Examensarbeit, 2010
68 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Forschungsgegenstand
3. Stand der Forschung
4. Typisierung historisch orientierter Veranstaltungen der Epoche Mittelalter
4.1. Living-History
4.1.1. Reenactment
4.2. Mittelaltermärkte
4.3. Museumsveranstaltungen
4.4. Veranstaltungen für Firmen und Privatpersonen
4.5. Mittelalterveranstaltung ist nicht Mittelalterveranstaltung: ein Vergleich
5. Akteure bei Veranstaltungen, die das Mittelalter zum Gegenstand haben: eine empirische Annäherung
5.1. Rahmenbedingungen der Umfrage
5.2. Problem der Repräsentativität, mögliche Fehlerquellen
5.3. Aufbau des Fragebogens
5.4. Auswertung der empirischen Daten
5.4.1. Persönliche Daten
5.4.2. Aktivität im Rahmen der Veranstaltung
5.4.3. Motivation zur Teilnahme
5.4.4. Historische Genauigkeit
5.4.5. Mittelalterbild
5.5. Fazit der Auswertung der empirischen Daten
6. Schulische Nutzbarkeit von Mittelalter-Veranstaltungen
6.1. Curriculare Vorgaben
6.2. Ein Platz für Mittelalter-Veranstaltungen im Geschichtsunterricht? Kritische Betrachtung der curricularen Vorgaben für das Fach Geschichte
6.3. Mögliche Zielsetzung einer Nutzung von Mittelalter-Veranstaltungen im Geschichtsunterricht und konkrete Anwendungsbeispiele
7. Fazit und Auswertung der Forschungsfragen
Die Arbeit untersucht das Phänomen historisch orientierter Mittelalter-Veranstaltungen und deren Potenzial für die schulische Bildung. Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwieweit diese Angebote, die oft zwischen Unterhaltung und Geschichtsvermittlung oszillieren, sinnvoll in den modernen Geschichtsunterricht integriert werden können.
4.1. Living-History
Living-History bezeichnet eine Darstellungsform von Geschichte, deren Ziel es ist, „alltägliches Leben in einer anderen Zeit zu simulieren und zu inszenieren“. Pleitner hebt hervor, dass die Basis aller seriösen Living-History - wie bei der akademischen Beschäftigung - die Auseinandersetzung mit Quellen und Literatur sei, jedoch im Unterschied zu dieser auf Handlung, Erfahrung und Emotion fuße. Dem entsprechend ist zu erklären, dass Living-History oftmals den Alltag der Menschen zeigt und gesellschaftlichen Gruppen, die in der klassischen Politik- und Ereignisgeschichte lange Zeit vernachlässigt wurden, einen hohen Stellenwert einräumt: Frauen, Dienstpersonal, Bauern, Arme, etc.
Die Möglichkeiten der Umsetzung in Bezug auf die Epoche Mittelalter vielfältig: historische Stadtführungen, Reality-TV auf einer Burg (wie sie der MDR im Jahre 2005 im Rahmen der Serie „Abenteuer Mittelalter. Leben im 15. Jahrhundert“ produzierte) und Lagerleben auf Mittelaltermärkten und rekonstruierten Mittelalter-Dörfern wie Nyköbing in Dänemark sind nur einige Beispiele.
Die Betätigungsmöglichkeiten lassen sich zweifach unterteilen: in öffentliche und geschlossene Veranstaltungen sowie in Living-History-Einrichtungen und Living-History-Darstellungen.
Als öffentliche Veranstaltung charakterisiere ich diejenigen, die Besuchern offen stehen und den Dialog mit Besuchern anstreben. Dies kann sowohl die Führung durch ein Living-History-Lager seitens eines Akteurs darstellen wie auch die Kommentare und Erfahrungsberichte eines Reality-TV-Teilnehmers im Einzelgespräch vor der Kamera. Geschlossene Veranstaltungen nehmen einen ebenfalls sehr großen Raum in der Living-History ein. Workshops für Akteure, wie sie zum Beispiel das Zeughausmuseum Vechta in regelmäßigen Abständen anbietet, interne Lagertreffen und Vortragsreihen dienen dem Erfahrungsaustausch, der historischen Bildung und in großem Umfang dem Vergnügen mit Gleichgesinnten.
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsrelevanz im Kontext der wachsenden Begeisterung für das Mittelalter sowie Formulierung der drei Kernschwerpunkte.
2. Forschungsgegenstand: Definition und zeitliche sowie räumliche Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes der Mittelalter-Veranstaltungen.
3. Stand der Forschung: Überblick über die bestehende wissenschaftliche Literatur, die sich mit historisch orientierten Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum und international beschäftigt.
4. Typisierung historisch orientierter Veranstaltungen der Epoche Mittelalter: Systematische Kategorisierung verschiedener Veranstaltungsformen und deren unterschiedliche Ausrichtung zwischen Unterhaltung und Anspruch.
5. Akteure bei Veranstaltungen, die das Mittelalter zum Gegenstand haben: eine empirische Annäherung: Detaillierte Auswertung einer empirischen Umfrage unter 166 Akteuren hinsichtlich ihrer Motivation und ihres Mittelalterbildes.
6. Schulische Nutzbarkeit von Mittelalter-Veranstaltungen: Analyse der curricularen Rahmenbedingungen und praktische didaktische Vorschläge zur Einbindung dieser Formate in den Geschichtsunterricht.
7. Fazit und Auswertung der Forschungsfragen: Synthese der Ergebnisse aus den drei Teilen der Arbeit und Beantwortung der Ausgangsfragen.
Mittelalter, Living-History, Mittelaltermärkte, Geschichtsunterricht, historische Bildung, Geschichtskultur, empirische Forschung, Mittelalterbild, Reenactment, Didaktik, Museumspädagogik, Akteursmotivation, curriculare Vorgaben, Geschichtsbewusstsein, Authentizität
Die Arbeit befasst sich mit der zunehmenden Popularität historisch orientierter Mittelalter-Veranstaltungen in Deutschland und untersucht deren Potenzial als außerschulische Lernorte.
Die Arbeit gliedert sich in die Typisierung verschiedener Veranstaltungsformate, die empirische Erforschung der Akteure (Akteursmotivation und Weltbild) sowie die didaktische Einordnung in den schulischen Kontext.
Das Ziel ist es zu klären, ob und wie Mittelalter-Veranstaltungen sinnvoll in den Geschichtsunterricht integriert werden können, um historische Kompetenzen bei Schülern zu fördern.
Der Autor führt eine empirische Umfrage unter Akteuren durch, die durch Literaturanalyse und eine kritische Untersuchung aktueller Lehrpläne ergänzt wird.
Der Hauptteil analysiert verschiedene Veranstaltungsformen wie Living-History, Märkte und Museen, wertet Umfragedaten zu den Akteuren aus und vergleicht diese mit bestehenden Studien.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Mittelalter, Living-History, Geschichtskultur, Didaktik, Authentizität und Geschichtsbewusstsein.
Während Living-History stärker auf die Simulation von Alltagsleben und historische Einblicke abzielt, sind Mittelaltermärkte häufig primär kommerziell orientiert und bieten eine erlebnisorientierte Show, die weniger auf historische Exaktheit als auf Unterhaltung setzt.
Die Umfrage ergab, dass Religion in der Selbstdarstellung der Akteure auf den Veranstaltungen eine eher untergeordnete Rolle spielt und oft ein negatives Bild der mittelalterlichen Kirche (z.B. Kreuzzüge, Inquisition) dominiert.
Er sieht darin große Chancen für einen handlungs- und erlebnisorientierten Unterricht, warnt jedoch vor einer unkritischen Übernahme und betont die Notwendigkeit einer soliden didaktischen Vor- und Nachbereitung.
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