Bachelorarbeit, 2009
60 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Theaterpädagogik - eine Begriffsklärung
2.1 Zur Theater-Pädagogik
2.2 Die Vielfalt theaterpädagogischer Konzepte
2.2.1 Theaterpädagogik mit politischer Intention: Theater der Unterdrückten - Augusto Boal
2.2.2 Theaterpädagogik mit selbstreflexiver Intention: Jeux Dramatiques - Ausdrucksspiel aus dem Erleben - Heidi Frei
2.2.3 Theaterpädagogik mit pädagogischer Intention: Szenisches Spiel - Ingo Scheller
2.2.4 Theaterpädagogik mit ästhetisch-bildender Intention: Improvisation - Keith Johnstone
3. Zu den Intentionen von Theaterarbeit
3.1 Persönlichkeitsbildende und -entfaltende Elemente
3.2 Spektrum der Erfahrungsweisen im Theaterspiel
3.2.1 Theaterspielen ist Gemeinschaft
3.2.2 Die Belebung der Phantasie
3.2.3 Wahrnehmen und Beobachten
3.2.4 Entspannung und Konzentration
3.2.5 Mitgefühl und Einfühlungsvermögen
3.2.6 Sprechen
3.2.7 Bewegung
3.2.8 Improvisation
3.3 Theaterarbeit in sozialen Feldern
4. Forschung zur Nachhaltigkeit von Theaterarbeit
4.1 Zum Bedarf und den Problemen der Wirkungsforschung
4.2 Zum aktuellen Stand
4.3 Resümee
5. Primärstudie
5.1 Zielsetzung der Untersuchung
5.2 Auswahl der Gruppe
5.3 Methodik
5.4 Relevanz der Theaterarbeit für Menschen mit Behinderungen - Theorie-Praxis-Transfer
6. Ausblick
Diese Bachelor-Thesis untersucht die nachhaltigen Wirkungen von theaterpädagogischer Arbeit auf die Lebenspraxis von Teilnehmenden. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, inwieweit theaterpädagogische Konzepte über den Moment der Aufführung hinaus soziale und individuelle Kompetenzen im Alltag fördern können, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der integrativen Arbeit mit Menschen mit Behinderungen liegt.
2.2.1 Theaterpädagogik mit politischer Intention: Theater der Unterdrückten - Augusto Boal
AUGUSTO BOAL wurde 1931 in Rio de Janeiro, Brasilien geboren. Er entwickelte angesichts des Elends dort, ein Volkstheater-Konzept, das über die sozialen und politischen Ungleichheiten und die daraus resultierende Unterdrückung aufklären sollte. Doch über diese Bewusstmachung hinaus hatte er das Ziel den Menschen gemeinschaftliche Handlungsmöglichkeiten zur Abschaffung dieser Missstände entwickeln zu helfen.
Es wurden kollektiv Stücke geschrieben und geprobt, im "Teatro de Arena de Sao Paulo", dessen Leiter er seit 1956 war. Diese Stücke richteten sich an die von einer Oberschicht ausgebeuteten Menschen: "an Arbeiter, Menschen in Dörfern und Slums, an Menschen die weder lesen noch schreiben konnten"15. Die Stücke waren so konzipiert, dass das Publikum aus seiner passiven Rolle zu einer aktiven Teilnahme am Geschehen motiviert wurde und somit den Schauspielern Anregungen gab, die diese dann konkret und augenblicklich in das Stück integrierten.
Im Theater der Unterdrückten gibt es keine Zuschauer im Sinne von "spectare = sehen". Zuschauen bedeutet hier eingreifen, selbst zur Handlung bereit sein. Das Publikum wird zur Intervention aufgefordert. Die auf der Bühne gezeigte Handlung ist eine Möglichkeit "und die eingreifenden Zuschauer sind aufgefordert, neue Alternativen zu erfinden"16, die keinen Ersatz für reales Handeln darstellen, dennoch aber Probehandlungen sind, "die dem Handeln in der Realität vorausgehen"17. So besteht durch das Theater, nach BOAL, eben die Möglichkeit der Selbstbeobachtung, in der der Mensch entdeckt, was er ist und was er hätte werden können, wohin er hätte gehen können.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Erkenntnisinteresse der Arbeit ein, welches sich mit den nachhaltigen Wirkungen theaterpädagogischer Prozesse beschäftigt, die über eine rein formale Bildung hinausgehen.
2. Theaterpädagogik - eine Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert Theaterpädagogik als Arbeit mit Laien und stellt vier beispielhafte Konzepte (Boal, Frei, Scheller, Johnstone) vor, um die Bandbreite theaterpädagogischer Intentionen aufzuzeigen.
3. Zu den Intentionen von Theaterarbeit: Hier werden die persönlichkeitsbildenden Elemente und das Spektrum der Erfahrungsweisen im Theaterspiel analysiert sowie die Bedeutung der Theaterarbeit in sozialen Feldern herausgearbeitet.
4. Forschung zur Nachhaltigkeit von Theaterarbeit: Das Kapitel diskutiert den Bedarf und die methodischen Probleme einer wissenschaftlichen Wirkungsforschung, die sich mit den subjektiven und oft schwer kalkulierbaren Prozessen ästhetischer Erfahrung befasst.
5. Primärstudie: In diesem Teil wird die eigene empirische Untersuchung an einer integrativen Theatergruppe mit Menschen mit Behinderungen vorgestellt, um die theoretischen Hypothesen zur Wirkung von Theaterarbeit zu stützen.
6. Ausblick: Der Ausblick resümiert die Bedeutung des Theaters für die Lebenspraxis und betont die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Systematik in der zukünftigen Erforschung theaterpädagogischer Wirkungen.
Theaterpädagogik, Lebenspraxis, Wirkungsforschung, Sozialarbeit, Inklusion, Theater der Unterdrückten, Szenisches Spiel, Jeux Dramatiques, Improvisation, Nachhaltigkeit, Psychosoziale Entwicklung, Identitätsbildung, qualitative Sozialforschung, integrative Theatergruppe, Selbsterfahrung.
Die Arbeit untersucht, welche nachhaltigen Wirkungen die Theaterpädagogik auf die Lebenspraxis von Menschen hat und wie diese Prozesse wissenschaftlich erfasst werden können.
Die zentralen Themen umfassen die Definition theaterpädagogischer Konzepte, die Untersuchung ihrer persönlichen und sozialen Wirkungsweisen sowie die Anwendung in sozialen Feldern, insbesondere bei Randgruppen.
Das primäre Ziel ist die Beantwortung der Frage nach den nachhaltigen, über das Theaterereignis hinausgehenden Wirkungen theaterpädagogischer Arbeit auf die Alltagskompetenzen der Akteure.
Die Arbeit stützt sich auf eine qualitative Sozialforschung, konkret auf teilstandarisierte, problemzentrierte Interviews im Rahmen einer Primärstudie.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung verschiedener Theaterkonzepte, eine Analyse der Intentionen von Theaterarbeit und die Darstellung der empirischen Forschungsergebnisse zur integrativen Arbeit.
Zentrale Begriffe sind Theaterpädagogik, Nachhaltigkeit, psychosoziale Wirkungen, Inklusion, Selbsterfahrung und qualitative Forschung.
Die Arbeit fokussiert nicht auf die künstlerische Qualität der Aufführung, sondern auf die durch den Prozess des Theaterspielens ausgelösten Veränderungsprozesse im sozialen und persönlichen Bereich der Spielenden.
Die Arbeit zeigt auf, dass Gruppen in diesem Kontext oft sehr heterogen sind, eine längere Probenzeit benötigen und dass die Theaterarbeit hier als Instrument zur Identitätsstärkung und zum Abbau von Vorurteilen fungiert.
Der Autor argumentiert, dass eine empirische Unterfütterung notwendig ist, um die Legitimität und Finanzierbarkeit theaterpädagogischer Arbeit in institutionellen Kontexten gegenüber Geldgebern und Institutionen zu sichern.
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