Diplomarbeit, 2000
292 Seiten, Note: Sehr gut
I. Einleitung und Standortbestimmung
II. Die politischen Voraussetzungen für die Akzeptanz einer militärischen Intervention
II. 1. Internationale Politik und „ethnischer Konflikt“
II. 2. Krieg als akzeptierte und institutionalisierte Möglichkeit der Konfliktlösung
II. 3. Die „neue Weltordnung“
III. Die Strategien der Clinton-Administration
III. 1. Neoisolationism
III. 2. Selecitve Engagement
III. 3. Cooperativ Security
III. 4. Primacy
III. 5. Der Clinton-Strategiemix
IV. Die Beziehung zwischen Medien und Militär in lokal begrenzten Konflikten
IV. 1. Korea
IV. 2. Vietnam
IV. 3. Falkland
IV. 4. Grenada
IV. 5. Lateinamerika
IV. 6. Irak
IV. 7. Somalia
IV. 8. Ex-Jugoslawien
IV. 8. 1. Die „neue NATO“ und der Krieg in Jugoslawien
IV. 8. 2. Bosnien
IV. 9. Zusammenfassung von Kapitel IV.
V. Der Kosovo-Konflikt, die Propagandalinie der NATO, der Aufbau und die Weiterverbreitung der Kriegsagenda
V. 1. Vom Berliner Kongreß zur Konferenz von Rambouillet
V. 2. Die NATO-Pressekonferenzen
V. 3. Die Sprachmanipulation während der Konferenzen
V. 4. Der Aufbau einer Kriegsagenda mit Hilfe der journalistischen Elite
V. 4. 1. Instrumentelle Aktualisierung im Kosovo-Konflikt
V. 4. 2. PR im Vorfeld der Nachrichtenselektion
V. 4. 3. Nachrichtenwerte und Relevanzkriterien der Kriegsberichterstattung
V. 4. 4. Die Verbreitungsmechanismen im Nachrichtengeschäft
V. 4. 5. Journalistische Selektivität und ihre Folgen
V. 5. Zusammenfassung von Kapitel V.
VI. Bedingungen für eine pro-interventionistische Berichterstattung
VI. 1. Die Konstruktion von Scheinrealität oder „Public opinion wins war“
VI. 2. Beschränkung und Kontrolle der Journalisten
VI. 3. Wahl und Aufrechterhaltung von Bedrohungsszenarien
VI. 4. Massaker und Greueltaten als Anlaßfall zum militärischen Eingreifen
VI. 5. Der Kampf um die höheren Werte: Demokratie und Menschenrechte
VII. Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse
Die Diplomarbeit untersucht die strukturellen Rahmenbedingungen und mediale Strategien, die während militärischer Interventionen westlicher Eliteländer zur publizistischen Legitimierung von Konflikten wie dem Kosovo-Krieg führen. Zentral ist dabei die Frage, wie einheitliche Tendenzen in der Kriegsberichterstattung erzeugt und genutzt werden, um eine pro-interventionistische Agenda zu verbreiten.
Die Beziehung zwischen Medien und Militär in lokal begrenzten Konflikten
Die Beziehung zwischen Journalisten und Militärs kann unter dem Aspekt der Erfahrungsverwertung gesehen werden. Die Militärs erkannten anhand von bereits geführten Kriegen, wo die Schwachstellen in der Beziehung zwischen ihnen und den Journalisten lagen. Die Militärs lernten, sich die Strukturen des Nachrichtengeschäftes zunutze zu machen. Vertreter der Militärs entwickelten im Laufe der Kriegsgeschichte verschiedene Strategien, um Journalisten in ihrem Sinne zu beeinflussen. Zu diesen Strategien gehören die Beschränkung von Journalisten in ihrer räumlichen Mobilität, die Konstruktion und Aufrechterhaltung einer Scheinrealität, die Aufrechterhaltung von Bedrohungsszenarien und die Verbreitung von Greuelgeschichten über die gegnerische Seite sowie die Aufrechterhaltung der Überzeugung, für eine gerechte Sache zu kämpfen. Diese gerechte Sache beinhaltet heute den Kampf um die höheren Werte, Demokratie und Menschenrechte.
Nach dem Ende des „Kalten Krieges“ traten an die Stelle des ersten und des zweiten Weltkrieges geographisch enger begrenzte Konflikte. Diese begrenzten Konflikte äußerten sich meist in Ausschreitungen unter den Bewohnern eines Staates, die verschiedenen Volksgruppen angehörten oder zwischen den Angehörigen von Nachbarstaaten. Neu an diesen regionalen Konflikten, die meist unter das Paradigma des „ethnischen Konflikts“ subsumiert werden, ist die Forderung nach einer offenen militärischen Intervention einer Elitenation. Umberto Eco hält Krieg zur Lösung von Konflikten für eine Unmöglichkeit aufgrund der Tatsache, daß der Krieg von heute nicht mehr zwischen zwei klar getrennten Fronten verläuft.
I. Einleitung und Standortbestimmung: Die Einleitung führt in die Problematik der Kriegsberichterstattung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Bedingungen für eine pro-interventionistische Stellungnahme von Journalisten.
II. Die politischen Voraussetzungen für die Akzeptanz einer militärischen Intervention: Dieses Kapitel analysiert internationale politische Konzepte, den "ethnischen Konflikt" als neues Paradigma und die Rhetorik der "neuen Weltordnung".
III. Die Strategien der Clinton-Administration: Hier werden die verschiedenen außenpolitischen Grand Strategies der USA (Neoisolationism, Selective Engagement, Cooperative Security, Primacy) detailliert erörtert.
IV. Die Beziehung zwischen Medien und Militär in lokal begrenzten Konflikten: Das Kapitel betrachtet die historische Entwicklung der Beziehung zwischen Medien und Militär anhand zahlreicher Konfliktbeispiele, von Korea bis hin zu den Kriegen in Ex-Jugoslawien.
V. Der Kosovo-Konflikt, die Propagandalinie der NATO, der Aufbau und die Weiterverbreitung der Kriegsagenda: Dieses Hauptkapitel untersucht spezifisch die Propagandataktiken der NATO im Kosovo-Krieg, die Rolle der Konferenzen und die Beeinflussung der journalistischen Elite.
VI. Bedingungen für eine pro-interventionistische Berichterstattung: Das Kapitel systematiert die Mechanismen, die zu einer einseitigen und pro-interventionistischen Berichterstattung führen, wie etwa die Konstruktion von Scheinrealität und die Kontrolle von Journalisten.
VII. Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse: Das abschließende Kapitel resümiert die wesentlichen Ergebnisse der Diplomarbeit hinsichtlich der medialen Konstruktion von Kriegslegitimation.
Kriegsberichterstattung, Medien und Militär, NATO-Propaganda, Kosovo-Konflikt, neue Weltordnung, journalistische Selektivität, humanitäre Intervention, Scheinrealität, Nachrichtenagenturen, Kriegsagenda, politische Rhetorik, Krisenkommunikation, Elitemedien.
Die Diplomarbeit untersucht die publizistischen Rahmenbedingungen, unter denen Journalisten über militärische Interventionen berichten, und analysiert, wie diese Bedingungen zu einer pro-interventionistischen Haltung der Medien beitragen.
Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung des Militär-Medien-Managements, die Strategien der Clinton-Administration sowie die gezielte Nutzung von Propaganda und moralischer Rhetorik in modernen Konflikten.
Die Arbeit fragt nach den Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit Journalisten pro oder kontra eines militärischen Angriffs publizistisch Stellung beziehen, und wie militärische Akteure diese Entscheidung beeinflussen.
Die Autorin stützt sich auf eine beziehungsgeschichtliche Aufarbeitung und eine inhaltsanalytische Betrachtung der journalistischen Praxis in kriegerischen Konflikten unter Berücksichtigung kommunikationswissenschaftlicher Theorien.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der historischen Beziehung zwischen Medien und Militär, der Analyse der NATO-Propaganda im Kosovo-Konflikt sowie der Untersuchung von Mechanismen der Nachrichtenselektion und -aufbereitung.
Zentrale Begriffe sind Kriegsberichterstattung, Medien und Militär, NATO-Propaganda, Kosovo-Konflikt, humanitäre Intervention und Nachrichtenwerttheorie.
Die Autorin zeigt auf, wie die NATO durch ein strategisches Medienmanagement und gezielte Pressebriefings ein spezifisches Feindbild (Milosevic) konstruierte, um den Luftkrieg publizistisch als humanitäre Notwendigkeit zu legitimieren.
PR-Agenturen fungieren laut Autorin als aktive Informationsproduzenten, die durch gezielte Kampagnen und die Manipulation von Narrativen in der Berichterstattung die öffentliche Meinung maßgeblich im Sinne ihrer Auftraggeber beeinflussen.
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