Diplomarbeit, 2007
101 Seiten, Note: 1,7
1 Hintergrund, Ziel und Aufbau der Arbeit
2 Begriffsbestimmung und Wirkung temporärer Produktlinienerweiterungen
2.1 Einordnung und Abgrenzung von temporären Produktlinienerweiterungen
2.2 Chancen und Risiken für die Stammmarke
3 Kategorisierungstheorie als Grundlage des Verständnisses von Rückwirkungen
3.1 Formen der Wissensrepräsentation
3.2 Marken als Kategorien
3.3 Ablauf und Konsequenzen der Kategorisierung
4 Empirisch untersuchte Einflussfaktoren auf Rückwirkungen
4.1 Fit als Einflussfaktor der Interaktion von Marke und Produkt
4.2 Involvement als zentraler Einflussfaktor im Rahmen der Kategorisierung
4.3 Einflussfaktoren der Stammmarke
4.4 Einflussfaktoren des Erweiterungsprodukts
4.5 Einflussfaktoren des Konsumenten
5 Transfer der Erkenntnisse auf temporäre Produktlinienerweiterungen
5.1 Kategorisierungsprozess bei temporären Produktlinienerweiterungen
5.2 Einfluss von temporären Produktlinienerweiterungen auf die Stammmarke
5.3 Einflussfaktoren auf Art und Stärke von Rückwirkungen
5.4 Integratives Modell der Rückwirkungen von temporären Produktlinienerweiterungen auf die Stammmarke
5.5 Management von temporären Produktlinienerweiterungen
6 Zusammenfassung und Ausblick für den Einsatz von temporären Produktlinienerweiterungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die reziproken Wirkungen von temporären Produktlinienerweiterungen (Limited Editions) auf die Stammmarke. Ziel ist es, auf Basis der Kategorisierungstheorie fundierte Erkenntnisse über die Wirkungsweise dieser speziellen Form der Markendehnung zu gewinnen, relevante Einflussfaktoren zu identifizieren und daraus Handlungsempfehlungen für das Markenmanagement abzuleiten.
3.1 Formen der Wissensrepräsentation
Wie bereits kurz angesprochen, müssen Konsumenten ihre bestehenden Gedächtnisstrukturen zur Marke durch die Einführung einer temporären Produktlinienerweiterung modifizieren. Um diese kognitiven Prozesse der Anpassung verstehen zu können, sollte man zunächst die verschiedenen Organisationsformen von Markenwissen im Gedächtnis kennen (vgl. Bräutigam/Esch, 2001, S. 16).
Wissen lässt sich durch semantische Netzwerke darstellen, in denen das Wissen eines Konsumenten über sich und seine Umwelt netzwerkartig abgelegt ist (vgl. Kroeber-Riel/Weinberg, 2003, S. 232; Wender, 1988, S. 55; Peter/Olson, 1996, S. 67; Solomon, 1999, S. 86f.). In dem grundlegenden Modell von Quillian (1968, S. 223 ff.) besteht ein solches Netzwerk aus Knoten und Kanten (vgl. Klix, 1988, S. 24). Bei einer Marke bestehen die Knoten aus Eigenschaften der Marke (mental gespeicherte Konzepte) und die Kanten geben die Beziehungen zwischen diesen wieder (vgl. Tulving/Watkins, 1975, S. 261, Quillian, 1968, S. 234). Ein beispielhaftes Netzwerk zeigt Abb. 5. Sucht man im Gedächtnis nach einer Information, so breitet sich die Aktivierung von einem Startpunkt entlang der Kanten über das Netzwerk aus. Die Aktivierung nimmt jedoch mit zunehmender Distanz graduell ab. Ist die Information gefunden, wird die Suche abgebrochen (vgl. Collins/Loftus, 1975, S. 411 ff., Chang, 1986, S. 216; Oden, 1987, S. 205). Dieser Ansatz wird als die Theorie der sich ausbreitenden Aktivierung (spreading activation theory) bezeichnet (vgl. Collins/Loftus, 1975).
Ein weiterer Ansatz der Repräsentation von Wissen ist das feature-Modell, welches einen Begriff als eine Liste (Set) von Merkmalen beschreibt (vgl. Smith et al., 1974, S. 214 ff.). Die zentralen Attribute und ihre jeweiligen Ausprägungen sind unter der Marke als Oberbegriff aufgeführt. Eine hierarchische Struktur kommt zustande, indem in übergeordneten Kategorien alle notwendigen und hinreichenden Merkmale für eine Mitgliedschaft als auch Hinweise auf untergeordnete Kategorien gespeichert sind. Sucht man nun nach einem Mitglied einer Kategorie, so werden zunächst alle untergeordneten Kategorien identifiziert bis das Objekt gefunden ist, um dann in einem zweiten Schritt zu prüfen, ob das Mitglied auch alle notwendigen und hinreichenden Eigenschaften (Attribute) dieser Kategorie besitzt.
Hintergrund, Ziel und Aufbau der Arbeit: Einführung in die Relevanz von temporären Produktlinienerweiterungen (Limited Editions) als Markenstrategie und Herleitung der Forschungsfrage.
Begriffsbestimmung und Wirkung temporärer Produktlinienerweiterungen: Definition von Limited Editions und Einordnung in strategische Markenoptionen sowie Diskussion potenzieller Chancen und Risiken für die Stammmarke.
Kategorisierungstheorie als Grundlage des Verständnisses von Rückwirkungen: Erläuterung der theoretischen Grundlagen (Schemata, Kategorien) zur Erklärung der kognitiven Informationsverarbeitung bei Markenerweiterungen.
Empirisch untersuchte Einflussfaktoren auf Rückwirkungen: Analyse der moderierenden Variablen, eingeteilt in die Interaktion von Marke und Produkt sowie Eigenschaften der Stammmarke, des Erweiterungsprodukts und des Konsumenten.
Transfer der Erkenntnisse auf temporäre Produktlinienerweiterungen: Anwendung der erarbeiteten Theorien und Einflussfaktoren auf Limited Editions und Entwicklung eines integrativen Modells sowie Management-Leitlinien.
Zusammenfassung und Ausblick für den Einsatz von temporären Produktlinienerweiterungen: Zusammenführung der Kernergebnisse und Schlussfolgerungen für eine markenkonforme Umsetzung von Limited Editions.
Temporäre Produktlinienerweiterungen, Limited Editions, Markendehnung, Stammmarke, Kategorisierungstheorie, Rückwirkungseffekte, Markenimage, Markenfestigung, Markenverwässerung, Involvement, Fit, Markenidentität, Markenumpositionierung, Markenstärke, Markenkonzeptkonsistenz
Die Arbeit befasst sich mit den reziproken (wechselseitigen) Wirkungen, die temporäre Produktlinienerweiterungen – in der Praxis oft als "Limited Editions" bezeichnet – auf die wahrgenommene Identität und das Image einer Stammmarke ausüben.
Im Zentrum stehen die Kategorisierungstheorie aus der Kognitionspsychologie, der Prozess der Informationsverarbeitung beim Konsumenten sowie die Identifikation verschiedener Einflussfaktoren, die darüber entscheiden, ob eine Markenerweiterung die Stammmarke stärkt oder schwächt.
Das Hauptziel ist es, theoretisch fundierte Aussagen darüber zu treffen, unter welchen Bedingungen und durch welche Einflussfaktoren Limited Editions positive (Markenstärkung, Positionierung) oder negative (Imageschädigung, Verwässerung) Rückwirkungen auf die Stammmarke haben, um daraus Empfehlungen für das Management abzuleiten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und dem Transfer verhaltenswissenschaftlicher Theorien (insbesondere der Kategorisierungs- und Schematheorie) auf das Marketing-Instrument der temporären Produktlinienerweiterungen. Es werden zudem empirische Erkenntnisse aus existierenden Studien systematisch aufbereitet und in einem integrativen Modell zusammengeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung mittels Kategorisierungstheorie, die detaillierte Analyse empirischer Einflussfaktoren (z.B. Fit, Involvement, Markenstärke) und den anschließenden Transfer dieser Erkenntnisse auf die spezifische Problematik der temporären Produktlinienerweiterungen.
Zentrale Begriffe sind die Kategorisierungstheorie, Rückwirkungseffekte, Markenidentität, der "Fit" zwischen Marke und Produkt sowie das Involvement des Konsumenten als moderierende Variable.
Das Involvement spielt eine zentrale Rolle: Bei hohem Involvement findet eine detaillierte, attributbasierte Informationsverarbeitung statt, während bei geringem Involvement (typisch für viele Konsumgüter) eine ganzheitliche, kategoriebasierte Verarbeitung erfolgt, was die Risiken und Chancen für die Marke maßgeblich beeinflusst.
Sub-Branding dient als Schutzmechanismus. Durch eine klare Kennzeichnung, die das Erweiterungsprodukt von der Stammmarke distanziert, kann das Risiko einer Markenverwässerung bei inkonsistenten Produkten minimiert werden, da Konsumenten das Produkt in einer separaten Subkategorie ablegen können.
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