Diplomarbeit, 2009
145 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Begründung der Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit
2. Über die Entstehung und Entwicklung der globalen Finanzkrise
2.1 Die Vorgeschichte der Subprime-Krise: Niedrige Zinsen, Immobilienboom und das Verbriefungsgeschäft der Investmentbanken
2.2 Die Verbriefungspraxis auf dem Kreditmarkt
2.3 Das Jahr 2007: Von der Subprime-Krise zur Bankenkrise
2.4 Das Jahr 2008: Von der Finanzkrise zur Wirtschaftskrise
3. Zwischenüberlegung
4. Die Rolle der Banken in der Finanzkrise
4.1 Die Autopoiesis der Wirtschaft und die Autopoiesis der Banken
4.2 Das Geschäft der Banken
4.3 Zum Risikobegriff
4.4 Die Risikoverarbeitung durch Banken
4.5 Sicherheitsillusionen – Oder: Die Herrschaft der Zahlen
5. Kapitalismus im Wandel – Auf dem Weg zum Finanzmarkt-Kapitalismus
5.1 Zentrale Charakteristika kapitalistischer Systeme
5.2 Varianten der kapitalistischen Entwicklung
5.3 Der Niedergang des deutschen organisierten Kapitalismus
5.4 Triebkräfte der Globalisierung von Finanzmärkten
6. Konturen des Finanzmarkt-Kapitalismus
6.1 Investment- und Pensionsfonds als zentrale Akteure des neuen Produktionsregimes
6.2 Die Funktionslogik von Finanzmärkten
6.3 Über die Rolle und Funktion von Rating-Agenturen auf den Finanzmärkten
6.4 Die neue Dienstklasse des Finanzmarkt-Kapitalismus
6.5 Perverse Effekte
6.6 Reflexionsprobleme im Finanzmarkt-Kapitalismus
7. Integrationsprobleme und Formen der sozialen Koordination
7.1 Über die Bedeutung und Probleme gesellschaftlicher Integration
7.2 Der Governance-Begriff und die Modi sozialer Handlungskoordination
7.3 Zur Logik von Verhandlungssystemen
7.4 Fallbeispiel: Basel 2 als öffentlich-privates Regulierungsnetzwerk
Fazit
Die Arbeit untersucht die globale Finanzkrise ab 2007 aus einer soziologischen Perspektive, um deren Ursachen, Bedeutung und Folgen zu analysieren und den gesellschaftlichen Strukturwandel zum Finanzmarkt-Kapitalismus zu beleuchten.
2.2 Die Verbriefungspraxis auf dem Kreditmarkt
Der Kreditmarkt ist ein wesentlicher Bestandteil der globalen Finanzmärkte. Auf dem Kreditmarkt werden Kredite in Wertpapiere umgewandelt. Diesen Prozess nennt man Verbriefung. Ökonomisch betrachtet, birgt die Verbriefung von Krediten den Vorteil, dass die ursprünglichen Kredite nicht mehr in der Bilanz der Bank verbleiben, sondern durch die Umwandlung in Wertpapiere auf einem großen Kapitalmarkt gehandelt werden können, dem sogenannten Markt für Kreditrisikotransfer (vgl. Münchau 2008: 73). Kredite werden im Rahmen des Verbriefungsprozesses in sogenannte Bonds, also Anleihen, umgewandelt. Bei einem typischen Bond handelt es sich um ein Wertpapier, das an die Anleger in regelmäßigen Abständen einen vereinbarten Zinssatz oder einen Coupon bezahlt.
Endet die Laufzeit eines Bonds, wird sein Nominalwert an den Investor zurückgezahlt. Bonds werden auf dem Kreditmarkt von verschiedenen Institutionen herausgegeben, die sich in ihrer Kreditwürdigkeit teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Die Kreditwürdigkeit des Emittenten muss also berücksichtigt werden, um das Ausfallrisiko eines Bonds einschätzen zu können. Die Bewertung dieses Risikos erfolgt dabei über sogenannte Ratingagenturen. Zu den bekanntesten unter ihnen zählen weltweit Moody´s, Standard & Poor´s (S&P´s) und Fitch Ratings. Ratingagenturen verwenden zur Darstellung des Ausfallrisikos eines Bonds unterschiedliche Skalen. So wird das beste Bond-Rating bei Moody´s mit Aaa, bei S&P´s hingegen mit AAA bezeichnet. Die Bewertung der Bonds, die für potenzielle Investoren als Orientierungsmaßstab bei der Risikoeinschätzung von Geldanlagen dient, erfolgt dabei durch mathematische Modelle, Marktinformationen und Erfahrungswerte (vgl. ebd.: 81ff).
Einleitung: Die Einleitung führt in die globale Finanzkrise ein, skizziert deren zeitliche Entwicklung und begründet die soziologische Relevanz des Themas.
1. Begründung der Forschungsfrage und Aufbau der Arbeit: Dieses Kapitel erläutert, warum Finanzmärkte soziologisch relevant sind und welchen Weg die Untersuchung nimmt.
2. Über die Entstehung und Entwicklung der globalen Finanzkrise: Der Abschnitt beschreibt chronologisch die Ursachen und den Verlauf der Subprime-Krise sowie die Ausbreitung zur globalen Wirtschafts- und Bankenkrise.
3. Zwischenüberlegung: Zusammenfassung der ökonomischen Ursachen und Einführung in die soziologische Betrachtungsweise von Finanzinstituten.
4. Die Rolle der Banken in der Finanzkrise: Analyse der Banken als organisierte Sozialsysteme, ihrer Risikoverarbeitung und der Rolle von mathematischen Modellen.
5. Kapitalismus im Wandel – Auf dem Weg zum Finanzmarkt-Kapitalismus: Diskussion über die Entwicklung kapitalistischer Systeme und den Übergang zu einer Finanzmarktorientierung.
6. Konturen des Finanzmarkt-Kapitalismus: Detaillierte Untersuchung der neuen Akteure (Investmentfonds) und der Funktionslogik der Märkte sowie der systemischen Krisenanfälligkeit.
7. Integrationsprobleme und Formen der sozialen Koordination: Untersuchung möglicher Steuerungsformen für globale Finanzmärkte unter Anwendung der Governance-Forschung.
Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse hinsichtlich der Rolle der Banken und der Bedeutung des Finanzmarkt-Kapitalismus.
Finanzkrise, Soziologie, Finanzmarkt-Kapitalismus, Banken, Risikosoziologie, Verbriefung, Subprime, Systemtheorie, Rating-Agenturen, Governance, Kapitalismus, Risikomanagement, Finanzmathematik, Systemintegration, Transformation.
Die Arbeit analysiert die globale Finanzkrise ab 2007 unter soziologischen Gesichtspunkten, wobei sie insbesondere die Rolle der Banken und den Wandel zum sogenannten Finanzmarkt-Kapitalismus untersucht.
Die zentralen Felder umfassen die Entstehung der Subprime-Krise, die Funktionsweise von Verbriefung und Rating-Agenturen, die risikosoziologische Betrachtung von Banken sowie die gesellschaftliche Bedeutung des Finanzmarkt-Kapitalismus.
Das Ziel ist es, die Ursachen und Folgen der Finanzkrise soziologisch zu deuten und zu zeigen, dass sie einen fundamentalen Wandel des kapitalistischen Produktionsregimes markiert.
Es handelt sich primär um eine systemtheoretisch fundierte, soziologische Analyse, die auf vorhandene Wirtschaftsdaten und soziologische Theorien zur Risiko- und Organisationsanalyse zurückgreift.
Der Hauptteil behandelt detailliert die Entstehung der Krise, das Handeln von Banken als autopoietische Systeme, die Rolle mathematischer Modelle im Risikomanagement und die neuen Formen der globalen Steuerung durch Verhandlungssysteme.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Finanzmarkt-Kapitalismus", "Autopoiesis", "Risikostrukturen", "Verbriefung" und "Governance".
Der Autor argumentiert, dass Banken und Rating-Agenturen durch das Festhalten an probabilistischen Risikomodellen und mathematischem Realismus Sicherheitsillusionen erzeugten, die zur Unterschätzung realer Risiken führten.
Der Autor sieht darin eine neue Stufe der kapitalistischen Evolution, in der globale Finanzmärkte die Realökonomien dominieren und durch die neue Dienstklasse und Institutionen (wie Investmentfonds) eine neue Machtstruktur entstanden ist.
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