Examensarbeit, 2009
70 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Virginia Woolfs Kriegssensibilität
3. Virginia Woolfs Jacob’s Room
3.1 Jacob Flanders als Repräsentant und Opfer der britischen Kriegspropaganda
3.2 Kriegsbilder in Jacob’s Room
3.3 Kriegstrauer
3.3.1 “The Politics and Ethics of Mourning Wartime Loss”
3.3.2 Der Erzähler als distanzierter Kriegsbeobachter
4. Virginia Woolfs Mrs Dalloway
4.1 Das soziale System in Mrs Dalloway
4.2 Satire in Mrs Dalloway: Clarissa Dalloway und die Armenien-Frage
4.3 Posttraumatische Kriegsstörungen
4.3.1 Septimus Warren Smith und das Phänomen des Shell Shock
4.3.2 Lucrezia Smith als Opfer des Great War
5. Virginia Woolfs To The Lighthouse
5.1 Virginia Woolfs politische Philosophie in To The Lighthouse
5.2 Vorkriegsleben in “The Window”
5.3 Der Erste Weltkrieg in “Time Passes”
5.4 Nachkriegsleben in “The Lighthouse”
5.4.1 Nachkriegsvisionen in “The Lighthouse”
5.4.2 Kunst als Hoffnungsträger nach dem Great War
6. Fazit
Die vorliegende Examensarbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung von Virginia Woolf mit dem Ersten Weltkrieg in ihren Romanen Jacob’s Room, Mrs Dalloway und To The Lighthouse. Dabei wird analysiert, wie Woolf als Zivilistin den Mythos des Kriegsidealismus und die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft dekonstruiert und den Einfluss des Krieges auf das individuelle sowie kollektive Bewusstsein darstellt.
3.1 Jacob Flanders als Repräsentant und Opfer der britischen Kriegspropaganda
Ein Drittel der fast drei Millionen britischen Soldaten, die im Great War starben, ließen ihr Leben in Flandern (vgl. Peach 67). Virginia Woolf wirft in Jacob’s Room einen kritischen Blick zurück auf die Kultur und Gesellschaft im Vorkriegsengland, wo die jungen Soldaten des Great War in privilegierten Verhältnissen aufwuchsen und gelehrt wurden, mit Ehre und Ruhm im Krieg ihr Vaterland zu verteidigen. Jacob Flanders ist einer der britischen Soldaten, die mit diesen Werten in den Great War ziehen und auf Flanderns Feldern sterben.
Virginia Woolf beabsichtigte mit ihrem Roman Jacob’s Room nicht, einen heroischen Bericht über Jacob Flanders’ Leben und seinen abrupten Tod zu verfassen. Vielmehr bestand ihre Intention darin, sein kurzes Leben anhand eines ehrlichen Tatsachenberichtes zu schildern (ibid. 66). In diesem Zusammenhang stellte sich Woolf die Frage, was aus diesem jungen Mann geworden wäre, wenn er nicht im Great War hätte sterben müssen (ibid. 65). In Jacob’s Room muss Jacob Flanders jedoch sterben, damit dem Leser die Folgen des Great War und der ihm vorausgegangenen Propaganda- und Wertevermittlung vor Augen geführt werden.
Jacob Flanders wird 1888 in Scarborough geboren, wo er aufwächst. Dank der guten Kontakte seiner Mutter Betty Flanders, die selber nicht zur Oberschicht gehört, zieht Jacob 1906 nach Cambridge, um an der angesehenen Cambridge Universität zu studieren. Während seines Studiums unternimmt er Reisen nach Paris und Griechenland und erwähnt gegenüber seinem Freund Timmy Durrant, dass er gerne jedes Jahr nach Griechenland reisen möchte (vgl. Woolf, JR 202).
Minow-Pinkney erklärt, die griechische Zivilisation “[…] was the cradle of logentric philosophy: it is perhaps appropriate then that Greek civilisation should represent an ideal for Jacob and his friends, an ideal reserved for male appreciation” (Minow-Pinkney zitiert in Hanson 44).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Kriegssensibilität von Virginia Woolf ein und skizziert die methodische Untersuchung ihrer Nachkriegsromane als kritische Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg.
2. Virginia Woolfs Kriegssensibilität: Das Kapitel beleuchtet den biografischen Hintergrund von Woolfs Auseinandersetzung mit dem Krieg, insbesondere ihre persönlichen Verluste und den Einfluss des Krieges auf ihre schriftstellerische Kreativität.
3. Virginia Woolfs Jacob’s Room: Die Untersuchung zeigt, wie Woolf den Roman nutzt, um den Mythos des Kriegsidealismus anhand des exemplarischen Lebens und Todes von Jacob Flanders zu dekonstruieren.
4. Virginia Woolfs Mrs Dalloway: Der Fokus liegt hier auf dem Nachkriegsleben in London, der Ignoranz der herrschenden Schicht und den traumatischen Erfahrungen eines ehemaligen Soldaten mit Posttraumatischen Kriegsstörungen.
5. Virginia Woolfs To The Lighthouse: Das Kapitel analysiert die politische Philosophie des Romans und zeigt, wie die Künstlerin Lily Briscoe durch ihre Kunst einen Weg findet, Ordnung nach der Zerstörung durch den Krieg zu finden.
6. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung resümiert die Analyseergebnisse und unterstreicht die Rolle Woolfs als kritische Zeitzeugin, die mit ihren Werken das Vergessen des Krieges verhindert.
Virginia Woolf, Great War, Erster Weltkrieg, Kriegsidealismus, Jacob’s Room, Mrs Dalloway, To The Lighthouse, Shell Shock, Zivilbevölkerung, Modernismus, Kriegstrauma, Männlichkeitskonstruktionen, Patriarchat, Erinnerungskultur, Nachkriegszeit
Die Arbeit analysiert die literarische Auseinandersetzung Virginia Woolfs mit dem Ersten Weltkrieg, wobei der Fokus auf ihrer Kritik am Mythos des Kriegsidealismus und ihrer Darstellung der Zivilgesellschaft liegt.
Zentrale Themen sind die Kriegspropaganda, das Leben von Zivilisten, die Traumatisierung durch den Krieg (Shell Shock) und die Rolle der Kunst als Mittel zur Bewältigung und Reflexion der Zerstörung.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Woolf durch ihre Romane ein Bewusstsein für die verheerenden Folgen des Ersten Weltkriegs schafft und dabei traditionelle patriarchale Werte kritisch hinterfragt.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung biographischer Kontexte, zeitgeschichtlicher Dokumente und theoretischer Ansätze zur Kriegstraumatik.
Der Hauptteil analysiert detailliert die drei Romane Jacob’s Room, Mrs Dalloway und To The Lighthouse und untersucht, wie diese als Antwort auf den Krieg fungieren.
Wichtige Begriffe sind Virginia Woolf, Great War, Kriegsidealismus, Shell Shock, Modernismus und Erinnerungskultur.
Zivilisten werden als vom Kriegsgeschehen Distanzierte dargestellt, deren Wahrnehmung durch Propaganda geprägt ist, wobei Woolf besonders deren Uninformiertheit und die Kluft zur Front kritisiert.
Sie gilt als Hoffnungsträgerin, da sie als einzige Charakterin die Stabilität nach dem Krieg durch ihre Kunst wiederherstellen kann und sich aktiv von patriarchalen Zwängen befreit.
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