Fundierung der Arbeit herangezogen wurden.
Autobiographie, Literaturwissenschaft, Fiktion, Faktizität, Erinnerung, Erzählstruktur, Kollektives Gedächtnis, Gabriel García Márquez, Vivir para contarla, Intertextualität, Narrativität, Historiographie, Identitätsfindung, Kolumbien, Literarisches Erzählen.
Die Arbeit analysiert die literarischen Aspekte von Gabriel García Márquez’ Autobiographie Vivir para contarla und setzt diese in den Kontext der Gattungsgeschichte und Theorie der Autobiographie.
Die zentralen Felder umfassen die Abgrenzung von Autobiographie zu verwandten Gattungen, das Spannungsfeld zwischen Faktizität und Fiktion sowie die Rolle von Erinnerung und kollektivem Gedächtnis.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie García Márquez durch eine bewusste literarische Gestaltung seiner Erinnerungen ein Werk erschafft, das weit über eine rein faktische Lebensbeschreibung hinausgeht.
Es handelt sich um eine textanalytische Arbeit, die auf Basis einer Literaturrecherche und der Anwendung narratologischer sowie autobiographietheoretischer Konzepte erfolgt.
Der Hauptteil untersucht die Erzählstruktur, den Einsatz rhetorischer Figuren, die Einbettung historischer Ereignisse (Historiographie) und die intertextuellen Bezüge zu den Romanen des Autors.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Autobiographische Fiktionalität, Intertextualität, Kollektives Gedächtnis und narratologische Erzählanalyse.
García Márquez durchbricht den chronologisch-linearen Aufbau und stellt die Suche nach kollektiver Identität über die rein individuelle Identitätssuche, wodurch das Werk eine narrative, teils romanhafte Qualität erhält.
Der Autor nutzt sein Leben als Mikrokosmos, um komplexe gesellschaftliche und politische Prozesse Lateinamerikas (Makrokosmos) zu spiegeln, womit er sich von einer rein persönlichen Ebene distanziert.
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