Magisterarbeit, 2009
70 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
I. Toleranz im Mittelalter
I.1 Toleranz – Begriff und Problematik
I.2 Verwendung und Bedeutungsvielfalt der Vokabel tolerantia in mittelalterlichen Texten - ein Einblick
I.3 Zusammenfassung
II. Welt- und Fremdwahrnehmung im Mittelalter
II.1 Welt- und Fremddeutung im Mittelalter – erste Einblicke und Problemanalyse
II.1.1 Zusammenfassung
II.2 Modelle von Welt- und Fremddeutung im Mittelalter
II.2.1 Geschaffen nach dem Ebenbild Gottes
II.2.2 Schonungsgebot und Gottesfeindschaft
II.2.2.1 Toleranz, Nächstenliebe und Rationalität
II.2.2.1.1 die neutestamentliche caritas-Forderung und Zwei-Reiche-Lehre
II.2.2.1.2 Peter Abailard und die mittelalterliche Dialogliteratur
II.2.2.1.3 Augustinus und das Unkraut-Weizen-Gleichnis
II.2.2.1.4 Thomas von Aquin – Unterschiedlichkeit der Dinge ist gut!
II.2.2.2 Ideologie des Kreuzzugs
II.2.2.3 Der Edel Heide und die Literatur der Ritterdichter
II.3 Zusammenfassung
III. Toleranz in mittelhochdeutschen Religionsgesprächen?!
III.1 Die Religionsgespräche der Silvesterlegende
III.1.1. Vernunft und ubirmuot
III.1.2 Duldung, Anerkennung und Grenzen von Toleranz innerhalb der Religionsgespräche der Silvesterlegende
III.1.3 Zusammenfassung
IV Fazit
Die Arbeit untersucht das Konzept der religiösen Toleranz im Mittelalter, mit einem spezifischen Fokus auf die Religionsgespräche innerhalb der mittelhochdeutschen Silvesterlegende in der Kaiserchronik, um zu prüfen, ob sich darin Ansätze für ein tolerantes Denken finden lassen.
III.1 Die Religionsgespräche der Silvesterlegende
Die Konstantinchronik berichtet in einer Art Vorgeschichte von einer unheilbaren Krankheit des Kaisers, seiner Ablehnung der Kinderopfer als Heilmittel (KCh. V. 7812-7841) und der Traumerscheinung des Paulus und Petrus, welche den Ruf Papst Silvesters als Heiler im Namen Gottes und die Bekehrung des Kaisers zum Christentum nach sich zog. Mit der Bekehrung beginnt die Schilderung der christlichen Neuordnung des Reiches durch Gesetzgebung seitens Konstantins und Silvesters (KCh. V. 7970-7997), Zerstörung heidnischer Tempel (KCh. V. 8022-8039) und der Kaiserkrönung durch Silvester als Höhepunkt der christlichen Wende (KCh. V. 8116-8199).
Helena, die königliche Mutter Konstantins, empfindet nach Aussage der Kaiserchronik die Bekehrung ihres Sohnes als Übel ("O wî liebir ſun mîn,/ nû iſt ubele an dir ſchîn" [KCh. V. 8233f.]), glaubt ihn gar verloren („ſol ich dich hân virlorn?“ [KCh. V. 8237]), die familiäre Ehre verletzt und fordert die Rückkehr zu den alten Göttern („dû ſolt widir an unſe gote jehen.“ [KCh. V. 8254]). Der Kaiser antwortet mit einer Rechtfertigung des christlichen Glaubens (KCh. V. 8281-8312) und anschließender Bekehrungsaufforderung („nû gwin dû ſîne hulde“ [KCh. V. 8313]). Auf die abschlägige Reaktion der Kaiserinmutter hin rät der christliche Papst Silvester zur Einberufung eines sog. Sents (Synode), auf welchem durch vernünftige Argumentation der Wahrheitsanspruch der Religion(en) geprüft werden solle.
Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik der Toleranzdebatte ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung des mittelalterlichen Geisteslebens.
I. Toleranz im Mittelalter: Dieses Kapitel expliziert den Toleranzbegriff und dessen Verwendung in mittelalterlichen Texten, wobei die Distinktion zwischen Duldung und Anerkennung zentral ist.
II. Welt- und Fremddeutung im Mittelalter: Das Kapitel behandelt die theologischen und philosophischen Grundlagen, wie die Ebenbildlichkeit Gottes und das Schonungsgebot, welche den Umgang mit dem Fremden maßgeblich prägten.
III. Toleranz in mittelhochdeutschen Religionsgesprächen?!: In diesem Hauptteil werden die Diskurse der Silvesterlegende analysiert, um das Verhältnis von Glaubensargumentation und Wahrheitsanspruch kritisch zu beleuchten.
IV Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass in den betrachteten Texten keine aktive Toleranz im Sinne moderner Anerkennung nachzuweisen ist.
Toleranz, Mittelalter, Kaiserchronik, Silvesterlegende, Fremdwahrnehmung, Religiöse Disputation, Heidenbild, Christentum, Ratio, Caritas, Weltdeutung, Scholastik, Religionsgespräche, Mittelalterliche Literatur, Glaubenszwang.
Die Arbeit untersucht, wie in mittelhochdeutschen Dichtungen, insbesondere in der Silvesterlegende der Kaiserchronik, das Konzept der religiösen Toleranz gegenüber dem „Fremden“ und Nichtchristlichen behandelt wurde.
Zentrale Felder sind die semantische Analyse des Toleranzbegriffs im Mittelalter, die Untersuchung von Welt- und Fremddeutungsmodellen sowie die Analyse religiöser Dialogformen in der Literatur.
Das Ziel ist es, den Wahrheitsgehalt toleranter Gedankengänge in den ausgewählten Texten zu prüfen und kritisch zu hinterfragen, ob diese als „tolerantes Denken“ im modernen Sinne zu werten sind.
Es handelt sich um eine literatur- und geistesgeschichtliche Analyse, die theologische Quellentexte und mittelhochdeutsche Dichtungen philologisch auf ihren Begriffs- und Ideeninhalt hin untersucht.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der allgemeinen mittelalterlichen Modelle der Fremddeutung (z.B. Gottesebenbildlichkeit, Kreuzzugsideologie) und die spezifische, detaillierte Textanalyse der Religionsgespräche in der Silvesterlegende.
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Toleranz, Religiöse Disputation, Fremdwahrnehmung, Heidenbild und Kaiserchronik charakterisieren.
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass sich in den Religionsgesprächen der Silvesterlegende keine aktive Toleranz im Sinne einer Anerkennung anderer Religionen findet; stattdessen dient die Argumentation der Bestätigung des christlichen Wahrheitsanspruchs.
Die Arbeit mahnt zur Vorsicht, mittelalterliche Textzeugnisse zu schnell als Anzeichen für einen modernen Toleranzbegriff oder eine humanistische Renaissance zu interpretieren, da diese meist in feste, teils exklusive Weltbilder eingebettet waren.
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