Masterarbeit, 2009
77 Seiten, Note: 1,7
1. EINLEITUNG
1.1. Einleitende Bemerkungen zum Vorhaben
1.2. Eingrenzung und Aufbau der Arbeit
1.3. Quellenlage
1.4. Stand der Forschung
2. DER REISEBERICHT – ZUR HISTORIE EINER LITERATURGATTUNG
2.1. Von den Anfängen bis zum 20. Jahrhundert
2.1.1. Von den frühesten Anfängen bis zum Mittelalter
2.1.2. Entwicklungsvarianten seit Beginn der Frühen Neuzeit
2.1.3. Die Entstehung der Ars apodemica
2.1.4. Die Kavalierstour
2.1.5. Entdeckungs- und Forschungsreisen
2.1.6. Von den Amerikareisen im 20. Jahrhundert bis heute
2.2. Zur Rezeptionsgeschichte von Reiseberichten
2.3. Modi der Fremdwahrnehmung
2.4. Die Bedeutung von Reiseberichten im Rahmen kultureller und wirtschaftlicher Transferleistungen
3. HENRY THEODOR VON BÖTTINGER
3.1. Herkunft, Erziehung, Ausbildung, beruflicher Werdegang
3.2. Zu seiner Rolle als Wirtschaftsbürger und Unternehmer
3.3. Ehrungen, Titel, Orden und Auszeichnungen
3.4. Zum politischen Einfluss
3.5. Zur sozialen und philanthropischen Einstellung
4. DIE REISE UM DIE WELT
4.1. Ziel und Zweck der Reise, Äußere Umstände, Reiseverlauf
4.2. Erfahrungen, Beobachtungen, Erkenntnisse
4.2.1 Kulturelle Erfahrungen
4.2.2 Wirtschaftsbezogene Beobachtungen
4.2.3 Religiöse Erkenntnisse
4.3 Zur literarischen Form
4.4 Materielle und theoretische Transferleistungen
5. ZUSAMMENFASSENDE BETRACHTUNG
Die Arbeit untersucht die kultur- und wirtschaftshistorische Relevanz von Reiseberichten am Beispiel des Reisetagebuchs von Henry T. von Böttinger aus den Jahren 1888/89. Ziel ist es, den Beitrag solcher Berichte zum Wissens- und Technologietransfer sowie zur Globalisierung zu analysieren und die Rolle Böttingers als Wirtschaftsbürger einzuordnen.
Die Kavalierstour
Ziel der Ars apodemica war die systematische, umfassende Selbstbildung von Erwachsenen (Akademikern) durch den Besuch verschiedener Orte. In dem Maße, wie dieses Ziel erreicht war, wandelten sich Ziel und Zielgruppe. Reisen wurde nun bevorzugt zum Erziehungsmittel für reiche junge Herren von Stand als Abschluss ihrer Erziehung. Die Bezeichnung dafür war „Grand Tour“ oder „Kavalierstour“, zeitgenössisch auch „Länderreise“ genannt. „Die Reise selbst wurde zum Bildungserlebnis“.
Das Ziel der Kavalierstour war die Vervollkommnung standesspezifischer Umgangsformen sowie die Einführung und Aufnahme in die höfische Gesellschaft. Die Kavalierstour war Höhepunkt und Abschluss der Ausbildung junger Edelleute. Neben Ritterakademien und Universitäten, wo der junge Kavalier an Veranstaltungen teilnahm und die Landessprache erlernte, bestand der Reiseinhalt vor allem aus dem Besuch fremder Residenzen und von Hauptstädten. Bevorzugte Reiseländer waren Frankreich, Italien und die Niederlande, vereinzelt auch Spanien oder England. „Die in hohem Maße standardisierte Reise diente der Aneignung höfisch - weltläufiger Lebensart und politischen Sachwissens, der Repräsentation ständischer Herrschaftsgewalt und der internationalen Verflechtung unterschiedlichster Adelskreise“. Im engen höfischen Kontakt übte man sich in Etikette und im standesgemäßen Parlieren.
1. EINLEITUNG: Darstellung der Relevanz von Reiseberichten als historische Quelle und Einführung in das konkrete Untersuchungsobjekt, das Tagebuch von Henry T. von Böttinger.
2. DER REISEBERICHT – ZUR HISTORIE EINER LITERATURGATTUNG: Historischer Überblick über die Entwicklung des Reiseberichts von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, inklusive der methodischen Ansätze wie der „Ars apodemica“.
3. HENRY THEODOR VON BÖTTINGER: Biografische Skizze Böttingers, seiner Rolle als Unternehmer bei der Bayer AG und seiner Einordnung als Wirtschaftsbürger.
4. DIE REISE UM DIE WELT: Detaillierte Analyse des Reiseverlaufs, der kulturellen, wirtschaftlichen und religiösen Beobachtungen sowie der Transferleistungen des Reiseberichts.
5. ZUSAMMENFASSENDE BETRACHTUNG: Zusammenführung der Ergebnisse hinsichtlich der Bedeutung von Reiseberichten als Instrument für kultur- und wirtschaftshistorische Forschung.
Reisebericht, Henry T. von Böttinger, Bayer AG, Wirtschaftsgeschichte, Kulturgeschichte, Ars apodemica, Kavalierstour, Technologietransfer, Globalisierung, Mentaltitätsgeschichte, Fremdwahrnehmung, Indutrialisierung, Taylorismus, Wirtschaftsbürgertum, Rezeptionsgeschichte.
Die Arbeit untersucht, welchen Wert Reiseberichte als historische Quelle für kultur- und wirtschaftshistorische Fragestellungen besitzen.
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung der Reiseliteratur, die Rolle von Reiseberichten als Transfermedien für Wissen und Technik sowie die spezifische Fallstudie des Reisetagebuchs von Henry T. von Böttinger.
Es soll herausgefunden werden, inwieweit Reiseberichte zur Globalisierung beigetragen haben und wie die Beobachtungen eines Unternehmers aus dem späten 19. Jahrhundert wissenschaftlich zu bewerten sind.
Die Arbeit kombiniert eine Aufarbeitung der Sekundärliteratur zur Gattungsgeschichte mit einer detaillierten inhaltlichen Analyse einer Primärquelle (Böttingers Reisetagebuch).
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Gattung, eine Biografie Böttingers und eine detaillierte Auswertung seiner Weltreise von 1888/89 hinsichtlich wirtschaftlicher und kultureller Beobachtungen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Reisebericht, Wirtschaftsbürgertum, Bayer AG, Wissens- und Technologietransfer sowie die Ars apodemica.
Böttinger war als Mitglied des Vorstands und späterer Aufsichtsratsvorsitzender maßgeblich an der weltweiten Expansion der Bayer AG beteiligt.
Die Reise diente der Erkundung neuer Märkte in Asien und Amerika sowie der Einführung neuer pharmazeutischer Produkte und Farbstoffe.
Böttinger dokumentierte unter anderem effiziente Produktionsprozesse in den Schlachthöfen Chicagos, die später als Vorläufer des Taylorismus identifiziert wurden.
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