Diplomarbeit, 2010
335 Seiten, Note: 1
1. Vorwort (Lena Rheindorf und Andrea Stoick)
2. Einleitung (Lena Rheindorf und Andrea Stoick)
2.1. Bezug auf Abschlussarbeiten des Feministischen Grundstudiums
2.2. State of the Art
2.3. Theoretische Verortung der Arbeit
2.4. Aufbau und Struktur der Arbeit
3. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung (Lena Rheindorf)
3.1. Die bürgerliche Geschlechterideologie der Romantik
3.1.1. Familiäre Arbeitsteilung - Domestizierung der Frau
3.2. Innerfamiliale Arbeitsteilung im Wandel
3.2.1. Von der bürgerlichen Kleinfamilie zur „postfamilialen Familie“
3.2.2. Weiblicher Lebenszusammenhang und weibliche Identitätskonstruktion
3.2.3. Zeitbudget und Technisierung
3.3. Minderbewertung von Versorgungsarbeit
3.4. Partnerschaftliche Aufgabenteilung - „Mikro“Befunde
4. Wohlfahrtsstaatliches Geschlechterregime (Lena Rheindorf)
4.1. Das österreichische Geschlechterregime
4.2. Der politische Protest – die Gesetzesinitiative „Ganze Männer machen Halbe/Halbe“
4.3. Der supranationale Einfluss der EU
5. Häusliche Arrangements aus der Perspektive der Intersektionalität
5.1. Intersektionalität – Die Kategorien der Ungleichheit (Andrea Stoick)
5.1.1. Intersektionalität
5.1.2. Ethnizität
5.1.3. Ethnisierung und Rassismus
5.1.4. Kulturalisierung
5.1.5. „Ethnische“ Identität
5.2. Migration und Identitätskonstruktion (Andrea Stoick)
5.2.1. Die Phasen der Migration – Migrationskrise
5.2.2. Ethnische Communities
5.2.3. Transnationalität und Remigration
5.3. Abgabe von Hausarbeit seitens der Arbeitgeberinnen (Lena Rheindorf)
5.4. Ethnisierung feminisierter Hausarbeit (Andrea Stoick)
5.4.1. Dienstmädchen im 19. Jahrhundert
5.4.2. Moderne Dienstbotinnen - Migrantinnen in privaten Haushalten heute
6. Politische Dimensionen und Strategien (Andrea Stoick)
6.1. StaatsbürgerInnenschaft
6.1.1. Rassifizierung und Ethnisierung
6.1.2. Einwanderungsstatus
6.1.3. Sprache und Spracherwerb
6.2. Formeller/ informeller Arbeitsmarkt und Illegalisierung
6.2.1. Illegalisierung der Arbeit und des Aufenthaltes
7. Methodologischer Zugang (Lena Rheindorf)
8. Empirische Untersuchung (Lena Rheindorf und Andrea Stoick)
8.1. Einzelfallanalyse – Probeinterview mit Frau Müller
8.1.1. Chronologische Deskription
8.1.2. Grobanalyse des Interviews mit Frau Müller
8.1.2.1. Familienmodell und paarinterne Arbeitsteilung
8.1.2.2. Beschaffenheit des Arrangements
8.1.2.3. Ressourcenverteilung
8.1.2.4. Ethnisierungsprozesse
8.2. Einzelfallanalyse Interview mit Frau Bauer
8.2.1. Chronologische Deskription
8.2.2. Grob- und Feinanalyse des Interviews mit Frau Bauer
8.2.2.1. Familienmodell und paarinterne Arbeitsteilung
8.2.2.2. Beschaffenheit der Arrangements
8.2.2.3. Ressourcenverteilung
8.2.2.4. Ethnisierungsprozesse
8.3. Einzelfallanalyse Interview mit Frau Huber
8.3.1. Chronologische Deskription
8.3.2. Fein- und Grobanalyse des Interviews mit Frau Huber
8.3.2.1. Familienmodell und paarinterne Arbeitsteilung
8.3.2.2. Beschaffenheit des Arrangements
8.3.2.3. Ressourcenverteilung
8.3.2.4. Ethnisierungsprozesse
8.4. Differenzen zwischen den Arbeitgeberinnen
8.5. Einzelfallanalyse des Interviews mit Frau Wojcik
8.5.1. Chronologische Deskription
8.5.2. Grob- und Feinanalyse des Interviews mit Frau Wojcik
8.5.2.1. Familienmodell und paarinterne Arbeitsteilung
8.5.2.2. Beschaffenheit der Arrangements
8.5.2.3. Ressourcenverteilung
8.5.2.4. Ethnisierungsprozesse
8.6. Einzelfallanalyse Interview mit Frau Kowalska
8.6.1. Chronologische Deskription
8.6.2. Grob- und Feinanalyse des Interviews mit Frau Kowalska
8.6.2.1. Familienmodell und paarinterne Arbeitsteilung
8.6.2.2. Beschaffenheit der Arrangements
8.6.2.3. Ressourcenverteilung
8.6.2.4. Ethnisierungsprozesse
8.7. Differenzen zwischen den Arbeitnehmerinnen
8.8. Gegenüberstellung von Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmerinnen
8.8.1. Familienmodelle
8.8.2. Beschaffenheit der Arrangements
8.8.3. Ressourcenverteilung
8.8.4. Ethnisierungsprozesse
9. Resümée
9.1. Recommendations
10. Abschließende Betrachtung und Ausblick
10.1. Nachwort
10.2. Reflexion
Die Arbeit untersucht die komplexen Arrangements von österreichischen Haushalten, die Hausarbeit an Dritte delegieren, sowie die Situation der meist als Reinigungskräfte tätigen Migrantinnen. Ziel ist es, die Wechselwirkungen zwischen Geschlecht, Ethnie und Klasse zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese im Kontext wohlfahrtsstaatlicher Strukturen und politischer Faktoren Machtverhältnisse sowie Ressourcenverteilungen beeinflussen.
3.1. Die bürgerliche Geschlechterideologie der Romantik
In der wissenschaftlichen Forschung besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass durch den Prozess der Industrialisierung und der zunehmenden funktionellen Arbeitsteilung zwei gesellschaftliche Sphären entstanden: der öffentliche und der private Raum, beziehungsweise die familiale und die berufliche Sphäre, wobei das Familiale/Private weiblich, und das Öffentliche/Berufliche männlich konnotiert wurde. Die gesamtgesellschaftlich geschlechtsspezifische Polarisierung der Lebenssphären wurde meines Erachtens durch eine elaborierte Geschlechterideologie, welche durch literarische Strömungen und wissenschaftliche Wahrheitsansprüche legitimiert wurde, begleitet, deren Schatten bis in die Gegenwart reichen.
Das zunächst vor allem literarische Konstrukt der „romantischen Liebe“, welches seine Entsprechung im Bürgertum des Biedermeier fand und in dessen Zentrum das normativ-heterosexuelle Paar steht, trug besonders zur Propagierung der polaren Geschlechterideologie erfolgreich bei.
1. Vorwort: Die Autorinnen erläutern ihre persönliche Motivation und ihren feministischen Zugang zum Thema der reproduktiven Versorgungsarbeit.
2. Einleitung: Die Einleitung steckt den Untersuchungsrahmen ab und verortet die Arbeit in den feministischen Forschungssträngen zur Hausarbeit und Migrationspolitik.
3. Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung: Dieses Kapitel untersucht die historische Konstruktion geschlechtsspezifischer Rollenbilder seit der Industrialisierung und deren Auswirkungen auf die moderne Arbeitsteilung.
4. Wohlfahrtsstaatliches Geschlechterregime: Hier wird analysiert, wie staatliche Politik in Österreich geschlechterhierarchische Strukturen durch Familien- und Arbeitsmarktpolitik stabilisiert.
5. Häusliche Arrangements aus der Perspektive der Intersektionalität: Dieses Kapitel verknüpft die Kategorien Geschlecht, Ethnie und Klasse und beleuchtet die Situation von Migrantinnen in der Hausarbeit.
6. Politische Dimensionen und Strategien: Andrea Stoick untersucht hier die Rolle von Staatsbürgerschaft, Arbeitsmarktsegregation und politischer Illegalisierung.
7. Methodologischer Zugang: Das Kapitel beschreibt das methodische Forschungsdesign, insbesondere das problemzentrierte Interview zur Untersuchung der Arbeitssituationen.
8. Empirische Untersuchung: Dies ist der Hauptteil der Arbeit, der detaillierte Fallstudien zu verschiedenen Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmerinnen präsentiert und vergleicht.
9. Resümée: Das Resümee fasst die zentralen Erkenntnisse über die informellen Arbeitsverhältnisse und die damit verbundenen Abhängigkeitsstrukturen zusammen.
10. Abschließende Betrachtung und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse im Kontext aktueller gesellschaftspolitischer Debatten reflektiert.
Hausarbeit, Geschlechterregime, Intersektionalität, Migration, Ethnisierung, Doppelbelastung, Wohlfahrtsstaat, Privathaushalt, informelle Arbeit, soziale Ungleichheit, Migrantinnen, Arbeitsteilung, Machtverhältnisse, Familienmodell, Arbeitsmarkt.
Die Arbeit analysiert die komplexen Arbeitsarrangements in privaten österreichischen Haushalten, in denen Hausarbeit an Dritte delegiert wird, insbesondere im Kontext der Beschäftigung von Migrantinnen.
Die Schwerpunkte liegen auf der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, dem Einfluss des wohlfahrtsstaatlichen Geschlechterregimes in Österreich sowie den intersektionalen Ungleichheitskategorien Geschlecht, Ethnie und Klasse.
Die Autorinnen untersuchen, wie politische und ökonomische Faktoren die Umstrukturierung der Hausarbeit zu Ungunsten hausarbeitender Migrantinnen beeinflussen und wie sich diese Prozesse auf Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmerinnen auswirken.
Es wird ein qualitativer Ansatz gewählt, basierend auf problemzentrierten Interviews mit Arbeitgeberinnen und Arbeitnehmerinnen, um die individuellen Erfahrungen und sozialen Mechanismen hinter den Arrangements zu erfassen.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Geschichte und Soziologie der Hausarbeit sowie in einen empirischen Teil, der Einzelfallanalysen der interviewten Frauen präsentiert und diese miteinander vergleicht.
Zentrale Begriffe sind die Intersektionalität, die „doppelte Vergesellschaftung“, das „Wohlfahrtsstaatliche Geschlechterregime“, „Ethnisierung“ und die „Informalisierung“ von Arbeitsverhältnissen.
Das Konzept beschreibt, wie Frauen durch die Erwartung an Haus- und Erwerbsarbeit strukturell belastet sind und in eine widersprüchliche Praxis gedrängt werden, was die Suche nach Entlastung (Delegation an Dritte) erklärt.
Die rechtliche Unsicherheit oder Illegalität der migrantischen Arbeitskräfte verstärkt deren Abhängigkeit von den Arbeitgeberinnen, entzieht sie staatlichen Schutzmechanismen und zwingt sie in informelle, oft prekäre Arbeitsverhältnisse.
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