Bachelorarbeit, 2010
67 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
2. GESELLSCHAFTS- UND STAATSTHEORETISCHE GRUNDLEGUNGEN
2.1 MACHTKÄMPFE
2.2 GEWALT
2.3 GENESE MODERNER STAATLICHKEIT
3. STAATLICHKEIT IM WANDEL
3.1 GEWALT IN DEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
3.1.1 DAS MOSAIK DER GEWALT
3.1.2 DIE POLITISCHE ÖKONOMIE VON GEWALTAKTEUREN
3.1.3 HERRSCHAFT IN RÄUMEN BEGRENZTER STAATLICHKEIT
3.2. TRANSFORMATIONEN DES MODERNEN GEWALTMONOPOLS
3.2.1 BEDEUTUNGSVERLUST DES NATIONALSTAATES
3.2.2 DIE PRIVATISIERUNG DER GEWALT
4. KRISE ODER NEUKONFIGURATION?
Die Arbeit untersucht, inwiefern sich die Transformationsprozesse von Staatlichkeit – insbesondere in den Bereichen Internationalisierung und Privatisierung – auf das staatliche Gewaltmonopol auswirken und ob diese Entwicklung eher in eine Krise und den Zerfall des Monopols oder in dessen Neukonfiguration mündet.
2.1 Machtkämpfe
Folgt man der Ansicht von Max Weber und Heinrich Popitz, so ist jede Gesellschaft eine Arena von Machtkämpfen. Macht beschreibt dabei die Chance, den eigenen Willen gegen Widerstand eines Anderen durchzusetzen (Weber 1980: 28). Der Kampf ist die dazugehörige soziale Beziehung, in der verschiedene Akteure versuchen, ihren Willen gegen den der anderen Akteure durchzusetzen. Weber grenzt dabei Kampf von Konkurrenz ab, indem für letztere Form sozialer Beziehungen nur friedliche Machtmittel gelten. Konkurrenz zeichnet sich also durch die Abwesenheit von physischem Zwang aus (Weber 1980: 20). Weiterhin ist Gesellschaft dadurch charakterisiert, dass Machtbeziehungen omnipräsent sind und menschliches Handeln regelmäßig diktieren.
Popitz geht dabei so weit, dass er das Leben eines Menschen als Sequenz gewonnener und verlorener Machtkämpfe beschreibt (Popitz 1992: 16). Um sich gegen den Widerstand eines Anderen durchsetzen zu können, bedarf es an einem Mehr an Macht, das heißt, Macht beruht auf Ungleichheit (Schlichte 2005: 65). Das Ergebnis eines Machtkampfes ist daher abhängig von der vorherrschenden Konstellation von Ungleichheiten und führt in der Regel zur Auslese derer, die über die wesentlichen Machtressourcen in stärkerem Maße verfügen.
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Transformation von Staatlichkeit und Vorstellung der zentralen Fragestellung bezüglich der Zukunft des Gewaltmonopols.
2. GESELLSCHAFTS- UND STAATSTHEORETISCHE GRUNDLEGUNGEN: Theoretische Herleitung von Macht, Gewalt und der Genese moderner Staatlichkeit auf Basis soziologischer Klassiker.
2.1 MACHTKÄMPFE: Analyse der Allgegenwart von Machtkämpfen und der Bedeutung von Kapitalressourcen sowie sozialen Feldern.
2.2 GEWALT: Untersuchung der Ursprünglichkeit von Gewalt als Aktionsmacht und ihrer Rolle in sozialen Ordnungen.
2.3 GENESE MODERNER STAATLICHKEIT: Nachzeichnung des historischen Prozesses der Gewaltmonopolisierung und Staatsbildung.
3. STAATLICHKEIT IM WANDEL: Analyse aktueller Transformationsprozesse in globaler Perspektive.
3.1 GEWALT IN DEN ENTWICKLUNGSLÄNDERN: Untersuchung gewaltgeprägter Ordnungen außerhalb funktionaler staatlicher Gewaltmonopole.
3.1.1 DAS MOSAIK DER GEWALT: Darstellung der heterogenen Gewaltlandschaft und informeller Strukturen in Entwicklungsländern.
3.1.2 DIE POLITISCHE ÖKONOMIE VON GEWALTAKTEUREN: Analyse ökonomischer Logiken und Gewaltmärkte als Finanzierungsquellen für bewaffnete Gruppen.
3.1.3 HERRSCHAFT IN RÄUMEN BEGRENZTER STAATLICHKEIT: Erläuterung von Patronage und Kriegsfürstentum als alternative Herrschaftsformen.
3.2. TRANSFORMATIONEN DES MODERNEN GEWALTMONOPOLS: Untersuchung von Internationalisierung und Privatisierung in Industrienationen.
3.2.1 BEDEUTUNGSVERLUST DES NATIONALSTAATES: Analyse des Einflusses globaler Vernetzung auf staatliche Autonomie.
3.2.2 DIE PRIVATISIERUNG DER GEWALT: Untersuchung der Auslagerung von Sicherheitsaufgaben an private Akteure und deren Folgen.
4. KRISE ODER NEUKONFIGURATION?: Synthese der Ergebnisse und Bewertung der Zukunft des Gewaltmonopols zwischen Anpassung und Zerfall.
Staatlichkeit, Gewaltmonopol, Macht, Herrschaft, Transformation, Privatisierung, Internationalisierung, organisierte Kriminalität, Gewaltmärkte, Legitimität, Patronage, Sicherheit, Governance, Staatbildung, Neue Kriege
Die Arbeit untersucht den Wandel staatlicher Ordnung, insbesondere die Frage, ob das Monopol physischer Gewalt durch Transformationsprozesse wie Globalisierung und Privatisierung in eine Krise gerät oder sich lediglich neu konfiguriert.
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Machttheorie, die Analyse von Gewalt in Entwicklungsländern sowie die Transformation der staatlichen Sicherheitsbereitstellung in westlichen Industriestaaten.
Das Ziel ist es, auf Basis soziologischer Theorien zu bewerten, inwiefern der Wandel der globalen Sicherheitsarchitektur die Stabilität und die Legitimität des staatlichen Gewaltmonopols nachhaltig verändert.
Die Arbeit nutzt einen makroskopischen, politikwissenschaftlichen Ansatz unter Einbeziehung staats- und gesellschaftstheoretischer Konzepte, um historische Prozesse und aktuelle Dynamiken der Staatlichkeit zu vergleichen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Grundlegung (Macht/Gewalt/Staat) und eine empirisch orientierte Analyse der Gewaltphänomene in Entwicklungsländern sowie der Privatisierungstendenzen in westlichen Staaten.
Schlüsselbegriffe sind Gewaltmonopol, staatliche Herrschaft, Transformation, Privatisierung, organisierte Kriminalität und Legitimität.
In Entwicklungsländern entstehen häufig parallele, oft gewaltbasierte Machtstrukturen (Warlords/Kriegsfürstentum) mangels staatlicher Kontrolle, während in Industriestaaten eine staatlich intendierte Privatisierung (Outsourcing) erfolgt, die jedoch ebenfalls zur Diffusion staatlicher Autorität führt.
Governance beschreibt das Zusammenwirken staatlicher und nicht-staatlicher Akteure bei der Regelung gesellschaftlicher Sachverhalte, wobei in Räumen begrenzter Staatlichkeit die hierarchische staatliche Lenkung oft durch informelle oder marktbasierte Anreizstrukturen ersetzt wird.
Kritikpunkte sind unter anderem die "Kommodifizierung" von Sicherheit (Sicherheit als Frage des Einkommens), der Kontrollverlust staatlicher Organe über private Dienstleister sowie die Gefahr, dass private Akteure ein Eigeninteresse an der Aufrechterhaltung von Unsicherheit entwickeln.
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