Diplomarbeit, 1997
140 Seiten, Note: 2,0
Überblick über die Arbeit
1. Einleitung
1.1 Das Thema hat mich gefunden
1.2 Persönlicher Bezug
1.3 Vorverständnis von Schuld und Schuldgefühlen
1.4 Herkunft der Begriffe Schuld und Sünde
1.5 Leitfrage der Untersuchung
2. Theorieteil
2.1 Das Strukturmodell nach Freud
2.1.1 Das Ich
2.1.2 Das Es
2.1.3 Das Über-Ich
2.1.4 Die Außenwelt
2.2 Bewusste und unbewusste Schuldgefühle
2.2.1 Bewusste Schuldgefühle
2.2.2 Die 'Theorie der unbewussten Schuldgefühle'
2.2.3 Untersuchungen zur Angst
2.2.4 Die Ursachen und Folgen des Schuldbewusstseins
2.2.5 Freuds Lösungsvorschlag
2.3 Geschlechterdifferenz in der Sozialisation
2.3.1 Struktur der Klassischen Kleinfamilie
2.3.2 Die Entwicklung des Jungen
2.3.3 Die Entwicklung des Mädchens
2.3.4 Das mütterliche Opfer
2.3.5 Oliviers Lösungsvorschlag
2.4 Die Entwicklung der Moral
2.4.1 Das Konzept von Piaget
2.4.2 Neuere Forschung zur Moralentwicklung
2.4.3 Das Modell von Kohlberg
2.4.4 Erziehungsstile
2.4.5 Schlussfolgerungen
2.5 Echte und falsche Schuldgefühle
2.5.1 Das 'autoritäre' oder 'moralische' Gewissen
2.5.2 Das 'humanistische' oder 'ethische' Gewissen
2.5.3 Schlussfolgerungen in Bezug auf Schuldgefühle
3. Methodenteil
3.1 Zur Forschungsmethode
3.1.1 Meine wissenschaftliche Haltung
3.1.2 Mein Forschungsansatz: Prozessorientiertes Vorgehen
3.1.3 Wahl des Erhebungsverfahrens
3.2 Zur Durchführung der Untersuchung
3.2.1 Annäherung an das Thema vor Untersuchungsbeginn
3.2.2 Gesprächsvorbereitung
3.2.3 Meine Suche nach Gesprächspartner/innen
3.2.4 Meine Gesprächspartner/innen
3.2.5 Gesprächsverlauf
3.2.6 Modifikation des Leitfadens
3.2.7 Besonderheiten während der Durchführung
3.2.8 Besonderheiten nach den Gesprächen
3.3 Zur Auswertung
3.3.1 Individuelle Auswertung
3.3.2 Vergleichende Auswertung
4. Ergebnisse der individuellen Auswertung
4.1 Hubert
4.2 Petra
4.3 Stefan
4.4 Claudia
4.5 Yvonne
4.6 Klaus
5. Vergleichende Auswertung und Diskussion der Ergebnisse
5.1 Der biographische Hintergrund als Voraussetzung für die Empfänglichkeit von Schuldgefühlen
5.1.1 Bereich A: Untersuchung der Ähnlichkeiten im biographischen Hintergrund
5.1.2 Zusammenfassende Darstellung der Kategorien und Diskussion der Ergebnisse
5.2 Intrapsychisches Erleben von Schuldgefühlen
5.2.1 Bereich B: Untersuchung der Ähnlichkeiten beim intrapsychischen Erleben von Schuldgefühlen
5.2.2 Zusammenfassende Darstellung der Kategorien und Diskussion der Ergebnisse
5.3 Die Funktionen von Schuldgefühlen in zwischenmenschlichen Beziehungen
5.3.1 Bereich C: Untersuchung der Ähnlichkeiten der Funktionen von Schuldgefühlen in zwischenmenschlichen Beziehungen
5.3.2 Zusammenfassende Darstellung der Kategorien und Diskussion der Ergebnisse
5.4 Übergreifende Diskussion der Ergebnisse und Fazit der vergleichenden Auswertung
5.4.1 Übergreifende Diskussion der Ergebnisse
5.4.2 Fazit der vergleichenden Auswertung
5.4.3 Rückbezug zur Fragestellung
6. Kritik und Ausblick
6.1 Kritik
6.2 Aussagewert der Ergebnisse
6.3 Weiterführende Fragestellungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen von Schuldgefühlen und deren Funktion als Kontrollmechanismus in zwischenmenschlichen Beziehungen. Basierend auf einer qualitativen Analyse von sechs geführten Interviews wird erforscht, wie ein biographischer Hintergrund die Empfänglichkeit für unberechtigte Schuldgefühle prägt und wie sich diese intrapsychisch und in sozialen Interaktionen manifestieren.
Die Funktionen von Schuldgefühlen in zwischenmenschlichen Beziehungen
In Bereich C berichten meine Gesprächspartner/innen zunächst darüber, ob Schuldgefühle die Funktion von Kontrolle in zwischenmenschlichen Beziehungen haben. Danach geht es um den Einfluss von Schuldgefühlen auf das Klären von Konflikten und in der nächsten Kategorie um das Tragen von Verantwortung in Beziehungen. Weiterhin erzählen meine Gesprächspartner/innen, wie sie sich verhalten, wenn Schuldgefühle sehr belastend für sie werden. In der letzten Kategorie beschreiben sie, wie sie in Zukunft mit ihren Schuldgefühlen und den daran beteiligten Personen umgehen würden.
5.3.1 Bereich C: Untersuchung der Ähnlichkeiten der Funktionen von Schuldgefühlen in zwischenmenschlichen Beziehungen
Kategorie C1: Kontrolle
Yvonne
In den aktuellen Beziehungen zu ihren beiden Freundinnen fühlt sie sich unterlegen und kontrolliert. Yvonne bemerkte irgendwann, dass die Freundinnen beide einen "starken symbiotischen Anspruch" an sie hatten. Bezüglich der älteren Freundin erzählte Yvonne:
"..., angefangen von irgendwelchen Wetten bis hin zu Strafpunkten, die ich dann sammeln [sollte] ... es war nie genug, ..., einfach um mich klein oder am Ball zu halten, in so 'ner Abhängigkeit, ..."
1. Einleitung: Die Autorin legt ihre persönlichen Beweggründe zur Wahl des Themas dar, grenzt Schuld von Sünde etymologisch ab und formuliert die zentrale Forschungsfrage.
2. Theorieteil: Dieser Abschnitt bietet einen theoretischen Überblick basierend auf Freuds Strukturmodell, moralpsychologischen Ansätzen und feministisch-theologischen Perspektiven auf das Gewissen.
3. Methodenteil: Die Autorin beschreibt ihre qualitative Forschungsweise, das prozessorientierte Vorgehen und die Wahl des persönlichen Gesprächs als Erhebungsmethode.
4. Ergebnisse der individuellen Auswertung: Detaillierte Darstellung der sechs geführten Interviews inklusive Verdichtungsprotokollen zu den persönlichen Erfahrungen der Probanden.
5. Vergleichende Auswertung und Diskussion der Ergebnisse: Zusammenführung der Einzelergebnisse in Kategorien und Diskussion der Erkenntnisse bezüglich Sozialisation, intrapsychischem Erleben und zwischenmenschlicher Funktionen.
6. Kritik und Ausblick: Kritische Reflexion der eigenen Untersuchung sowie Aufzeigen von weiterführenden Fragestellungen für künftige Forschungsarbeiten.
Schuldgefühle, Sozialisation, Kontrollmechanismus, zwischenmenschliche Beziehungen, Über-Ich, moralische Entwicklung, unbewusste Schuldgefühle, Familienstruktur, Konfliktvermeidung, Verantwortung, Psychologie, qualitative Forschung, Gewissensbildung, Bindung, Autonomie.
Die Diplomarbeit untersucht das psychologische Phänomen von Schuldgefühlen und deren spezifische Funktion als Kontrollinstanz innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen.
Die zentralen Felder umfassen den biographischen Hintergrund der Probanden, die intrapsychische Verarbeitung von Schuld sowie die Auswirkungen dieser Gefühle auf die Beziehungsgestaltung.
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Funktionen Schuldgefühle in zwischenmenschlichen Beziehungen haben und ob sie als Mittel der Kontrolle oder Bindung fungieren.
Es handelt sich um eine qualitative Forschungsarbeit, die auf sechs persönlichen, prozessorientierten Gesprächen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, einen Methodenteil, die Einzelauswertung der geführten Interviews sowie eine umfassende vergleichende Diskussion der Ergebnisse.
Wesentliche Begriffe sind Sozialisation, Kontrollmechanismus, unbewusste Schuldgefühle, moralische Entwicklung und zwischenmenschliche Dynamik.
Die Untersuchung zeigt, dass die frühe Erziehung und das internalisierte Rollenverhalten in traditionellen Familienstrukturen die Empfänglichkeit für spätere unberechtigte Schuldgefühle maßgeblich prägen.
Die Autorin vermutet, dass Schuldgefühle als unbewusster Kontrollmechanismus eine Bindung aufrechterhalten, indem die betroffene Person versucht, Schuld durch Leistung oder Anpassung zu vermeiden.
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