Diplomarbeit, 2010
93 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Begriffserklärung
2.1 Bildung
2.2 Bildungsnotstand
2.3 Bildungssoziologie
2.4 Bildungsungleichheiten
2.5 Soziale Ungleichheit
2.6 Reproduktion
2.7 Soziale Reproduktion
2.8 Soziale Reproduktion nach Pierre Bourdieu
2.9 Chancengleichheiten
2.10 Bildungschancen
2.11 Migranten
2.12 Migration
3. Die Bildungsexpansion
3.1 Historische Eingrenzungen der Bildungsexpansion
3.2 Ursachen der Bildungsexpansion
3.3 Folgen der Bildungsexpansion
3.3.1 Strukturelle Folgen der Bildungsexpansion
3.3.2 Kulturelle Folgen der Bildungsexpansion
4. Entstehung und Reproduktion dauerhafter Bildungsungleichheiten
5. Bildungssysteme in Deutschland
5.1 Anteile von deutschen und ausländischen Schülerinnen und Schüler im deutschen Schulsystem
6. Bildungschancen und Bildungsmisserfolge von ausländischen Schülerinnen und Schülern im deutschen Bildungssystem
6.1 Art und Ausmaß der Nachteile von Schülern mit Migrationshintergrund gegenüber einheimischen Schülern
6.2 Erklärungen und Gründe für Bildungsnachteile von Schülern mit Migrationshintergrund
7. Pisa
7.1 Was ist PISA
7.2 Ziele von PISA
7.3 Der PISA- Schock
7.4 Teilnehmerstaaten PISA 2000, 2003 und 2006
7.5 Die Ergebnisse von PISA
7.5.1 PISA Ergebnisse 2000
7.5.2 PISA Ergebnisse 2003
7.5.3 PISA Ergebnisse 2006
7.6 Familiäre Lebensverhältnisse, Bildungsbeteiligung und Kompetenzerwerb am Beispiel PISA 2000
7.6.1 Die Familien der 15-Jährigen
7.6.2 Soziale Herkunft und Bildungsbeteiligung
7.6.3 Jugendliche aus Migrationsfamilien
7.6.4 Soziale Herkunft und Kompetenzerwerb im nationalen und internationalen Vergleich
8. Bildung und soziale Ungleichheit nach Bourdieu und Boudon
8.1 Das meritokratische Prinzip sozialer Ungleichheit
8.2 Soziale Ungleichheit nach Bourdieu
8.2.1 Struktur, Habitus und Praxis nach Pierre Bourdieu
8.2.2 Die Struktur nach Pierre Bourdieu
8.2.3 Habitus und Praxis nach Pierre Bourdieu
8.2.4 Bildung und Klassen nach Pierre Bourdieu
8.2.4.1 Das kulturelle und ökonomische Kapital nach Pierre Bourdieu
8.2.4.2 Das soziale Kapital nach Pierre Bourdieu
8.2.4.3 Übertragbarkeit des Bourdieuschen Ansatzes auf Deutschland
8.5 Soziale Ungleichheit nach Boudon
8.5.1 Die Schulische Laufbahn nach Boudon
8.5.2 Von der Grundschule zum Übergang in die Sekundarstufe
8.5.3 Chancenunterschiede auf Hauptschulen und Gymnasien
8.6 Ein Vergleich zwischen Bourdieu und Boudon
9. Ungleichheitserzeugende Strukturen im deutschen Bildungssystem
9.1 Differenzen zwischen lebensweltlichen und institutionalisierten Bildungsprozessen
9.2 Schule als Institution der Mittelschicht nach Pierre Bourdieu
10. Gleiche Bildungschancen für alle
10.1 Lösungsvorschläge zur Verringerung von Bildungsungleichheiten
10.2 Lösungsansätze im Bezug auf das europäische Ausland
11. Schlussbetrachtung und Fazit
Die Arbeit untersucht die Ursachen und Reproduktionsmechanismen von Bildungsungleichheiten im deutschen Schulsystem. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, warum soziale Herkunft sowie Migrationshintergrund weiterhin maßgeblich über Bildungschancen entscheiden und welche Reformansätze – insbesondere unter Berücksichtigung internationaler Vergleiche wie Schweden – zu einer langfristigen Verbesserung der Chancengleichheit beitragen können.
6.1 Art und Ausmaß der Nachteile von Schülern mit Migrationshintergrund gegenüber einheimischen Schülern
Im Folgenden werden die Nachteile, die ausländische Schülerinnen und Schüler gegenüber deutschen Schülerinnen und Schülern haben, aufgelistet und erläutert:
● Migrantenkinder erfahren gegenüber deutschen Kindern weniger vorschulische Betreuung.
● Migrantenkinder werden deutlich häufiger als deutsche Kinder von der Einschulung zurückgestellt.
● Migrantenkinder bekommen deutlich häufiger als deutsche Kinder eine Grundschulempfehlung für die Hauptschule und deutlich seltener als deutsche Kinder eine Grundschulempfehlung für die Realschule oder das Gymnasium, was zum großen Teil, aber nicht vollständig, ihren Noten in Deutsch und Mathe entspricht.
● Migrantenkinder treten von der Grundschule deutlich häufiger als deutsche Kinder in eine Hauptschule über und deutlich seltener als deutsche Kinder in eine Realschule oder ein Gymnasium.
● Migrantenkinder haben eine deutlich geringere Lesekompetenz als deutsche Kinder, egal ob diese Kinder in Deutschland oder im Ausland geboren wurden, jedoch ihre gesamte Schullaufbahn in Deutschland durchlaufen haben, wobei diesbezüglich zwischen den Bundesländern große Unterschiede zu beobachten sind.
● Migrantenkinder bleiben deutlich häufiger als deutsche Kinder ohne einen Hauptschulabschluss. Der prozentuale Anteil von Migrantenkinder, die ohne Hauptschulabschluss bleiben, entspricht dem prozentualen Anteil von deutschen Kindern, die einen Hauptschulabschluss erwerben (nämlich 20%).
1. Einleitung: Beleuchtet die historische Relevanz von Bildung als ständebildendes Element und führt in das aktuelle Problem der fortbestehenden sozialen Ungleichheit im deutschen Schulsystem trotz erfolgter Bildungsexpansion ein.
2. Begriffserklärung: Definiert zentrale Konzepte wie Bildung, soziale Ungleichheit, Reproduktion sowie Migrationshintergrund als notwendige Grundlage für die soziologische Analyse der Arbeit.
3. Die Bildungsexpansion: Untersucht die Ziele, historischen Etappen und Folgen der Bildungsexpansion der 1960er Jahre und stellt fest, dass die erhoffte Chancengleichheit in der Realität weitgehend ausblieb.
4. Entstehung und Reproduktion dauerhafter Bildungsungleichheiten: Analysiert, warum soziale Selektion trotz Bildungsreformen weiterhin stark von elterlicher Herkunft und finanziellen Ressourcen abhängt.
5. Bildungssysteme in Deutschland: Beschreibt die Struktur und Zuständigkeit des deutschen Schulwesens und liefert Daten zu Anteilen deutscher und ausländischer Schülerinnen und Schüler.
6. Bildungschancen und Bildungsmisserfolge von ausländischen Schülerinnen und Schülern im deutschen Bildungssystem: Dokumentiert die spezifischen Nachteile von Migrantenkindern und analysiert Erklärungsgründe wie Sprachdefizite und sozioökonomische Faktoren.
7. Pisa: Setzt sich kritisch mit den PISA-Studien auseinander, die die soziale Selektivität des deutschen Systems empirisch belegen und eine erneute bildungspolitische Debatte auslösten.
8. Bildung und soziale Ungleichheit nach Bourdieu und Boudon: Gegenüberstellung der theoretischen Ansätze Bourdieus (Habitus/Kapital) und Boudons (Rational-Choice-Entscheidungen), um die Ursachen der Bildungsungleichheit soziologisch zu fundieren.
9. Ungleichheitserzeugende Strukturen im deutschen Bildungssystem: Erläutert, wie Schule als Institution der Mittelschicht wirkt und durch lebensferne Inhalte Kinder aus bildungsfernen Milieus benachteiligt.
10. Gleiche Bildungschancen für alle: Diskutiert politische Lösungsvorschläge und vergleicht das deutsche System mit dem schwedischen Ansatz, um Perspektiven für eine erfolgreichere Bildungsförderung aufzuzeigen.
11. Schlussbetrachtung und Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und fordert eine grundlegende Reform des deutschen Bildungssystems, um die Kopplung von sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufzubrechen.
Bildung, Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Migrationshintergrund, Bildungsexpansion, Meritokratie, Pierre Bourdieu, Raymond Boudon, PISA-Studie, Chancengleichheit, Soziale Reproduktion, Habitus, Rational-Choice-Modell, Bildungssystem, Sprachkompetenz.
Die Arbeit analysiert die Ursachen und die fortdauernde Reproduktion von Bildungsungleichheiten im deutschen Schulwesen, insbesondere in Bezug auf soziale Schichten und Kinder mit Migrationshintergrund.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der Bildungsexpansion, die soziologische Bedeutung von Herkunft und sozialem Kapital sowie die Leistungsunterschiede im PISA-Vergleich.
Ziel ist es, die Entstehung dauerhafter Bildungsnachteile in Deutschland zu erklären und durch den Vergleich mit anderen Ländern (wie Schweden) Ansätze für mehr Chancengleichheit aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse soziologischer Konzepte (Bourdieu/Boudon) sowie einer Sekundäranalyse empirischer Bildungsdaten und PISA-Ergebnisse.
Im Hauptteil werden neben den bildungssoziologischen Theorien auch die spezifischen Bildungsbiografien und Nachteile von Migrantenkindern sowie die institutionelle Struktur des deutschen Schulsystems detailliert untersucht.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Bildungsungleichheit, soziale Herkunft, Kapital (kulturell/sozial/ökonomisch), Meritokratie und Chancengleichheit geprägt.
Sie ermöglicht es, sowohl die Leistungsunterschiede im Elternhaus (primär) als auch die bewussten Bildungsentscheidungen der Eltern unter Kosten-Nutzen-Aspekten (sekundär) als Ursachen für Ungleichheit präzise zu unterscheiden.
Der Autor sieht in den schwedischen Erfahrungen, insbesondere der längeren gemeinsamen Schulzeit ohne frühe Selektion und der starken individuellen Förderung, ein relevantes Vorbild für notwendige Reformen in Deutschland.
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