Magisterarbeit, 2009
128 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Der Diskurs über den Klimawandel
2.1. Die Ursachen des Klimawandels
2.2. Die Risiken und die Folgen des Klimawandels
2.3. Die Anpassungsmaßnahmen an die Auswirkungen des Klimawandels
2.4. Die Charakteristika der Klimaproblematik
2.5. Der Klimawandel als ein massenmediales Thema
3. Die internationale Klimapolitik
3.1. Die politische Verantwortung
3.2. Die Entwicklung der internationalen Klimapolitik
3.3. 2007 Bali: Was kommt nach 2012?
4. Die politische Kommunikation in den Massenmedien
4.1. Was bedeutet die politische Kommunikation?
4.2. Das intermediäre System: Medien
4.3. Die Medien als Gatekeeper, Diskurskonstrukteure und Diskursproduzenten
5. Die klimapolitischen Interessen
5.1. Die Diskrepanzen der Klimaproblemlösung
5.2. Das Interessendreieck in der Klimapolitik
5.3. Die strategische Interaktion der Akteure
6. Die methodische Konzeption: das Untersuchungsdesign
6.1. Über die Zeitungen SZ und FAZ
6.2. Die Ereignishaftigkeit der Berichterstattung
7. Die quantitative Inhaltsanalyse der Zeitungsartikel
7.1. Alle Artikel als Codiereinheit
7.2. Ausgewählte Artikel als Codiereinheit
7.3. Zwischenfazit
8. Die qualitative Inhaltsanalyse der Zeitungsartikel – Leitfragenanalyse
8.1. Die Analyse der Akteure im öffentlichen Diskurs
8.2. Das Standing der Akteure: Akteure als Sprecher
8.3. Die empirische Auswertung der Zeitungsartikel in der FAZ und SZ anhand des Interessendreiecks in der Klimapolitik
8.3.1. EU
8.3.2. Deutschland
8.3.3. USA
8.3.4. Andere Industrieländer: Australien und Kanada
8.3.5. Entwicklungsländer
8.3.6. Schwellenländer
8.3.7. UNO
8.3.8. Akteure aus NGOs
8.3.9. Wissenschaftsakteure
8.3.10. Wirtschaftsakteure
8.4. Zwei Hauptkonflikte der klimapolitischen Interessenkonstellation in den Medien
8.4.1. Nord-Nord-Konflikt
8.4.2. Nord-Süd-Konflikt
9. Fazit
Die Magisterarbeit analysiert die Berichterstattung der deutschen Tageszeitungen FAZ und SZ über die UN-Klimakonferenz auf Bali 2007. Ziel ist es, durch eine soziologische Diskursanalyse aufzudecken, welche Akteure in den Medien zu Wort kommen, welche klimapolitischen Interessen sie vertreten und wie die Zeitungen durch ihre Rolle als Gatekeeper, Diskurskonstrukteure und Diskursproduzenten die Wahrnehmung des Klimawandels und der politischen Klimaverhandlungen steuern.
2.1. Die Ursachen des Klimawandels
Zu einer Besonderheit der Natur gehört die einzigartige Atmosphäre, die die Voraussetzung für das Leben auf unserem Planeten erst überhaupt schafft. Ihre Zusammensetzung ermöglicht eine konstante Temperatur auf der Erdoberfläche, wodurch ein bewohnbares Klima entsteht, in dem sich unsere natürliche Lebenswelt entfalten kann. Dies ist auf den sogenannten natürlichen Treibhauseffekt zurückzuführen. Die Sonnenenergie, die durch Strahlung auf die Erde gelangt, wird vom Erdboden zum Teil absorbiert, zum Teil wieder reflektiert. Die Treibhausgase machen insgesamt nur rund drei Promille der Masse der Atmosphäre aus. Trotz dieses geringen Anteils sind sie in der Lage die Wärmerückstrahlung von der Erdoberfläche in das All so weit zu verhindern, dass auf unserer Erde statt eisiger Weltraumkälte eine durchschnittliche Temperatur von 15°C herrscht. Die Ein- und Abstrahlung muss im Gleichgewicht sein, ansonsten verändert sich die Temperatur der Erde. Eine ausgeglichene Energiebilanz war lange Zeit gegeben (vgl. BMU 2009b).
Heutzutage tritt das Problem auf, dass die Schicht, die das Klima des Planeten reguliert, in nie dagewesener Geschwindigkeit zunimmt. Die Energie-Balance des Klimas wird instabiler, da die von der Erde abgegebene Strahlung nicht den Weg ins All findet, sondern zurückgestrahlt wird. Der Grund dafür ist die rapide Zunahme der THG-Konzentrationen in der Atmosphäre, die den Treibhauseffekt verstärken. Der Anstieg der CO2-Konzentrationen ist größtenteils auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe, wie Öl, Kohle und Gas zurückzuführen. Neben der CO2-Konzentration steigt durch menschliche Verursachung vorwiegend Methan und Lachgas in der Atmosphäre, die durch Landnutzungsänderungen, wie Massenviehzucht mit immer größeren Viehherden, Reisfarmen, Müllhalden sowie durch die Rodung von Wäldern produziert werden. Die Treibhauswirkung von Methan ist wesentlich stärker als die des Kohlendioxids, allerdings wird das Methan in der Atmosphäre viel schneller wieder abgebaut. Das besondere Risiko des Kohlendioxids liegt gerade in der langfristigen Anreicherung. Außerdem gelangen industriell hergestellte, langlebige Gase, die in Klimaanlagen und zur Kühlung genutzt werden, in die Atmosphäre. Durch die Erhöhung der Emissionen der Treibhausgase wird die Strahlungsbilanz verändert. Das Klimasystem passt sich an, um das Gleichgewicht zwischen zugeführter und abgegebener Energie wiederherzustellen, was zur Folge hat, dass sich die Durchschnittstemperatur auf der Erdoberfläche erhöht (vgl. Graßl 2007: 10ff).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die globale Problematik des Klimawandels ein und erläutert die Bedeutung der UN-Klimakonferenz auf Bali 2007 als zentrales politisches Ereignis, dessen mediale Aufarbeitung analysiert wird.
2. Der Diskurs über den Klimawandel: Das Kapitel erläutert die wissenschaftlichen Grundlagen und Ursachen des Klimawandels sowie dessen Wahrnehmung und Darstellung als komplexes, massenmediales Thema.
3. Die internationale Klimapolitik: Hier erfolgt ein Überblick über die Geschichte und Entwicklung der internationalen Klimapolitik von Stockholm 1972 bis Bali 2007 und die damit verbundenen Herausforderungen an die politische Verantwortung.
4. Die politische Kommunikation in den Massenmedien: Dieses Kapitel beleuchtet theoretische Konzepte der politischen Kommunikation und die spezifische Vermittlerrolle der Medien in politischen Prozessen.
5. Die klimapolitischen Interessen: Das Kapitel führt das umweltpolitische Interessendreieck von Prittwitz ein, um die verschiedenen Akteursinteressen (Verursacher, Betroffene, Helfer) in der Klimapolitik theoretisch zu fundieren.
6. Die methodische Konzeption: das Untersuchungsdesign: Es wird das methodische Vorgehen dargelegt, welches die quantitative Inhaltsanalyse der Zeitungen FAZ und SZ sowie die Auswahl des Untersuchungszeitraums beschreibt.
7. Die quantitative Inhaltsanalyse der Zeitungsartikel: In diesem Teil werden formale Merkmale der Berichterstattung beider Zeitungen im Zeitverlauf quantitativ ausgewertet.
8. Die qualitative Inhaltsanalyse der Zeitungsartikel – Leitfragenanalyse: Das Herzstück der Arbeit analysiert die inhaltlichen Positionen der verschiedenen Akteure in den Medienberichten und untersucht die Konfliktlinien der internationalen Klimapolitik.
9. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Medienanalyse zusammen und reflektiert die Rolle von FAZ und SZ bei der Konstruktion klimapolitischer Realitäten.
Klimawandel, UN-Klimakonferenz, Bali 2007, Diskursanalyse, Massenmedien, politische Kommunikation, Interessendreieck, Framing, Gatekeeping, FAZ, Süddeutsche Zeitung, Klimapolitik, internationale Kooperation, Nachhaltigkeit, Treibhausgasemissionen
Die Arbeit untersucht, wie zwei große deutsche Qualitätszeitungen (FAZ und SZ) über die UN-Klimakonferenz auf Bali im Jahr 2007 berichteten und welche politischen Botschaften dabei vermittelt wurden.
Zentrale Themen sind die internationale Klimapolitik, die Rollen verschiedener Akteure (Staaten, NGOs, Wissenschaft) im Klimadiskurs sowie der Einfluss von Massenmedien auf die öffentliche Meinung und politische Entscheidungsprozesse.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Medien als eigenständige Akteure (Gatekeeper und Diskurskonstrukteure) durch ihre Berichterstattung Einfluss auf die Bewertung von Klimaschutzmaßnahmen und die Darstellung nationaler sowie internationaler Interessen nehmen.
Die Autorin kombiniert eine quantitative Inhaltsanalyse (zur Erhebung formaler Daten der Berichterstattung) mit einer qualitativen Diskursanalyse (Leitfragenanalyse zur inhaltlichen Untersuchung der Akteurspositionen).
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Kommunikation, Interessenmodelle) und eine empirische Analyse, in der das Standing und die Interessenprofile der Akteure anhand von Zitaten und Argumenten in der FAZ und SZ gegenübergestellt werden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Klimawandel, Diskursanalyse, Massenmedien, politische Kommunikation, Interessendreieck nach Prittwitz und die spezifischen Rollen der FAZ und SZ beschreiben.
Die USA werden von beiden Zeitungen überwiegend als "Blockierer" und als Akteur mit starkem Verursacherinteresse dargestellt, wobei die SZ zusätzlich differenziertere Stimmen (z.B. kritische US-Abgeordnete) stärker einbezieht als die FAZ.
Die FAZ zeigt sich als stärker wirtschaftsorientiert und institutionell geprägt, während die SZ eine oft "mildere" und an Gerechtigkeitsaspekten orientierte Position einnimmt und den Entwicklungsländern mehr Raum zur Artikulation gibt.
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