Wissenschaftliche Studie, 2010
16 Seiten
1 Einleitung
2 Vorbereitende Klärung des Gottesbildes und Hinführung zu Meister Eckharts Lehre
2.1 Wie nähern wir uns der Sphäre dieses speziellen Zugangs zu Gott nach Eckhart?
2.2 Was macht sein Verständnis vom Christentum „existenziell“?
2.3 Eckharts Haltung zum Denkprozess
2.4 Innerer und äußerer Mensch
2.5 Eckharts Lehre als zyklisches Denken im Kontext von Gott und Ewigkeit
3 Lehre und theologische Implikationen
3.1 Grundsätzliches zu ihrer praktischen Umsetzung
3.2 Was meint Eckharts „Abgeschiedenheit“
3.3 Wie sieht er das Beten?
3.4 Rolle des Leids
3.5 Die Sünde (=Trennung von Gott)
3.5.1 Aus aktuellem Anlass :Gier als Sünde
3.6 Kurzes Beispiel seiner Bibeldeutung
3.7 Das Verhältnis von Gesinnung und Handeln. („Die guten Taten“)
3.8 Dualismus von Geist und Materie
4 Gesamteinschätzung , benachbarte Denkweisen, Rezeption
4.1 Ein für jede(n) gangbarer Weg?
4.2 Seine Bedeutung im interkulturellen Dialog
4.3 Vergleich mit verschiedenen anderen bekannteren Denkweisen.
4.4 Wie gestaltete sich die Verurteilung durch die römisch-katholische Seite ab - wie ist sie nachvollziehbar?
5 Schluss als Zusammenfassung und Würdigung
Die vorliegende Arbeit untersucht das mystische Denken Meister Eckharts und beleuchtet dessen zeitlose Relevanz als Brückenschlag zwischen Spiritualität, Intellektualität und lebensnaher Praxis. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie Eckharts Lehre der „Abgeschiedenheit“ und des „Seins“ auch heute noch Wege zu einer nicht-konfessionellen, vernünftigen Religiosität aufzeigen kann.
2.3 Eckharts Haltung zum Denkprozess
In unserm allgemein-üblichen Verständnis dient Denken allein der Reflexion. In der Sicht von Philosophen wie Eckhart jedoch wird die Ebene der Intuition mit hineingenommen, was im anderen Zusammenhang auch gerne als „Herzdenken“ oder „Herzensbildung“ bezeichnet wird. Manche bezeichnen auch die Intuition als die „irrationale“ Komponente des Erkennens. Anders ausgedrückt: Sinnlichkeit wird hier als Weg der Wahrheitsfindung mit einbezogen. Joseph Beuys hat hier von einer höheren Form des Denkens gesprochen, die ihm als Künstler über die kreativen Eingebungen existenziell vertraut war. Denken dient also mit den anderen Zugangswegen als eine Art Organ der Wahrnehmung. Ernst von Bracken meint in seinem Eckehart-Buch, dass der islamische Denker Avicenna jenen eckehartschen Aspekt sehr gut formuliert hat. Ich möchte ihn hier mit eigenen Worten zusammenfassen:
Avicenna kann als der Typus eines Mystikers angesprochen werden, der das Erlebnis der Intuition eingehend beschreibt. Der Begriff der „praeparatio“ ist dafür bezeichnend; er ist das Gegenbild zum aristotelischen Schlussverfahren. Während sich bei diesem der Schluss mit logischer Notwendigkeit aus den Prämissen ergibt, gesteht der Mystiker diesem Vorgang lediglich den Charakter eines ungewissen, ruhelosen Suchens zu, das den Boden bereite, auf den der Blitz der Intuition unvermutet und unberechenbar niedergeht.
Ich möchte zur Verdeutlichung ein Bild verwenden: Logische Schlussfolgerungen und denkerisches Grübeln, um etwas zu „erkennen“, sind in dieser Sichtweise nicht mehr als das Lockern und das Graben im Boden, in den der Same der Intuition dann besser hineinfallen und Frucht bringen kann.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt den historischen Kontext Meister Eckharts dar und führt in seine Bedeutung als mystischer Denker ein, der Wissenschaftlichkeit mit herzgetönter Predigt verbindet.
2 Vorbereitende Klärung des Gottesbildes und Hinführung zu Meister Eckharts Lehre: Dieses Kapitel erläutert den Ausgangspunkt von Eckharts Lehre, der Gott als etwas Unbegreifliches jenseits aller menschlichen Vorstellungen und der „negativen Theologie“ definiert.
3 Lehre und theologische Implikationen: Hier werden die zentralen Säulen wie „Abgeschiedenheit“, der Umgang mit Leid und die Sicht auf die Sünde als Trennung von Gott theologisch tiefgehend beleuchtet.
4 Gesamteinschätzung , benachbarte Denkweisen, Rezeption: Dieses Kapitel vergleicht Eckharts Denken mit anderen Philosophen und Religionen und analysiert kritisch die historischen Konflikte mit der Kirche.
5 Schluss als Zusammenfassung und Würdigung: Der Abschluss fasst die Kernaussagen zusammen und würdigt Meister Eckharts zeitlose Bedeutung als Wegweiser für eine lebensphilosophische Spiritualität.
Meister Eckhart, Mystik, Abgeschiedenheit, Gottesgeburt, Existenzialität, Negative Theologie, Seelengrund, Intuition, Gotteserfahrung, interreligiöser Dialog, Transformation, Sein und Haben, christliche Spiritualität, Transzendenz.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Lehre Meister Eckharts und seiner Bedeutung als universeller Denker, der eine Brücke zwischen intellektueller Auseinandersetzung und mystischer Erfahrung schlägt.
Im Fokus stehen Eckharts Gottesbild, das Konzept der Abgeschiedenheit, die Rolle des inneren Menschen sowie die Rezeption seiner Lehre im historischen und interkulturellen Kontext.
Das Ziel ist es, Eckharts Lehre als lebensnahe Form der Spiritualität für die heutige Zeit zugänglich zu machen und seinen Ansatz von einer „Religion des Herzens“ aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-theologische Textanalyse, ergänzt durch die Heranziehung historischer Quellen und den Vergleich mit anderen Denkweisen und Mystikern.
Der Hauptteil analysiert die praktischen Auswirkungen der Lehre, behandelt den Umgang mit Leid und Sünde und setzt sich mit der kirchengeschichtlichen Einordnung des Denkers auseinander.
Zu den zentralen Begriffen zählen insbesondere Abgeschiedenheit, Seelengrund, Mystik, Gotteserfahrung sowie der interreligiöse Dialog.
Eckhart vertritt einen Ansatz, in dem Gott nicht als Person oder festes Konzept begriffen wird, sondern als unendliches Sein, das sich jenseits menschlicher Vorstellungen und „negativer Theologie“ entzieht.
Die Abgeschiedenheit ist für Eckhart die Grundvoraussetzung, um sich von egozentrischen Bindungen zu lösen und die Einheit mit dem Göttlichen in der eigenen Seele zu finden.
Die Arbeit beleuchtet die Verurteilung als Ausdruck eines kirchlichen Rigorismus, der das freie, mystische Denken als Bedrohung wahrnahm, während sie gleichzeitig die Brückenbauerfunktion Eckharts unterstreicht.
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