Magisterarbeit, 1992
74 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Zur Themenwahl
1.2 Überblick über die Region
1.3 Das sudanesische Niltal im Spannungsfeld zwischen Islam und Volksglauben
2. Aspekte des Frauenlebens in der islamischen Gesellschaft des Nordsudans
2.1 Der legale Status der Frau
2.2 Die Frau im Zentrum der Tugenden
2.2.1 Ird, der Anstand
2.2.2 Karama, die Würde
2.2.3 Scharaf, die Ehre
2.3 Ein Mädchen wird zur "Braut": Die Mädchenbeschneidung
2.3.1 Die Zirkumzision aus medizinischer Sicht
2.3.2 Soziale Aspekte
2.4 Sozialer Wandel in den Städten
2.5 Frauenbewegungen
3. Die Beziehung der Geschlechter
3.1 Der häusliche Innenbereich als Lebenssphäre der Frau
3.2 Die Familie
3.2.1 Die Ehe
3.3 Die Frau nach der Menopause: Mittlerin zwischen privater und öffentlicher Sphäre
4. Volksreligiöse Vorstellungen und Praktiken als Ausdruck einer weiblichen Gegenkultur - Dargestellt am Beispiel der Gaalijjin und der Schaikijja
4.1 Die Gaalijjin
4.1.1 Herkunft und Lebensraum
4.1.2 Spirituelle Kräfte und übermenschliche Wesen
4.1.2.1 Der "Böse Blick"
4.1.2.2 Muschahara: Die Gefahr für Frauen
4.1.2.3 Umm as Subjan: "Die Mutter der kleinen Kinder"
4.1.3 Die Heiligen: Mittler zwischen Gott und Mensch
4.2 Die Schaikijja
4.2.1 Der Zar
4.2.1.1 Die Schaicha
4.2.1.2 Phänomene der Besessenheit
4.2.1.3 Zar-Typen
4.2.1.4 Das Zar-Fest
4.2.2 Die Beziehung zwischen Zar und slam bei den Schaikijja
5. Konsequenzen
6. Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht die Lebensbedingungen und Lebensmuster von Frauen in der traditionellen islamischen Gesellschaft des sudanesischen Niltals unter Berücksichtigung sozioökonomischer und historischer Faktoren. Das zentrale Ziel ist es, beispielhaft anhand der Stämme der Gaalijjin und Schaikijja aufzuzeigen, wie Frauen trotz islamischer Normen eine spezifische weibliche Kultur bewahren und welche Rolle volksreligiöse Praktiken dabei spielen.
4.1.2.2 Muschahara: Die Gefahr für Frauen
Der Begriff muschahara läßt sich von dem arabischen Wort schahr, Neumond oder Monat, ableiten (s. El Tayib 1955: 146; Boddy 1989: 100; Kennedy 1978: 126; Boehringer-Abdalla 1987: 62). Mit muschahara werden Gefahren bezeichnet, für die Frauen in einem leicht verletzbaren Zustand besonders anfällig sind: "A basic idea of the customs associated with the terms is that if certain actions are engaged in before the appearence of the new moon (indicated the beginning of the lunar month), harm will befall an individual undergoing a `crisis' rite." (Kennedy 1978: 126)
Schwangere, Gebärende, gerade zirkumzisierte Mädchen und frisch verheiratete Frauen gelten als besonders gefährdet (s. Kennedy 1967: 688). Potentielle muschahara-Gefahren liegen für die Frauen der Gaalijjin in dem Anblick von Gold*, fließendem Blut, toten Lebewesen und in der Flußüberquerung (Boehringer-Abdalla 1987: 62).
Auch die Teilnahme an einer Beerdigung oder der Besuch eines Menschen, der gerade einem Begräbnis beiwohnte oder einen Toten sah, birgt die Gefahr von muschahara in sich (s. El Tayib 1955: 146). Eine weitere Gefahr kann das Hereinbringen von Messern, Rasierklingen und Auberginen** in den Raum, in dem sich eine gefährdete Frau befindet, sein (s. Boddy 1989: 101; Kennedy 1967: 688). Auch das Besuchen eines gerade beschnittenen Kindes oder das Helfen bei einer Geburt kann für eine Frau die muschahara-Gefahr mit sich bringen, da sie Blut sehen könnte (s. Kennedy 1967: 688), und das Blut Verletzbarkeit symbolisiert. Das fließende weibliche Blut demonstriert also gleichzeitig die weibliche Fruchtbarkeit (s. Boddy 1989: 100) und Gefahr. Das fließende Blut aus dem Genitalbereich der Frau bei Beschneidung, Heirat oder Geburt hat, in der Vorstellung der Gaalijjin, eine besondere Anziehungskraft auf "mächtige" und "launenhafte" Geister (s. Boehringer-Abdalla 1987: 63).
1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Bedeutung des Islam im Sudan und stellt die Forschungsfrage nach den Lebensmustern muslimischer Frauen im Niltal.
2. Aspekte des Frauenlebens in der islamischen Gesellschaft des Nordsudans: Dieses Kapitel analysiert den sozialen Verhaltenskodex, den Status der Frau, die Bedeutung der Mädchenbeschneidung sowie den sozialen Wandel in städtischen Gebieten.
3. Die Beziehung der Geschlechter: Hier wird die patriarchalische Struktur der Familie und die Trennung in eine weibliche Innen- und männliche Außensphäre sowie die Rolle der Frau nach der Menopause beleuchtet.
4. Volksreligiöse Vorstellungen und Praktiken als Ausdruck einer weiblichen Gegenkultur - Dargestellt am Beispiel der Gaalijjin und der Schaikijja: Das Hauptkapitel untersucht magische Praktiken, den Glauben an Geister wie den zar-Kult und die Rolle der schaicha als Strategie weiblicher Selbstbehauptung.
5. Konsequenzen: Die Autorin zieht Bilanz über die Wirksamkeit von Reformen und diskutiert die Widersprüche zwischen Tradition, gesellschaftlichem Druck und individueller Handlungsfähigkeit der Frauen.
6. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung der Rolle der Frau als Bewahrerin der Tradition innerhalb einer streng geschlechtergetrennten Gesellschaft.
Sudan, Niltal, Islam, Frauenleben, Mädchenbeschneidung, Patriarchat, zar-Kult, Besessenheit, Volksglaube, Geschlechterrollen, Scharia, Soziologie, Ethnologie, weibliche Gegenkultur, Identität.
Die Arbeit beleuchtet die Lebenswelt und die soziokulturellen Verhaltensmuster muslimischer Frauen im nordsudanesischen Niltal unter dem Einfluss von Islam und traditionellen Bräuchen.
Zu den zentralen Feldern gehören die patriarchalische Familienstruktur, die Rolle der Ehre und Scham, die Zirkumzision und die Ausübung volksreligiöser Praktiken wie der zar-Kult.
Die Untersuchung zielt darauf ab zu zeigen, wie Frauen im Niltal ihre eigene Kultur gestalten und durch religiöse oder magische Praktiken innerhalb eines stark begrenzten Rahmens Handlungsspielräume erschließen.
Es handelt sich um eine ethnologische Studie, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich von Feldforschungsdaten basiert.
Der Hauptteil analysiert die Mechanismen, durch die Frauen ihren sozialen Status sichern, die Bedeutung der Beschneidung für die Heiratsfähigkeit und die Funktion des zar-Kultes als therapeutisches Ventil.
Begriffe wie Nordsudan, Geschlechtertrennung, Weibliche Beschneidung, zar-Kult, Volksglaube und soziale Identität fassen die Arbeit prägnant zusammen.
Der Brauch dient nach der Vorstellung der Niltalbewohner dem Schutz der weiblichen Fruchtbarkeit vor bösen Geistern und dem Verschließen des "Hauses der Geburt", um die Ehre und den Status der Familie zu wahren.
Die schaicha fungiert als Anführerin des Kultes und Mittlerin zwischen Mensch und Geistwelt; sie diagnostiziert Besessenheit und leitet die therapeutischen Rituale, wodurch sie selbst einen prestigeträchtigen Status erlangt.
Männer sehen im zar-Kult oft ein "Trickrepertoire" der Frauen, um finanzielle Mittel zu kontrollieren, und betrachten ihn zudem als unislamisches, gar abtrünniges Verhalten, das die soziale Ordnung gefährdet.
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