Magisterarbeit, 2001
83 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
Gegenstand und Zielstellung der Arbeit
Forschungsstand
Der Wiederbeginn an der Technischen Hochschule Dresden 1945
Ausgangspunkt: Die TH am Ende des Zweiten Weltkrieges
Die TH Dresden nach dem 8. Mai 1945
Zusammenfassung
Kurt Beyer
Curriculum vitae Friedrich August Kurt Beyer
Kindheit, Studium, Assistenz und Arbeit im Ausland (1881-1919)
Kurt Beyer als Dresdner Hochschullehrer und Ingenieur (1919-1945)
Kontinuität im neuen System – Kurt Beyer im „Dritten Reich“
Kurt Beyer und der Neubeginn an der TH Dresden nach 1945
Resümee
Willy Gehler
Das Wirken Gehlers bis zu seiner Berufung an die TH Dresden
Willy Gehler in der Zeit des Nationalsozialismus
Gehler nach 1945: Entlassung und Bemühen um Rehabilitation
Der „Persil-Schein“ vom 9. Mai 1946: Gehler ein Antifaschist?
Zwei Facetten des unpolitischen Wissenschaftlers? – Der Versuch eines Vergleiches
Exkurs: Entnazifizierung von Hochschullehrern in Ost und West
Hochschulentnazifizierung in der SBZ
Der Umgang mit NSDAP-Mitgliedern in den westlichen Besatzungszonen
Schlussbetrachtung
Bibliographie
I. Quellen
Nicht veröffentlichte Quellen
Veröffentlichte Quellen
II. Literatur
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen radikaler Erneuerung und dem Überleben alter Strukturen an der Technischen Hochschule Dresden nach 1945. Anhand der Biographien der beiden Professoren Kurt Beyer und Willy Gehler wird analysiert, wie sich Kontinuität und Umbruch in der deutschen Wissenschaft in der unmittelbaren Nachkriegszeit manifestierten und wie deutsche Wissenschaftler auf das Ende des Nationalsozialismus und den Beginn der sowjetischen Besatzung reagierten.
Kontinuität im neuen System – Kurt Beyer im „Dritten Reich“
Über Kurt Beyer und seine Tätigkeit im "Dritten Reich" ist relativ wenig überliefert. Seine Personalakten aus der Zeit vor 1945 wurden beim Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 vernichtet. Aus dem Fragebogen zur NS-Zeit, den alle Hochschulangehörigen im Sommer 1945 auszufüllen hatten, geht relativ wenig hervor. Beyer ist nie Mitglied der NSDAP oder eines "angeschlossenen Verbandes" gewesen. Er war automatisch im Nationalsozialistischen Bund deutscher Techniker. Ebenso wie vor 1933 hatte er kein öffentliches Amt inne. (Beyer hatte auch in der Weimarer Republik nie einer Partei oder Gewerkschaft angehört.)
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges hat der Dresdner Professor für wenige Wochen am Polenfeldzug teilgenommen. Auf Grund seines Alters, er war damals fast 58 Jahre alt und die Zeiten des Volkssturms waren noch weit, und aufgrund seiner Tätigkeit als Ingenieur für die deutsche Industrie wurde er aus dem aktiven Wehrdienst entlassen. Beyer selbst schreibt darüber: "Daher habe ich mich auch bereits im Jahre 1938 nicht der Aufforderung entziehen können, mich für den Fall eines Krieges zur Verfügung zu stellen. Ich habe nochmals bei den Pirnaer Pionieren geübt und später als Soldat am Polenfeldzug teilgenommen, mich aber später bis Kriegsende meinen Pflichten an der TH Dresden und zahlreichen technischen Aufgaben gewidmet, die an mich herangetragen worden sind."
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zäsur des Jahres 1945 an der Technischen Hochschule Dresden ein und definiert die Zielsetzung, den Kontrast zwischen Erneuerung und Kontinuität anhand der Biographien von Kurt Beyer und Willy Gehler zu beleuchten.
Der Wiederbeginn an der Technischen Hochschule Dresden 1945: Dieser Abschnitt beschreibt die zerstörte Ausgangslage der Hochschule bei Kriegsende und analysiert die Auswirkungen der Demontagen sowie den mühsamen Prozess des Wiederaufbaus unter sowjetischer Besatzung.
Kurt Beyer: Das Kapitel widmet sich der Biografie von Kurt Beyer, der als international anerkannter Statiker gilt, und untersucht seine unpolitische, aber fachlich hochgradig angepasste Rolle durch verschiedene politische Systeme hinweg.
Willy Gehler: Dieser Abschnitt porträtiert Willy Gehler, dessen Karriere eng mit dem Materialprüfungsamt verbunden war, und beleuchtet seine tiefere Verstrickung in das NS-System sowie seine schwierigen Bemühungen um Rehabilitation nach 1945.
Exkurs: Entnazifizierung von Hochschullehrern in Ost und West: Der Exkurs bietet einen Vergleich der Entnazifizierungspraktiken in den unterschiedlichen deutschen Besatzungszonen und zeigt deren ideologische Hintergründe und praktische Umsetzung auf.
Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die Schwierigkeiten des Neuanfangs an der TH Dresden und diskutiert die unterschiedliche Bewertung der beiden Bauingenieure im Hinblick auf ihre persönliche politische Haltung und ihre fachliche Rolle während des Nationalsozialismus.
Technische Hochschule Dresden, 1945, Entnazifizierung, Kurt Beyer, Willy Gehler, Bauingenieurwesen, Kontinuität, Umbruch, SBZ, Nationalsozialismus, Materialprüfung, Nachkriegsgeschichte, Wissenschaftler, Sowjetische Besatzungsmacht, Rehabilitation.
Die Arbeit beleuchtet die Geschichte der Technischen Hochschule Dresden in der unmittelbaren Nachkriegszeit und untersucht das Spannungsfeld zwischen personeller und struktureller Kontinuität und dem politischen Umbruch nach 1945.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Entnazifizierung des wissenschaftlichen Personals, die Auswirkungen der sowjetischen Demontagepolitik sowie den Vergleich der individuellen Lebenswege zweier bedeutender Ingenieurprofessoren.
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Wissenschaftler und Ingenieure den Systemwechsel von der NS-Diktatur zur sowjetischen Besatzungsherrschaft bewältigten und inwieweit "unpolitisches" Fachwissen zur Fortführung akademischer Karrieren diente.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende biographische Analyse und nutzt hierfür primär Archivdokumente, Personalakten, zeitgenössische Lebensläufe sowie Korrespondenzen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Analyse der Hochschulgeschichte 1945-1946 und in zwei detaillierte biographische Skizzen, die durch einen Exkurs zur Entnazifizierung in Ost- und Westdeutschland ergänzt werden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Entnazifizierung, Ingenieurwissenschaften, Kontinuität, Nachkriegszeit, SBZ und biographische Forschung charakterisieren.
Während Beyer als weitgehend unpolitischer Spezialist agierte, der sich auf seine Forschung konzentrierte, war Gehler tiefer in das NS-System integriert, unter anderem als Mitglied der NSDAP und als förderndes Mitglied der SS, auch wenn er selbst versuchte, dies als fachliche Notwendigkeit darzustellen.
Das VMA war für beide Wissenschaftler ein zentraler Ort ihres Wirkens; für Gehler war es sein „opus vitae“, während Beyer es nach Gehlers Entlassung übernahm und nutzte, um seine eigene fachliche Relevanz und die der Hochschule in der Nachkriegszeit zu sichern.
Trotz seines „Persilscheins“ und der Unterstützung durch Fachkollegen verweigerte die sächsische Landesregierung, insbesondere durch die Intervention von Innenminister Kurt Fischer, seine Wiedereinstellung, wahrscheinlich aufgrund seiner stärkeren parteipolitischen Verstrickungen.
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