Diplomarbeit, 2010
158 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1.1. Die Aktualität der betrieblichen Misstrauenskultur
1.1.1. Misstrauen zwischen Führungskräften und Mitarbeitern
1.1.2. Öffentlicher Vertrauensverlust von Unternehmen und Managern
1.1.3. Betrieblicher Vertrauensbedarf
1.2. Forschungsziel und Fragestellung der Arbeit
1.3. Forschungsvorgehen und Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen der Vertrauenstheorie
2.1. Vertrauensdefinitionen
2.1.1. Vertrauen in der modernen Soziologie
2.1.2. Vertrauen in der Psychologie und Sozialpsychologie
2.1.3. Vertrauen in der Wirtschaftssoziologie und Ökonomie
2.2. Eigenschaften und Merkmale des Personenvertrauens
2.2.1. Akteursabhängigkeit und Sozialkooperationen
2.2.2. Zukunftsausrichtung, Erwartungshaltung, Ergebnisabhängigkeit
2.2.3. Vertrauen als Risiko
2.2.4. Sicherheitsmechanismus und Komplexitätsreduktion
2.2.5. Vertrauensaufbau: Prozessgebundenheit, Vertrauensfundamente
2.3. Misstrauen
2.3.1. Grundkonzepte und Ursachen
2.3.2. Wirkungseffekte in der Akteursbeziehung
2.3.3. Das theoretische Verhältnis von Vertrauen und Kontrolle
2.3.4. Das praktische Verhältnis von Vertrauen und Kontrolle
2.4. Vertrauen und Misstrauen in der Prinzipal-Agent-Beziehung
2.4.1. Vertrauens- und Misstrauensindikatoren
2.4.2. Vertrauensmechanismus: Platzierung und Annahme
2.4.3. Vertrauen als Rational Choice: Kalküle und Interessenunterschiede
2.4.4. Informationsasymmetrien und Opportunismus
2.4.4.1. Hidden Characteristics und Adverse Selection
2.4.4.2. Hidden Action und Moral Hazard
2.4.4.3. Hidden Information/Knowledge und Moral Hazard
2.4.4.4. Hidden Intention und Hold Up
2.4.5. Abschließende Bewertung
3. Prinzipal und Agent in der betrieblichen Misstrauenskultur
3.1. Der externe Einfluss von Globalisierungseffekten
3.1.1. Makro-Globalisierungseffekte
3.1.2. Meso-Globalisierungseffekte: Strukturwandel der Arbeitswelt
3.2. Der Arbeitskraftunternehmer als unternehmerisches Selbst
3.2.1. Zentrale Bestimmungsgrößen des Arbeitskraftunternehmers
3.2.2. Selbstmanagement von Arbeit
3.2.3. Subjektivierung von Arbeit
3.2.3.1. Flexibilisierung
3.2.3.2. Individualisierung: Doping
3.2.4. Zeitdruck, Erfolgsdruck, Leistungsdruck, Mehrarbeit
3.2.5. Überbelastungen und Gesundheitsrisiken
3.2.6. Unsicherheiten, Ängste, Enttäuschungen und Entgrenzungen
3.2.7. Vertrauensprobleme zwischen Führungskräften und Mitarbeitern
3.3. Die interpersonale Misstrauenskultur im Berufsalltag
3.3.1. Der Homo Ego-nomicus in Aktion
3.3.1.1. Interessenstreben
3.3.1.2. Opportunismus, Machtausübung, Moralverfall
3.3.2. Informations- und Kommunikationsdefizite
3.3.2.1. Unpersönliche Kommunikationsstrukturen
3.3.2.2. Mobbing
3.3.2.3. Kommunikationslücken, Intransparenz, Inkonsistenz
3.3.2.4. Hierarchiedistanz
3.3.3. Zwischenfazit
3.4. Misstrauensintensivierung durch Mitarbeiterkontrollen
3.4.1. Vertrauensbürokratie: Kontroll- und Informationssysteme
3.4.1.1. Entwicklungstendenzen betrieblicher Kontrollsysteme
3.4.1.2. Kontrollintensität und fremdkontrollierte Selbstkontrolle
3.4.1.3. IuK-Technologien zwischen Regulation und Deregulation
3.4.1.4. Die bürokratische Kontrollkultur des Misstrauens
3.4.2. Machtmissbrauch: Die anonyme Überwachungskultur
3.4.2.1. Monitoring
3.4.2.2. Fallbeispiel: Deutsche Bahn AG
3.4.3. Das interpersonale Misstrauensdilemma
3.4.3.1. Misstrauenseffekte anonymer Monitoringaktivitäten
3.4.3.2. Misstrauenseffekte überintensiver Kontrolle
3.4.3.3. Die betriebliche Misstrauensspirale
3.5. Die interpersonale Misstrauenskultur im Überblick
3.5.1. Faktorenmodell der betrieblich-interpersonalen Misstrauenskultur
3.5.2. Modellerklärung und Zusammenfassung bisheriger Ergebnisse
3.5.3. Folgen für die Principal-Agent-Theorie
4. Vertrauensmanagement in der betrieblichen Misstrauenskultur
4.1. Grundlagen des betrieblichen Vertrauensmanagements
4.1.1. Begriffsdefinition und Ziele
4.1.2. Betriebliches Vertrauensmanagement als Führungskonzept
4.1.3. Der Vertrauensmanagementprozess: Einflussfaktoren, Vertrauensebenen
4.2. Interpersonal-zwischenhierarchischer Vertrauensaufbau
4.2.1. Vertrauensinitiative, Vertrauensbereitschaft, Vertrauenswürdigkeit
4.2.2. Personale Vertrauensfaktoren von Führungskräften
4.3. Interpersonales Vertrauensmanagement über Mitarbeiterführung
4.3.1. Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale, Kompetenzen
4.3.1.1. Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale
4.3.1.2. Kompetenzen
4.3.2. Kontrollverhalten
4.3.2.1. Controlling von Kontrolle
4.3.2.2. Echte Selbstkontrolle: Ein „Mehr“ an Vertrauen
4.3.3. Partizipationsverhalten
4.3.3.1. Komponenten eines partizipativen Vertrauensmanagements
4.3.3.2. Vertrauenseffekte
4.3.4. Kommunikations- und Interaktionsverhalten
4.3.4.1. Das Verhältnis von Vertrauen und Kommunikation
4.3.4.2. Zentrale Grundannahmen der Kommunikationstheorie
4.3.4.3. Vier Kommunikationsgrundsätze des Vertrauens
4.3.4.4. Face-To-Face-Kommunikation als Vertrauensmedium
4.3.4.5. Beziehungsorientierung, MA-Gespräche, Metakommunikation
5. Schlussteil
5.1. Herausforderungen und Hindernisse des Vertrauensmanagements
5.2. Lösungs- und Forschungspotentiale des Vertrauensmanagements
Die vorliegende Arbeit untersucht das Dilemma zwischen innerbetrieblichen Vertrauensverlusten und dem steigenden Bedarf an Vertrauen in modernen Unternehmen. Das primäre Ziel ist es, die Ursachen und Wirkungszusammenhänge der zwischenhierarchischen Misstrauenskultur zu analysieren, um auf dieser Basis führungsgestützte Lösungsansätze zu entwickeln, die Vertrauen im Berufsalltag wieder stärken können.
3.3.1.1. Interessenstreben
„[...] wo Interesse allein regiert, ist jedes Ich, das nicht die einander gegenüberstehenden Egoismen bremst, mit jedem anderen auf dem Kriegsfuß. Kein Waffenstillstand kann diese ewige Feindschaft [...] unterbrechen“ (Durkheim 1996: 260).
Ein Beispiel für betriebliche Misstrauenspotentiale im interpersonalen Miteinander zwischen Führungskräften und Mitarbeitern sind persönliche Interessengegensätze sowie Rollen- und Zielkonflikte, die sich in spannungsgeladenen, strukturellen Denk- und Handlungsweisen äußern. Diese sind ein fester, unvermeidbarer Bestandteil des betrieblichen Arbeitsalltags und äußern sich in komplizierten Konkurrenzsituationen, z. B. in Form existierender Koalitionsbildungen zum Ziel der Interessenausweitung (Zülsdorf 2008: 13ff., 34, 39f., 43, 46, 51ff., 65). Gerade in Großunternehmen können operationale Sachkonflikte bei knappen Ressourcen zu harschen Auseinandersetzungen und unbefriedigenden Kompromissen führen (Shea 1984: 65ff., 68ff.). Die Interessenagonien entwickeln sich häufig zu dauerhaften Beziehungskonflikten, nämlich immer dann, wenn die Betroffenen kompromisslos auf ihren Positionen beharren und die Verfolgung der Eigeninteressen gemeinsamen Handlungszielen übergeordnet wird. Die Konfliktsituation eskaliert durch Machtkämpfe, Übervorteilungen und Verlustängste. Alle wollen maximal gewinnen und keiner möchte verlieren. Zwischenhierarchische Erstarrungen und Verhärtungen provozieren unter den Angestellten ein tiefes Misstrauen (Zülsdorf 2008: 115f.).
Ständige Restrukturierungen, eine geringere Anzahl attraktiver Arbeitsplätze, ökonomische Abhängigkeiten sowie verschärfte Zeit- und Pensumvorgaben (Druck von oben) erhöhen den Anreiz, sich eigennützig zu verhalten. Die Angst vor persönlichen Benachteiligungen nimmt zu, die eigene Zukunftssicherung wird wichtig und zwischenmenschliche, auf Interessenvorteile abzielende Konkurrenzkämpfe entstehen (Klinski/Haller 2005: 43, 45; Bohn 2007: 127ff.). Ein Beispiel für eine hohe interpersonale Konkurrenz- und Misstrauenssituation ist das sog. „Fingerpointing“. Hierbei unterstellen Mitarbeiter ihrem Gegenüber, nur im Rahmen eigener Vorteile zu agieren und sich nicht genug für den Betrieb anzustrengen. Dies erschwert die interpersonale Zusammenarbeit (Bohn 2007: 172, 180). Ein weiteres Beispiel ist permanentes Kompetenzgerangel und „persönliche Wichtigtuerei“ auf „erweiterten Unternehmensbühnen“, wo der Einzelne seine Kompetenzen mit der Aussicht auf eine Verbesserung der Aufstiegschancen durch aufwändige Präsentations- und Selbstdarstellungsaktionen unter Beweis stellt (Faust 2000: 200).
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Aktualität des Vertrauensverlustes in deutschen Unternehmen und stellt das Forschungsziel sowie den methodischen Aufbau der Arbeit vor.
2. Grundlagen der Vertrauenstheorie: Hier werden interdisziplinäre Definitionen und theoretische Konzepte des Vertrauens, einschließlich der Prinzipal-Agent-Theorie, dargelegt.
3. Prinzipal und Agent in der betrieblichen Misstrauenskultur: Das Kapitel analysiert die Ursachen und Auswirkungen der Misstrauenskultur, insbesondere durch externe Globalisierungseffekte und übermäßige Kontrollstrukturen.
4. Vertrauensmanagement in der betrieblichen Misstrauenskultur: Dieser Teil widmet sich der praktischen Implementierung eines Vertrauensmanagement-Konzepts durch Führungskräfte.
5. Schlussteil: Zusammenfassung der Ergebnisse, Bewertung der Forschungspotentiale sowie ein Ausblick auf zukünftige Herausforderungen im betrieblichen Vertrauensmanagement.
Vertrauensmanagement, Misstrauenskultur, Mitarbeiterführung, Prinzipal-Agent-Theorie, interpersonales Vertrauen, Kontrolle, Mitarbeiterüberwachung, Arbeitskraftunternehmer, Kommunikation, Organisationsklima, Kooperation, Identifikation, Management, Sozialkapital, Führungskraft.
Die Arbeit analysiert das komplexe Phänomen der betrieblichen Misstrauenskultur in deutschen Großunternehmen und untersucht Möglichkeiten, wie Vertrauen durch gezieltes Management wieder aufgebaut werden kann.
Zentrale Felder sind die Vertrauenstheorie, die Prinzipal-Agent-Theorie im betrieblichen Kontext, der Einfluss von Globalisierungsprozessen, Kontrollmechanismen sowie moderne Ansätze der Mitarbeiterführung und Kommunikation.
Das Hauptziel besteht darin, die Ursachen und Kausaleffekte der zwischenhierarchischen Misstrauenskultur zu identifizieren und daraus führungsgestützte Lösungsansätze für ein effektives Vertrauensmanagement abzuleiten.
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre, theoretisch fundierte Analyse soziologischer und wirtschaftswissenschaftlicher Ansätze, ergänzt durch eine deskriptive Betrachtung aktueller Unternehmenspraxis.
Der Fokus liegt auf der Analyse der Misstrauensintensivierung durch Mitarbeiterkontrollen (Monitoring), dem Phänomen des "Arbeitskraftunternehmers" sowie der Bedeutung von Kommunikation für den Aufbau von Vertrauensbeziehungen.
Die wichtigsten Begriffe sind Vertrauensmanagement, Misstrauenskultur, Prinzipal-Agent-Theorie, Mitarbeiterüberwachung und Führungskompetenz.
Die Arbeit kritisiert den überintensiven Einsatz anonymer Kontrollinstrumente, da dieser oft kontraproduktiv wirkt, das Vertrauen zerstört und eine Abwärtsspirale aus Misstrauen und opportunistischem Verhalten auslöst.
Kommunikation wird als zentrales Element identifiziert. Besonders Face-to-Face-Kommunikation, Transparenz und ein dialogischer Führungsstil werden als unerlässlich für die Generierung von Vertrauenswürdigkeit hervorgehoben.
Es handelt sich um einen neuen Leittypus von Arbeitskraft, der unternehmerisch handelt, selbstgesteuert arbeitet und gleichzeitig unter den Belastungen durch Entgrenzung und hohen Leistungsdruck leidet.
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