Masterarbeit, 2006
26 Seiten, Note: 8,0
Einleitung
Hoffmanns Blick auf die Welt
Die Serapionsbrüder
Die Erzählung
Krespel und der Ich-Erzähler
Antonie und ihre Geige
Die Musik in der Romantik
Klassik versus Romantik in der Musik in Stichwörtern
Die Frau in der Musik des 19. Jahrhunderts
Schlussfolgerung
Diese Arbeit untersucht die zentrale Rolle der Musik im Werk von E.T.A. Hoffmann, insbesondere in der Erzählung "Rat Krespel". Ziel ist es, die Verbindung zwischen künstlerischem Schaffen, Wahnsinn und der romantischen Kunstauffassung sowie die spezifische gesellschaftliche Stellung der Frau im 19. Jahrhundert in diesem Kontext zu beleuchten.
Die Erzählung
September 1816 wurde die Erzählung Rat Krespel fertig. Der Name der Hauptfigur und die seltsame Art, in der Krespel sein Haus baut, gehen auf ein historisches Vorbild zurück. Es ist der Fürstlich Thurn und Taxissche Rat und Archivar Johann Bernhard Crespel (1747-1813), den Goethe im 6. Buch des zweiten Teiles von Dichtung und Wahrheit porträtiert, ohne ihn namentlich zu nennen. Goethes Mutter schreibt 1796 in einem Brief:
Crespel ist ein Bauer geworden, hat in Laubach Güter gekauft, das heißt etliche Baumstücke – baut auf dieselbe ein Haus nach eigner Investion hat aber in dem kickelsort weder Maurer noch Zimmerleute, weder Schreiner – noch Glaser – das ist er nun alles selbst – es wird ein Haus werden – wie seine Hosen, die er auch selbst fabriziert.
Wie Serapion ist Krespel ein Einzelgänger. Er entspricht wahrscheinlich Hoffmanns Bild vom romantischen Künstler und vermutlich spiegelt Hoffmann in einigen Eigenschaften des Rates, wie die bittere Ironie und den scharfen Blick, einen Teil seiner selbst. Krespel ist der Inbegriff des Zwiespalts: Alles an ihm ist Kontrast. Eine raue Außenseite zu einem weichen Gemüt, seine ungelenkte und steife Bewegungen, was er sagt und der Art, wie er es sagt, Liebenswürdigkeit und Grobheit, von tiefer Traurigkeit zu toller Lustigkeit. Wie Hoffmann ist Krespel Jurist und Musiker. Sein Umgang mit den Geigen zeigt aber noch eine ander Seite: Er ist auch ein Forscher. Er zerlegt die Geigen um ihre innere Struktur zu untersuchen und ein Geheimnis, das er seit Langem nachspürt, zu entdecken.
Einleitung: Einführung in das Leben von E.T.A. Hoffmann und die Entstehung seiner literarischen und musikalischen Werke in Bamberg.
Hoffmanns Blick auf die Welt: Analyse von Hoffmanns Wahrnehmungsweise und seinem künstlerischen Einfluss durch den Radierer Jacques Callot.
Die Serapionsbrüder: Erläuterung des serapiontischen Prinzips als Mittler zwischen Wahn und Wirklichkeit innerhalb Hoffmanns Erzählungen.
Die Erzählung: Untersuchung der historischen Vorbilder und der Charakterzüge von Rat Krespel als komplexer Einzelgänger.
Krespel und der Ich-Erzähler: Analyse der konfliktreichen Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler und Krespel sowie dessen Schutzmechanismen gegenüber Antonie.
Antonie und ihre Geige: Erörterung der Seelentransformation zwischen Antonie und ihrem Instrument als Symbol romantischer Kunstauffassung.
Die Musik in der Romantik: Theoretische Abgrenzung der romantischen Musik von der Wiener Klassik unter Bezugnahme auf Hoffmanns Schriften.
Klassik versus Romantik in der Musik in Stichwörtern: Eine übersichtliche Gegenüberstellung der stilistischen und inhaltlichen Unterschiede beider Epochen.
Die Frau in der Musik des 19. Jahrhunderts: Darstellung der soziokulturellen Hindernisse und des begrenzten Wirkungsfeldes für musizierende Frauen.
Schlussfolgerung: Synthese der Analyseergebnisse bezüglich Krespels Kunstauffassung und der Zerstörung seines inneren Raums.
E.T.A. Hoffmann, Rat Krespel, Romantik, Musik, Geigenbau, Serapiontisches Prinzip, Antonie, Gesamtkunstwerk, Wiener Klassik, Künstlerpsychologie, Geschlechterrollen, 19. Jahrhundert, Instrumentenbau, Literaturwissenschaft, Kunstauffassung
Die Arbeit analysiert E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Rat Krespel" und setzt sie in den Kontext der romantischen Musikästhetik sowie der gesellschaftlichen Bedingungen für Künstler im 19. Jahrhundert.
Zentrale Themen sind die Verschmelzung von Traum und Wirklichkeit, die psychologische Tiefe von Hoffmanns Charakteren, die Bedeutung der Musik als höchste Kunstform und die Rolle der Frau im Musikbetrieb des 19. Jahrhunderts.
Ziel ist es, die tragische Figur des Rat Krespel und seine zwiespältige Beziehung zur Kunst und zu seiner Tochter Antonie unter Berücksichtigung biografischer und ästhetischer Aspekte zu verstehen.
Es handelt sich um eine literatur- und musikwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischen Theorien, historischen Kontexten und weiterführender Forschungsliteratur verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählung "Rat Krespel", eine musikgeschichtliche Einordnung der Romantik und eine soziologische Untersuchung der Situation musizierender Frauen.
Die zentralen Begriffe sind romantische Kunstauffassung, Krespel-Tragik, serapiontisches Prinzip, Seelentransformation und der Gegensatz von Klassik und Romantik.
Es dient als Rahmenkonzept, das den Erzähler befähigt, die Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit fließend zu gestalten, was Krespels exzentrisches Verhalten erklärbar macht.
Die Geige symbolisiert Antoniens Leben und Krespels fehlgeleitete Kunstauffassung; sie ist sowohl Medium der musikalischen Erfüllung als auch Instrument des Untergangs.
Um die Geheimhaltung der Heirat von Krespel und Angela sowie Antonies tragisches Schicksal historisch korrekt einzuordnen, da Frauen damals starke gesellschaftliche Beschränkungen beim öffentlichen Musizieren erfuhren.
Während Hoffmann die Musik als "romantischste aller Künste" überhöht, entwickelt Wagner das Konzept des "Gesamtkunstwerks", um alle Gattungen unter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen.
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