Diplomarbeit, 2010
113 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
2.1 Der Jugendbegriff
2.2 Der Gewaltbegriff
3. Stand der Forschung
3.1 Entwicklung der Jugendgewalt
3.1.1 Entwicklungen im Hellfeld
3.1.2 Entwicklungen im Dunkelfeld
3.2 Risikofaktoren
3.2.1 Gewalt in der Familie
3.2.2 Drogen und Gewalt
3.2.3 Unterschichtzugehörigkeit
3.2.4 Delinquente Freunde und Gruppengewalt
3.2.5 Lehrerreaktionen
3.2.6 Migrationshintergrund
4. Klassische Theorien abweichenden Verhaltens
4.1 Anomietheorien bei Durkheim, Merton u.a.
4.2 Theorien der Subkultur
4.3 Theorien des differentiellen Lernens
4.4 Marxistische Theorien
5. Moderne Theorien abweichenden Verhaltens
5.1 Theorie der Selbstkontrolle
5.2 Rational Choice-Theorie
5.3 Routine Activity Approach
5.4 Broken-Windows-These
6. Forschungsleitende Hypothesen
7. Bivariate und multivariate Berechnungen
7.1 Beschreibung der Stichprobe
7.2 Über die logistische Regression
7.3 Berechnungen
7.4 Zusammenfassung der Ergebnisse
7.5 Modell-Fit
8. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Faktoren von abweichendem Verhalten und Gewalt an beruflichen Schulen in München auf Basis von Schülerbefragungen aus den Jahren 2002 bis 2004, mit dem Ziel, bestehende Forschungslücken in diesem Bereich zu schließen.
3.1.2 Entwicklungen im Dunkelfeld
Das Dunkelfeld wird von Walter (2005:220) begriffen als Anteil der nicht offiziell bekannt gewordenen Delikte, von der man die Aufklärungsquote abgrenzen kann. Letztere geht von den bekannt gewordenen Straftaten aus und benennt den Anteil, für den zumindest ein Tatverdächtiger ermittelt wurde. Die Zäsur zum Hellfeld liege also beim Prozess des Bekannt Werdens oder der Registrierung eines Delikts. Die Dunkelfeldforschung beziehe sich auf die Erfassung von realen Verhaltensweisen, die kriminalisierbar gewesen wären. Die Hauptschwierigkeit sieht Walter (ebd.:221) darin, dass bei einer Dunkelfeldbefragung als Täterbefragung Amateure einen hypothetischen Registriervorgang, bei dem sie selbst die Beschuldigten sind, vornehmen müssten. Registriert werde damit nicht wie sonst seitens der Polizei, sondern über den Erhebungsbogen durch den jeweiligen Forscher. Das Unternehmen könne nur gelingen, wenn den Amateuren das rechtlich Relevante verständlich gemacht werden kann, die Befragten sich genügend erinnern und wahrheitsgemäß antworten (vgl. auch Bundesministerium der Justiz 2001:14f.).
Bei der Erforschung der Jugendgewalt hat sich in der Praxis die Methode der Selbstauskünfte der Täter bewährt (vgl. Fuchs et al. 2001:27). Auch Fuchs et al. (2005) haben sich auf diese Weise dem Thema genähert; sie haben eine Trenduntersuchung der Jahre 1994 und 1999 im Jahr 2004 fortgesetzt. Diese Methode der Selbstberichte bietet vielerlei Vorteile hat aber auch Nachteile; zu letzterem gehört, dass es sicher eine gewisse Anzahl von Schülern gibt, die bei der Beantwortung der Fragen ihr eigenes Täterhandeln im Sinne einer sozialen Erwünschtheit versuchen werden herunterzuspielen. Andererseits kommt es vor, dass Teilnehmer sich in Szene setzen wollen und so kleinere Taten übertreiben werden (vgl. Fuchs et al. 2005:71). Diese Messfehler können laut Fuchs et al. kaum eingeschätzt werden. Nichtsdestotrotz gehen die Autoren davon aus, dass „die Qualität der Daten zur Häufigkeit der selbst ausgeübten Gewalt vergleichsweise hoch ist und die Informationen als valide Beschreibung der Situation an bayerischen Schulen im Frühjahr 2004 dienen können“ (ebd. f.). Zur Validität von Selbstauskünften siehe Köllisch/Oberwittler (2004).
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Jugenddevianz ein und hebt die Relevanz der Untersuchung von Gewalt an Berufsschulen hervor.
2 Begrifflichkeiten: Es werden grundlegende Definitionen von Jugend und Gewalt erarbeitet, um eine theoretische Basis für die Untersuchung zu schaffen.
3 Stand der Forschung: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die historische Entwicklung von Jugendgewalt sowie identifizierte Risikofaktoren.
4 Klassische Theorien abweichenden Verhaltens: Klassische Erklärungsansätze wie Anomietheorien und Subkulturtheorien werden kritisch beleuchtet.
5 Moderne Theorien abweichenden Verhaltens: Moderne Konzepte, darunter die Selbstkontrolltheorie und der Routine-Activity-Approach, werden in Bezug auf ihre Relevanz für die Arbeit diskutiert.
6 Forschungsleitende Hypothesen: Basierend auf der Theoriearbeit werden neun Hypothesen zur Gewaltentstehung bei Jugendlichen aufgestellt.
7 Bivariate und multivariate Berechnungen: Das methodische Vorgehen wird beschrieben und die Ergebnisse der logistischen Regressionsanalyse werden präsentiert.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Die zentralen Erkenntnisse der Arbeit werden resümiert und kritisch hinterfragt, ergänzt durch Ausblicke für zukünftige Forschung.
Jugendgewalt, Jugenddevianz, Berufsschulen, Risikofaktoren, Anomietheorie, Subkultur, Selbstkontrolle, Logistische Regression, Delinquenz, Gewalt in der Familie, Drogenkonsum, Prävention, Dunkelfeldforschung, Sozialisation, Migrationshintergrund.
Die Arbeit analysiert die Faktoren und Ursachen von abweichendem Verhalten und Gewalt bei Jugendlichen an Berufsschulen in München.
Zu den Schwerpunkten gehören der Einfluss von familiärer Gewalt, Drogenkonsum, Cliquenbildungen, der soziale Status, Migrationshintergründe sowie das Verhalten von Lehrkräften.
Das primäre Ziel ist es, durch eine multivariate Datenanalyse (logistische Regression) Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Variablen die Gewaltbereitschaft an beruflichen Schulen maßgeblich beeinflussen.
Es werden Daten aus Schülerbefragungen (2002–2004) mittels binärer logistischer Regression ausgewertet, ergänzt durch bivariate Kreuztabellierungen.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung durch klassische und moderne kriminologische Ansätze, eine Darstellung des Forschungsstandes und die statistische Überprüfung der Hypothesen.
Zentrale Begriffe sind Jugendgewalt, Selbstkontrolle, Risikofaktoren, logistische Regression und Schulsozialisation.
Berufsschulen wurden gewählt, weil sie im Vergleich zu Gymnasien oder Realschulen in der bisherigen Forschung unterrepräsentiert sind, obwohl sie wichtige Orte der Sozialisation darstellen.
Die Erkenntnisse helfen dabei, präventive Maßnahmen zielgerichteter zu gestalten, indem sie aufzeigen, welche Faktoren – wie z.B. die Rolle der Lehrer oder die Cliquenzugehörigkeit – tatsächlich einen messbaren Einfluss auf Gewalt haben.
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