Diplomarbeit, 2009
122 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Die Rolle von Finanzanalysten auf dem Kapitalmarkt
2.1 Grundlegende Charakterisierung von Finanzanalysten
2.1.1 Definition und Abgrenzung der Finanzanalysten
2.1.2 Klassifizierung der Finanzanalysten
2.2 Funktionen und Ziele auf dem Kapitalmarkt
2.2.1 Analysten als Informationsintermediäre
2.2.2 Funktionen von Finanzanalysten aus ökonomischer Sicht
2.2.2.1 Informationseffizienz
2.2.2.2 Verfahrenseffizienz
2.2.2.3 Reduzierung von Agency-Problemen
2.3 Aufgaben und Inhalte der Finanzanalystentätigkeit
2.3.1 Organisatorische Einordnung in den Banken
2.3.2 Methodik des Finanzresearchs
2.3.3 Der Finanzresearch Prozess
2.3.3.1 Informationsbeschaffung
2.3.3.2 Informationsverarbeitung
2.3.3.3 Informationsdistribution
3 Einflussfaktoren auf die Qualität des Finanzresearchs
3.1 Empirische Erkenntnisse zu den Empfehlungen und Prognosen
3.1.1 Kursreaktion bei Veröffentlichung
3.1.2 Überoptimismus
3.2 Verhaltenswissenschaftliche Einflussfaktoren
3.2.1 Behavioral Finance
3.2.2 Verhaltensanomalien und Heuristiken
3.3 Interessenkonflikte
3.3.1 Interessenkonflikte aufgrund von Geschäftsbeziehungen
3.3.1.1 Inhouse Beziehungen
3.3.1.2 Management Beziehungen
3.3.2 Persönliche Interessen und Ziele der Finanzanalysten
3.3.2.1 Erfolgsorientierte Ziele
3.3.2.2 Eigene Aktienbestände und Mandatstätigkeiten
3.3.3 Externe Einflüsse
3.4 Spezifische Einflussfaktoren
3.4.1 Analysten- und arbeitgeberspezifische Faktoren
3.4.2 Unternehmensspezifische Faktoren
3.5. Regulierung des Analystentätigkeit
3.5.1 Freiwillige Selbstregulierung
3.5.2 Gesetzliche Regulierung
3.6 Zusammenfassung
4 Untersuchung der Analysteneinschätzungen im Zeitraum November 2007 bis Januar 2008
4.1 Situation am deutschen Aktienmarkt
4.2 Empirische Untersuchung der Prognosen und Empfehlungen
4.2.1 Datenbasis
4.2.2 Untersuchung der Aktienempfehlungen und Kursprognosen
4.3 Beurteilung der Ergebnisse
4.4 Entwicklungen im Finanzresearch
5 Zusammenfassung und Ausblick
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Qualität sowie die Objektivität der Prognosen und Empfehlungen von Finanzanalysten zu untersuchen und zu hinterfragen, inwiefern externe und interne Einflussfaktoren deren Arbeit verzerren. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit der Rolle von Analysten bei der Entwicklung des deutschen Aktienmarktes im spezifischen Zeitraum zwischen November 2007 und Januar 2008.
1.1 Problemstellung
„An der Börse ist zwei mal zwei stets fünf minus eins“, sagte einmal Bonmot André Kostolany und beschrieb damit, wie schwierig es ist die Entwicklungen an den Kapitalmärkten zu prognostizieren. Kapitalmarktakteure, welche sich mit der Erstellung dieser Prognosen beruflich befassen, werden als Finanzanalysten bezeichnet. Sie erstellen im Rahmen ihrer Tätigkeit Prognosen und Aktienempfehlungen zu börsennotierten Unternehmen und versuchen ihre zukünftigen Entwicklungen aufzuzeigen. Ihre Aufgabe besteht insbesondere darin, Fehlbewertungen von Aktien beziehungsweise von Unternehmen aufzudecken und diese dann in entsprechende Handlungsempfehlungen für die Investoren umzuwandeln. Sie leisten in ihrer Rolle als Informationsintermediäre einen wichtigen Beitrag zur Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte.
Jedoch werden sie ihrer Funktion an den Kapitalmärkten nur dann gerecht werden, wenn sie ein möglichst objektives und unabhängiges Aktienresearch erstellen. Nach dem Platzen der Kapitalmarktblase Ende der 90er Jahre bestanden jedoch erhebliche Zweifel, ob die Vorrausetzungen tatsächlich immer erfüllt wurden. Bis zum März 2000 waren die internationalen Kapitalmärkte von einem längerfristigen Aufwärtstrend geprägt. Die positive Entwicklung an den Märkten führte dazu, dass die Investoren die Arbeit der Analysten kaum kritisch hinterfragten, trotz ihrer viel zu optimistischen Prognosen und Empfehlungen. Als jedoch die Kurse ab März 2000 verstärkt Verluste verzeichneten und die Kapitalmarktblase platzte, gerieten die Analysten verstärkt in die Kritik. Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, dass sie durch viel zu optimistische Prognosen und Empfehlungen den rasanten Anstieg der Kapitalmärkte vorangetrieben hätten.
Kritiker argumentieren zudem, dass dieser extreme Überoptimismus der Analysten zu unüberlegten Wertpapierkäufen auf Seiten der Investoren beigetragen hätte, was letztlich den rapiden Anstieg der Kurse veranlasste, ohne das dieser fundamental gerechtfertigt gewesen wäre. Darüber hinaus gerieten Analysten auch bei verschiedenen Bilanzskandalen wie beispielsweise von Worldcom oder Enron in die Kritik. So rieten Analysten zum Teil noch wenige Tage vor dem Bankrott von Worldcom die Aktie zu kaufen.
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Finanzanalysten ein, erläutert die Problemstellung hinsichtlich Objektivität und Abhängigkeiten und legt das Ziel sowie den Aufbau der Arbeit dar.
2 Die Rolle von Finanzanalysten auf dem Kapitalmarkt: Es erfolgt eine theoretische Einordnung der Analysten, ihre Klassifizierung und eine detaillierte Erläuterung ihrer ökonomischen Funktionen sowie der methodischen Vorgehensweisen im Research-Prozess.
3 Einflussfaktoren auf die Qualität des Finanzresearchs: Das Kapitel identifiziert verschiedene Störfaktoren, wie verhaltenswissenschaftliche Aspekte (Heuristiken), Interessenkonflikte durch Geschäftsbeziehungen und externe Einflüsse, und erörtert die zugehörige Regulierung.
4 Untersuchung der Analysteneinschätzungen im Zeitraum November 2007 bis Januar 2008: Eine empirische Analyse der Marktlage und der konkreten Prognoseleistung von Analysten in einem krisengeprägten Zeitraum am deutschen Aktienmarkt.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse der theoretischen und empirischen Analyse zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen im Research-Bereich.
Finanzanalysten, Kapitalmarkt, Aktienresearch, Informationsintermediäre, Interessenkonflikte, Behavioral Finance, Überoptimismus, Prognosequalität, Marktversagen, Aktienempfehlungen, Kursprognosen, Regulierung, Finanzkrise, Unternehmensanalyse, Kapitalmarktkommunikation
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Rolle von Finanzanalysten als Informationsintermediäre und untersucht kritisch, wie objektiv deren Arbeit angesichts von Interessenkonflikten und verhaltenspsychologischen Einflüssen ist.
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung des Finanzresearchs, der Einfluss von Behavioral Finance, die Analyse von Interessenkonflikten in Banken sowie die empirische Überprüfung von Aktienempfehlungen und Kursprognosen.
Ziel ist es zu klären, wie unabhängig die Analysen von Finanzanalysten sind und inwiefern sie in einem krisengeprägten Zeitraum (Ende 2007 bis Anfang 2008) das Marktgeschehen beeinflusst oder korrekt eingeschätzt haben.
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen Rahmen, basierend auf Literaturanalyse, mit einer empirischen Untersuchung, in der Analystenprognosen und Empfehlungen im Zeitraum von November 2007 bis Januar 2008 statistisch analysiert wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Rollenbeschreibung der Analysten, eine detaillierte Analyse der Einflussfaktoren auf die Research-Qualität und eine konkrete empirische Fallstudie zum deutschen Aktienmarkt.
Finanzresearch, Interessenkonflikte, Informationsasymmetrie, Überoptimismus und Analysten-Coverage sind die zentralen Begriffe.
Inhouse-Beziehungen führen oft zu Interessenkonflikten, da Analysten in Investmentbanken arbeiten, die gleichzeitig durch Investmentbanking-Mandate wirtschaftlich vom analysierten Unternehmen profitieren.
Der Autor stellt fest, dass Analysten oft optimistisch verzerrt sind und bei Trendwenden am Markt meist zeitlich verzögert reagieren, was die Kritik an der Objektivität ihres Researchs untermauert.
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