Diplomarbeit, 2010
73 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Lukas 15,1-32
2.1 Abgrenzung des Kapitels 15
2.2 Übersetzung des griechischen Originaltextes
2.3 Aufbau des Kapitels 15
2.4 Synoptischer Vergleich von Lk 15,1-2 und Mt 18,12-14
2.4.1 Die Unterschiede zwischen Lukas und Matthäus
2.4.2 Rekonstruktion der Vorlage aus der Logienquelle „Q“
2.4.3 Die besondere Betonung von Lukas
2.4.4 Die besondere Betonung von Matthäus
3. Lukas 15,1-2: Die narrative Situierung
4. Lukas 15, 3-7: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
4.1 Inhaltliche Gliederung der Perikope
4.2 Aufbau des Gleichnisses grafisch dargestellt
4.3 Realienabklärung
4.4 Andere biblische Texte mit gleichen Aktanten
4.5 Die Intention des Textes
4.6 Gegenüberstellung verschiedener exegetischer Ansätze
4.7 Zusammenfassung der Ergebnisse
5. Lukas 15, 8-10: Das Gleichnis von der verlorenen Drachme
5.1 Inhaltliche Gliederung der Perikope
5.2 Aufbau des Gleichnisses grafisch dargestellt
5.3 Realienabklärung
5.4 Andere biblische Texte mit gleichen Aktanten
5.5 Die Intention des Textes
5.6 Gegenüberstellung verschiedener exegetischer Ansätze
5.7 Zusammenfassung der Ergebnisse
6. Lukas 15, 11-32: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn
6.1 Inhaltliche Gliederung der Perikope
6.2 Aufbau des Gleichnisses grafisch dargestellt
6.3 Realienabklärung
6.4 Andere biblische Texte mit gleichen Aktanten
6.5 Die Intention des Textes
6.6 Gegenüberstellung verschiedener exegetischer Ansätze
6.7 Zusammenfassung der Ergebnisse
7. Schlussreflexion
7.1 Aussage in der Zusammenschau der Gleichnistrias
7.2 Bedeutungen der Gleichnistrias im Blick auf die Positionierung im Evangelium des Lukas
7.3 Zusammenschau der Ergebnisse
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in der exegetischen Untersuchung des 15. Kapitels des Lukasevangeliums, um die theologischen Aussagen der Gleichnistrias vom Verlieren und Wiederfinden zu ergründen und die Absicht des Evangelisten gegenüber seinen Lesern zu verdeutlichen.
2.4.1 Die Unterschiede zwischen Lukas und Matthäus
Das Gleichnis vom verlorenen Schaf findet sich nicht nur bei Lukas, sondern auch im Matthäusevangelium (Mt 18,12-14). Wie bereits erwähnt, haben beide den Text des Gleichnisses vom verlorenen Schaf wahrscheinlich der Logienquelle „Q“ entnommen, wofür auch die große Ähnlichkeit der Perikopen spricht. Die bei Lukas folgenden Erzählungen von der „verlorenen Drachme“ und vom „verlorenen Sohn“ fehlen bei Matthäus und sind daher als lukanisches Sondergut zu betrachten. Möglich wäre auch, dass Matthäus das Gleichnis von der verlorenen Drachme nicht aus „Q“ übernommen hat. Dass die erste Möglichkeit wahrscheinlicher ist, kann man dem Fest entnehmen, das der lukanische Hirte feiert, der matthäische aber nicht.
Es ist zu vermuten, dass Lukas dieses Fest einfach aus dem Gleichnis von der verlorenen Drachme in das von dem verlorenen Schaf übernommen hat. Für diese Vermutung spricht, dass es ziemlich unwahrscheinlich scheint, dass der Hirte das Schaf vom Gebirge mit in eine Wohngegend bringt, statt es zur Herde zurück zu bringen. Es ist allerdings zu bedenken, dass aus dem Text nicht hervorgeht, wo die Herde war. Vielleicht hat der Hirte auch mit anderen Nomaden gefeiert.
Sollte die Theorie der Übernahme stimmen, müssten beide Gleichnisse ursprünglich eigenständig gewesen und erst später verbunden worden sein.
Ob das Gleichnis von der verlorenen Drachme aus „Q“, dem lukanischen Sondergut oder sogar von Lukas selber stammt, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Entscheidend ist, dass Lukas die drei Texte unter einem Rahmen zusammengestellt hat und daher auch gemeinsam gelesen haben will. Woher die Texte stammen, ist demgegenüber von geringerer Bedeutung.
Es ist auffällig, dass der Jesus des Lukastextes seine Zuhörer viel direkter anspricht als der bei Matthäus. Bei Lukas heißt es „Welcher Mensch von euch“ (Lk 15,4), bei Matthäus ist es „irgendein Mensch“ (Mt 18,12).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Ziel der Untersuchung ein, das 15. Kapitel des Lukasevangeliums zu analysieren und die Aussagen der Gleichnistrias für die Leser des Evangeliums zu erschließen.
2. Lukas 15,1-32: Dieses Kapitel bietet eine philologische Basis durch die Übersetzung des griechischen Originaltextes und führt in die Struktur sowie den synoptischen Vergleich der Kapitelinhalte ein.
3. Lukas 15,1-2: Die narrative Situierung: Hier wird der situative Rahmen analysiert, in dem Jesus mit Sündern und Zöllnern isst, was den kritischen Ausgangspunkt für die nachfolgenden Gleichnisse bildet.
4. Lukas 15, 3-7: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf: Dieses Kapitel untersucht die Gliederung, den kulturellen Hintergrund der Hirten-Metaphorik und die Intention des ersten Gleichnisses im Kontext der Verlorenheit.
5. Lukas 15, 8-10: Das Gleichnis von der verlorenen Drachme: Der Fokus liegt hier auf dem Doppelgleichnis, der weiblichen Bildsprache Gottes und der Bedeutung des Aufwandes für das Wiederfinden.
6. Lukas 15, 11-32: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn: Dieses Kapitel behandelt das komplexeste der drei Gleichnisse, analysiert den Auszug des Sohnes, die Rolle des barmherzigen Vaters und den Konflikt mit dem älteren Bruder.
7. Schlussreflexion: Die Reflexion fasst die Zusammenschau der gesamten Gleichnistrias zusammen und ordnet sie theologisch in den lukanischen Reisebericht und die Passion Jesu ein.
Lukas 15, Gleichnistrias, Verlorener Sohn, Verlorenes Schaf, Verlorene Drachme, Umkehr, Barmherzigkeit, Gottesbild, Exegese, Logienquelle Q, Streitgespräch, Sündenvergebung, Pharisäer, Tischgemeinschaft, Lukanische Theologie
Die Arbeit untersucht das 15. Kapitel des Lukasevangeliums, das durch eine Trias von Gleichnissen – vom verlorenen Schaf, der verlorenen Drachme und dem verlorenen Sohn – geprägt ist, um deren theologische Intention zu entschlüsseln.
Die zentralen Themen sind der Umgang Jesu mit Sündern und Zöllnern, der narrative Kontext des Streitgesprächs mit Pharisäern, die biblische Bildsprache von Gott als Hirte oder suchende Frau sowie die Frage nach Umkehr und Gnade.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lukas durch die Zusammenstellung dieser drei Gleichnisse das Verhalten Jesu rechtfertigt und seine Leser zu einer Auseinandersetzung mit der unbedingten Gnade Gottes einlädt.
Es wird eine exegetische Methode angewandt, die eine wortgetreue Übersetzung des griechischen Textes, einen synoptischen Vergleich, eine Realienabklärung sowie die Analyse des erzählexternen Kontexts umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Untersuchung der drei Gleichnisse, wobei jeweils Gliederung, Aufbau, Realien, biblische Parallelen, Intention und verschiedene exegetische Ansätze kritisch betrachtet werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gleichnistrias, Umkehr, Gottesbild, lukanische Theologie, Tischgemeinschaft und das Streitgespräch zwischen Jesus und seinen Gegnern definiert.
Das Murren bildet den narrativen Anlass für Jesus, die Gleichnisse zu erzählen; es verdeutlicht den Konflikt zwischen dem religiösen Selbstverständnis der Gesetzeswahrer und dem heilbringenden Handeln Jesu, der Sünder in seine Gemeinschaft aufnimmt.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Schuldfrage: Während bei Matthäus das Schaf sich "verirrt" (eigene Schuld), betont Lukas den Hirten, der das Schaf "verliert" und aktiv sucht, bis er es findet, was das Engagement Gottes unterstreicht.
Das Fest symbolisiert in allen drei Fällen die Freude Gottes über den wiedergefundenen Sünder; es ist ein Appell an die Zuhörer, sich dieser Freude anzuschließen und die Exklusion von Sünderinnen und Sündern zu überwinden.
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